Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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anderen Hand geschrieben und mit drei Kupferstichen versehen ist, offenbar, wie wir sehen werden, apokryph und irrtümlich in den Akt eingelegt worden ist, da die echte Beilage C in Verlust geraten ist.* Das Gesuch (ohne Angabe des Ortes und des Datums) wurde von Mirowitz im hohen Alter in Prag64 um das Jahr 167065 geschrieben und dem Grafen Humprecht Johann Czernin überreicht. Mirowitz hatte bereits ein unruhiges, bewegtes Leben hinter sich. Im Jahre 1631 hielt er sich als Salzfaktor in Schlesien auf, wo er auch die Meth- und Branntweinsteuer gepachtet hatte. Er unterbreitete damals der böhmischen Landesregierung ein Projekt, wie das Salzgefälle in Böhmen gesteigert werden könnte und erhielt im Vereine mit einem Prager Bürger ein Patent, die Elbe, Moldau und Eger schiffbar zu machen. Er machte 1647 einen Vorschlag, wie der schlesische Salzhandel um einige 100.000 fl. ergiebiger gemacht werden, und 1648, wie aus der polnischen Salzeinfuhr ein größerer Nutzen gezogen werden könnte. Diese Vorschläge wurden aber 1649 vom Kaiser verworfen und der Salzhandel dem Grafen Wrzesovez überlassen, über den sich bald die Stände Schlesiens beschwerten. 1652 war er in Prag und 1656 in Brelau, wo er wegen Schulden, in welche ihn seine Projekte gestürzt hatten, in den Schuldnerarrest gesetzt wurde. Doch trat er in den folgenden Jahren immer wieder mit neuen Projekten hervor. Nach dem Jahre 1660 unterbreitet er und der Bürger Thomas Mayer nochmals einen Entwurf, „den Handel in Flor zu bringen",66 und auch noch im hohen Alter tritt er mit dem neuen Projekt hervor, das er dem Grafen Czernin in einer Bittschrift vorlegt. In dieser gibt er einleitend einige Daten aus seinem Leben. Er sei, so führt er aus, viele Jahre hindurch im Dienste des Kaisers in Polen gestanden. Er habe auch anderen hohen Persönlichkeiten (Fürsten, Grafen und Freiherren) gedient, in deren Dienst er ein großes Einkommen und die Gelegenheit hatte, Reisen zu Wasser und auf dem Lande zu machen und fremde Länder und Städte kennen zu lernen, wo er Kenntnisse und Erfahrungen gesammelt und neue wertvolle Erfindungen kennen gelernt habe, aus deren Nutzbarmachung sich für den Kaiser und dessen Landstände ein neues Einkommen ergeben würde, das er auf „einige Tonnen Goldes" jährlich einschätzt. Zur Nutzbarmachung dieser Erfindungen sei es jedoch nötig, daß eine hohe Persönlichkeit, u. zw. einer der kaiserlichen geheimen Räte, * Während des Druckes habe ich zufällig die echte vermißte Beilage C der Bittschrift in einem Aktenfaszikel, wohin sie nicht gehört, gefunden. In dieser Beilage macht Mirowitz seine Schuldner namhaft, die ihm den Betrag von 356.100 fl., was ungefähr 200 Reichstaler (den Reichstaler zu 1 % Gulden gerechnet) ausmacht, schulden. Es sind dies die Erben des polnischen Adeligen Boleschnik in Schlesien, dessen Vermögen bereits „durch Kay. und Oberamts Befelch" zu seinem Gunsten mit Beschlag belegt wurde, und die Jacob Bassewischen Erben in Prag. 33 41