Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 344)
- Language
- German
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Die Judengemeinde zu Raudnitz a. d. Elbe im Jahre 1726. Von Dr. Vaclav P e s ä k. Deutsch bearbeitet von Dr. Anton Blaschka. Mit einer genealogischen Tabelle. Im Rahmen der Verfügungen gegen die Juden zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts,1 denen Maßnahmen zu einer schärferen Kontrolle des jüdischen religiösen Lebens vorangingen, wurden auch Schritte unternommen, um die rechtlichen Grundlagen der Judengemeinde in Raudnitz festzustellen. Die Frage der Rechtsstellung der Raudnitzer Juden war durch den kaiserlichen Befehl an die böhmischen Statthalter vom 8. Jänner 1726 aktuell geworden. Demzufolge war den Rechtsgrundlagen der Raudnitzer Judengemeinde nachzuforschen und zu ergründen, ob sie einen Rechtstitel auf eine eigene Synagoge habe. Die Entwicklung der jüdischen Gemeinde sollte durch Vergleich mit der Zahl der jüdischen Personen aus dem Jahre 1618, dem sogenannten annus decretorius, mit der Folgezeit und durch Berücksichtigung des Zuwachses bis zum laufenden Jahre zahlenmäßig genau erfaßt werden. Auch der Frage, aus welchen Schichten und von wannen die neuen Generationen stammten, hatten die Statthalter entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Im Wesen handelte es sich also um ein nachdrücklicheres Eingreifen der Staatsbehörden in jener Richtung, in welcher sich bereits im Jahre 1650 die Erhebungen der Raudnitzer obrigkeitlichen Beamten bewegt hatten, als es sich darum handelte, auf Grund des Landtagschlusses d. J. diejenigen Juden abzuschaffen, die keine Ansässigkeitsberechtigung im Lande hatten.2 Die Statthalter ließen die notwendigen Daten im üblichen Administrativweg ermitteln. Die Weisung an das Rakonitzer Kreisamt war allerdings bereits am 26. Feber 1726 erflossen, aber die verlangte Antwort wurde infolge einer Reihe unerwarteter Hindernisse8 erst am 20. Oktober d. J. von Ossek nach Prag abgefertigt. Die Judengemeinde war bestrebt, ihre Altansässigkeit in Raudnitz auf das gründlichste nachzuweisen. Eine Aufgabe, die um so schwieriger war, als die maßgebenden alten Gemeindeschriften und -bücher dem großen Brande vom Jahre 1676 zum Opfer gefallen waren. Dessenunge- 1 333