Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
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Die Judengemeinde von Ungarisch-Brod und ihr Streit mit dem Grundherrn Grafen Leo Wilhelm von Kaunitz, gest. 1655. Von Prof. Dr. Bertold B r e t h o 1 z. Über die Judenschaft in dieser ostmährischen Stadt an der ungarischen Grenze gibt es seit langem eine eigene Schrift von Doktor Adolf Frankl Grün, einem gebürtigen Ungariech-Broder.1 So anerkennenswert und unterrichtend diese Arbeit ist, die der Pietät für die Vaterstadt ihre Entstehung verdankt, so dürften die nachfolgenden Ausführungen, die allerdings nur bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts reichen, doch zeigen, daß die Geschichte dieser jüdischen Gemeinde, die Grün als eine „der ältesten und größten Mährens" bezeichnet, vielfach erweitert und richtiggestellt werden kann. Für mährische Judengemeinden, die unter adeligen Grundherrschaften standen, bildet stets das Archiv und die Registratur der betreffenden Herrschaft eine wichtige Quelle, an der man nicht vorbeigehen darf. Fehlt bei der Bearbeitung dieses Material, sei es, daß es bereits zugrunde gegangen ist oder nicht benutzt werden konnte, dann bleibt jede derartige Monographie ein unzureichendes Stückwerk. Ungarisch-Brod, ursprünglich eine landesfürstliche oder sogenannte königliche Stadt, wurde, abgesehen von früheren Verpfändungen auf kürzere Zeit, von König Wladislaw im Jahre 1506 den Herren von Kunowitz überlassen, die die Stadt samt zugehörigen Dörfern etwas über ein Jahrhundert später 1611 an die Herren von Kaunitz verkauften; in deren Besitz verblieb die Herrschaft dann ohne Unterbrechung bis 1848.2 Im Kaunitzschen Archiv, das sich, soweit die mährischen Besitzungen dieses Hauses in Betracht kommen, zuletzt im Schlosse zu Austerlitz befand und von dort im Jahre 1910 in das mährische Landesaichiv übertragen wurde, liegen denn auch eine größere Zahl von Urkunden, Akten und Briefschaften, die sich auf die Juden in Ungarisch- Brod beziehen. Ergänzt durch anderweitiges Material aus verschiedenen Beständen des Landesarchivs vermögen sie ein anschauliches Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen, vom Leben und Leiden dieser Gemeinde, insbesondere in der Zeit in und nach dem Dreißigjährigen Kriege zu geben. Den Ausgangspunkt nehmen wir von einer „Klagschrift", die im Jahre 1677 namens der christlichen Bürgerschaft von U.-Brod das 1 107