Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Zur Wirtschaftsgeschichte der Prager Juden Von Rabbiner Dr. Michael Rachmuth Aus der enormen Kontribution, welche die Prager Juden im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert an den Fiskus abführten,1 ist ersichtlich, daß dieselben im wirtschaftlichen Leben Böhmens einen ganz hervorragenden Platz einnahmen. Aus der von Prokes veröffentlichten Konskription der Prager Judenschaft vom Jahre 17292 ersehen wir, daß die Prager Juden in verschiedenen Handwerken und in allen Zweigen des Handels sich betätigten. Wir wissen, daß sie auf den Messen in Leipzig, Breslau usw. ständige Gäste waren.3 Wir wissen, daß sie den Import von feinen Tuchen, Seide, Seidenwaren und anderen Luxusgegenständen fast ganz in den Händen hatten. Wir wissen auch, daß sie nicht nur in ihren Häusern im Ghetto und auf dem Tandelmarkt in der Altstadt, sondern auch weit und breit auf allen Märkten in Böhmen, Mähren und Österreich ihre Waren feilboten. Doch ist uns ein Einblick in die Art und Weise und in den Umfang ihrer Geschäftstätigkeit noch nicht gegönnt, da bisher fast keine detaillierten Berichte über den Handelsbetrieb derselben veröffentlicht worden sind. Einen solchen Einblick in eines der wichtigsten Gebiete des Handels der Prager Juden bietet uns ein im Neuhauser Czerninschen Schloßarchiv aufbewahrter Aktenfaszikel enthaltend Briefe und Bittgesuche geschäftlichen Inhalts, welche im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert von Prager Juden hauptsächlich an die Grafen Czernin von Chudenitz und deren Beamten gerichtet worden waren, sowie auch einige Verträge, Rechnungen und Quittungen, die uns einigen Aufschluß über die Handelsbeziehungen bieten, welche die Prager Juden mit dem böhmischen Hochadel unterhielten. Dieser Aktenfaszikel enthält: 1. Ein in deutscher Sprache geschriebenes Bittgesuch des Prager jüdischen Augenarztes Salomon an Joachim von Neuhaus, den Obersten Kanzler von Böhmen, aus dem Jahre 1559. 2. Ein in cechischer Sprache geschriebenes Bittgesuch der Prager Jüdin und Händlerin Peprle an Wilhelm Grafen Slawata samt Beilagen aus dem Jahre 1641 und die Antwort des Grafen (im Konzepte). 3. Ein in deutscher Sprache geschriebener Brief an Paul Adam Grafen Slawata von seinem Prager Hausjuden Josef Körpeh 4. Briefe Prager Juden an den Freiherrn Johann den Älteren Czernin v. Chudenitz und an dessen Frau Susanna. 5. Beschwerdeschrift des Prager jüdischen Händlers Abraham Czerny 1 9