Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 469)
- Language
- German
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74 (Prag, 1746, Dezemb. 30.) Freitag, am Rüsttage des heiligen Sabbat, 17. Tewes 507 in Frag.159* An die Häupter der Tausende Israels, die Männer von Namen, die Vorsteher und angesehenen Führer, die Häupter und Vornehmen der heiligen Gemeinde Pfersee, ein jeder nach seinem Range, und an ihrer Spitze, der Eine, der Einzige, sein Name ist bekannt in den Toren, der Fürst, das angesehene Haupt, der berühmte Vorsteher und Führer R. Leb Ulmo, d. G. L, Gott fördere ihr Wohl und erhebe und erhöhe sie wie von jeher. Sieh nach Frieden, doch bitter ist uns bitter, denn wie der Strom überflutete uns der Feind, verdoppelt wurden die Leiden mit Seufzern und Klagen ohn Unterlaß vom Tage, da wir von Exil zu Exil wanderten, nicht zu glauben, wenn erzählt werden all die Mühsale, die über uns gekommen. Jedoch zu einer solchen Zeit, wer könnte da die Worte zurückhalten, denn das arme Volk, das hinausgezogen ist, blos und nackt, ohne Brot, es hat keine Wohnung, Hunderte Arme ziehen ständig von Stadt zu Stadt. Darob tut uns unser Herz weh, ob der Erschlagenen meines Volkes, Wagen, Wagen mit Kranken, die von dem ganzen Lande Böhmen geschickt werden von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, bis sie an den bestimmten Ort nahe unserer Gemeinde kommen, der „Lesrettul60 genannt wird, der stets bereit steht für Kranke, denn zumeist haben die Juden keine Erlaubnis in ihre Wohnstätten Kranke zu bringen, und dadurch sterben viele auf den Wagen, viele sterben auf den Straßen und aueh die am Leben bleiben, haben, wenn sie an den genannten Ort kommen, kaum noch Atem in sich, sie freuen sich, da sie außerstande sind, das Nötige zu erlangen für die Kosten der Arzneien und ÄTzte und Bedienung, wenn sie ein Grab finden. Und die Hauptsache, die Erfordernisse der Beerdigung für die auf das Feld hingeworfenen Toten1, sie stets in die Nähe obiger Begräbnisstätte zu bringen, 'ihnen ein Grab zu bereiten, einen Sarg und Sterbekleider. Darum besprachen wir von Euch, Hochgeehrte zu verlangen, eine Spende von unseren Brüdern, den Kindern Israel, die Euerem Rufe folgen in den Euch benachbarten Städten und Dörfern einzuheben, das Geld sendet an den angesehenen R. Simon N. S. (Neustadtl), d. G. 1., und er wird es in vollkommener Ordnung abliefern und alles in Treue und Redlichkeit tun. Ich hoffe, daß unsere wenigen Worte soviel bewirken wie viele, denn wie können wir ruhig zusehen, wenn unsere Heimat, behüte, zugrunde geht. Gott, g, s, E., wird Euch zum Lohn dafür, von allem Leid und Weh retten und ihr werdet in Sicherheit und Ruhe wohnen, saftvoll und frisch in 106