Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 341)
- Language
- German
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Aktuar diente (1 handelte auch in Geschmeid), 4 Juristen (1 trieb auch Handel mit Leinwand und 1 auch mit Geschmeid) und 1 Unterjurist, öffentliche Schreiber gab es 19; darunter waren 2 „deutsche" Schreiber, 2 wirkten als „Schreiber bei denen jüdischen Gasseninspektoren", 1 wird speziell „Steckzettelschreiber" genannt, 1 war Repositenschreiber bei den Judenältesten, 1 war „Schreiber der Schulverwaltern" und 4 werden als „Zehengebothschreiber" verzeichnet. Von Amtsdienern werden in der Konsignation angeführt: ein Unterjuristendiener, 1 Arrestantendiener, 3 Landesdeputiertendiener, 4 Schulväterdiener, 7 Judeneltistendiener und 1 jüdischer Studenteninspectorendiener. Zu diesen Amtsdienern kamen noch 13 Nachtwächter (1 machte auch Holzel [vielleicht Speile], 1 war auch Koller- [Halskragen]stepper). Auf dem Friedhof wohnte 1 „Todtengräber" mit 2 Gehilf en (Friedhof sdienern). Wichtig war zuguterletzt die Funktion des Juden, der als „beym löbl. Altstädter Magistrat Beschicker'4 bezeichnet wird, der Vorladungen des Altstädter Magistrats zuzustellen hatte und mit seiner amtlichen Stellung den Bierschank verband. Von diesen Kategorien selbständig Erwerbstätiger waren diejenigen abhängig, die aus unterschiedlichen Gründen keine Beschäftigung hatten, folglich auch keinen Verdienst, und daher entweder auf die Unterstützung ihrer Angehörigen oder auf die öffentliche Mildtätigkeit angewiesen waren. Solcher Personen, die von ihren Anverwandten (Kindern, Eltern, überhaupt Verwandten oder ohne nähere Angabe von wem) erhalten wurden, oder die kurzweg „v o n Freundschaft" lebten, waren nach Ausweis der Konsignation 53. Außerdem verzeichnet die Konskription 7 Bettler (bei einem steht: mittellos), 40 Bettlerinnen und 6 blinde Jüdinnen (blindes Weib, blindes Mensch), die ebenfalls auf die öffentliche Mildtätigkeit angewiesen waren. Die Gesamtzahl der von den Erwerbstätigen (2229 Personen) unterstützten oder erhaltenen Persqnen belief sich auf 106. Wie bereits eingangs bemerkt, bieten die Angaben unserer Konsignation hinsichtlich der Beschäftigung der Prager Juden ein wertvolles und ausführliches Bild der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Prager Ghetto in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Bild, welches wir auf Grund der soeben gebotenen trockenen Statistik gezeichnet haben, hat neben bedeutenden Vorzügen allerdings auch gewisse Fehler. Ein Hauptvorzug liegt darin, daß es die gesamte Ghettobevölkerung umfaßt und daß sämtliche Angaben aus ein und derselben Zeit stammen. Einzelne Unklarheiten und Ungenauigkeiten oder der Mangel an Einheitlichkeit bei den Berufsangaben können im großen ganzen kaum als schwerwiegende Fehler gewertet werden und sind für das Gesamturteil grundsätzlich belanglos. Ein Mangel liegt jedoch darin, 330 34