Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 229)
- Language
- German
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zwar von dem Friedhof 8 Gulden und vom „Schlacht- und Judenschulmeisterhaus" 10 Gulden, jäihirlrcth, während die Pleebatsehenisteuer 1781 nach einem interessanten Prozesse auf 50 x jährlich ermäßigt vrurde. Zum Verständnis dieses Prozesses ist es notwendig, einen kurzen Überblick über den Ursprung und die Geschichte dieser sonderbaren Judensteuer zu geben: Am 13. Oktober 1293 wurden vom Ulrich v. Neuhaus die sog. Anniversarien, d. i. die alljährlich in Neuhaus albgehaltene Seelengedächtnisfeier für die verstorbenen Herren von Neuhaus gegründet, an welcher die gesamte Geistlichkeit aus den Gütern der Herren v. Neuhiaus teilnahm, die nach dem Gottesdienste mit einem Festmahle im Schlosse traktiert wurde. Der Neuhauser JudeuiS'chaft wurde gleich nach ihrer Niederlassung in Neuhaus um 1294 die Pflicht auferlegt, für jeden der an der Feier teilnehmenden Geistlichen je 2 Silbermünzen, sogenannte Plechatschen (Blechatschen) an die Obrigkeit abzuführen, die bei dem Festmahle an die Geiistlichkeit verteilt wurden. Die Zahl der abzulief ernden Münzen richtete sieh nach der Zahl der zur Feier erschienenen Geistlichen. Im Jahre 1676 wurden laut Verteilungsizettel verteilt: dem Probste zu Neuhaus 2 Stück, den drei Neuhauser Kaplänen 6 Stück, dem Dechanten von Teltsch und Neubis-tritz und den Pfarrern von Riegersehilag, Deschna, ßecic, Draehau, Königseck, Baumgarten, Luttau, Platz, Seietau, Mrakotin und Vrbanov je 2 Stück, schließlich dem „Pfarr-Cantor" 2 Stück, zusammen 38 Stück. Im 18. Jahrhundert wurde diese Judensteuer auf 40 Stück Plechatechen abgerundet und stabilisiert. Die Plechatschensteuer war für die Neuhauser Juden bis zum 18. Jahrhundert keine drückende Last. Als die Plechatschen, deren Prägung im Jahre 1300 aufhörte, mit der Zeit immer seltener wurden und im Preise immer höher gingen, zahlte die Obrigkeit den Juden eine Vergütung von 15 Kr. für je vier Stück Plechafcschen, so daß die Juden bloß die Differenz des höheren Anschaffungspreises zahlen mußten.108 Doch während des. Dreißigjährigen Krieges wurden alle Silbermünzen, deren man haibhaft werden konnte, an das kaiserliche Münzamt abgeliefert und eingeschmolzen, so daß die Juden im 18. Jahrhundert nur mit großer Mühe die erforderlichen Pledhatschen aufbringen konnten, da auch die Geistlichen, welche früher die erhaltenen Münzen den Juden für gute Bezahlung zurückgaben, dieselben ihres Seltenheitswertes halber nicht mehr abgeben wollten. Im Dezember des Jahres. 1780 überreichten die Juden eine Eingabe an das Landesgubernium in Prag, worin sie baten, die alljährlich an das obrigkeitliche Rentamt für die Geistlichkeit abzuführenden Plechatschen statt in natura das Äquivalent in gangbarer Münze abführen -zu dürfen. Da® Landesgubernium beauftragt e hierauf ineiner Zuschrif t vom 11. Jän- 37 219