Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 158)
- Language
- German
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HL Die Halskrause. a) Die Einführung der Halskrause. Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgeerscheinungen bewirkte eine wesentliche Verschärfung im Verhältnis der Juden und der übrigen Bewohner Böhmens. Dieses kam in dem judenfeindlichen Landtagsbeschluß von 1650 zum Ausdruck, der das Asylrecht der Landjuden, die sich stark vermehrt hatten, schmälerte, ihre Verdienstmöglichkeiten einengte und den Juden Böhmens eine Kontribution vorschrieb, die sie unmöglich leisten konnten. Mit dem Regierungsantritte Leopolds I. (1658—1705) trat in der Lage der Juden nur eine Verschlechterung ein. Der Grundzug seines Wesens war wohl nicht so schlecht, wie dieses aus den Handlungen seiner Regierung hervorgeht, es fehlte ihm jedoch an Entschlossenheit und Energie und er war daher von seiner Umgebung, von seinen Räten und obersten Behörden abhängig28), die diese Schwäche ausnützten, sodaß die Regierungszeit dieses Kaisers .eine Kette der Leiden und Heimsuchungen für die Juden war. Diese Schwäche zeigt sich gleich bei der Behandlung des Gesuches der böhmischen Juden um Bestätigung und Vermehrung ihrer Privilegien. Leopold I. übermittelte dasselbe der Statthalterei in Prag zur Begutachtung, diese überwies es wieder dem erzbischöflichen Konsistorium, welches auf dem Akt vermerkte, „wenn die Juden die angesuchten neuen Freiheiten erhalten möchten, sie den Christen gleichgestellt, ja sogar eine solche Immunität wie die Kirche genießen würden4'29). Die Kirche entschied also über die kaiserliche Bestätigung der Judenprivilegien, die tatsächlich erst i. J. 1703 erfolgt ist. Der erwähnte Landtagsbeschluß von 1650 bildete unter seiner Regierung den Anlaß, die Juden aus vielen Ortschaften zu vertreiben; namentlich die größeren Judengemeinden, wie T a b o r (1662), Pardubitz (1663), T ep 1 i t z (1667) und Plan (1680), wurden von der Austreibung heimgesucht. Der grausamste Akt seiner Regierung war die Vertreibung der Juden aus Wien im Jahre 1670. Die Folgen dieser Austreibung zeigten sich auch in Böhmen durch die große Zahl der Exulanten, die sich dauernd in Böhmen, besonders in Prag, niederließen, und durch die Verstärkung der antijüdischen Stimmung. Leopold I. trug dieser judenfeindlichen Strömung Rechnung, indem er im Jahre 1670 die Einführung eines neuen Judenabzeichens bestimmte, u. zw. die Halskraus«, welche auch die Kröse, das Kröß oder das Gekräß genannt wird. Die aus Spanien hergekommene große Halskrause war in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sehr modern30). „Dats Wesentliche dieses Kragens ist der große Umfang und die bretterartige Steifheit. Der Stoff, 154