Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 149)
- Language
- German
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Die Judenabzeichen in Böhmen. Von Dr. Tobias Jakobovits in Prag. Vorwort. Die Einführung der Judenabzeichen im christlichen Europa geht hauptsächlich auf Papst Innocenz III. (1198—1216) zurück. Innocenz III. folgte dem Beispiele der mohammedanischen Kalifen, die zur Brandmarkung der Andersgläubigen für Christen wie für Juden eine durch Form und Farbe erkennbare Kleidung vorgeschrieben hatten, und ließ auf dem IV. lateranischen Konzil zu Rom am 30. November 1215 u. a. die Bestimmung zum Beschlüsse erheben, daß die Juden beiderlei Geschlechts in allen christlichen Ländern zur Unterscheidung von den Christen eine besonder« Art von Kleidern haben müßten. Als Ursache für diesen Konzilbeschluß wurde angegeben, damit kein Irrtum bei einer fleischlichen Vermischung zwischen Juden und Christen vorgeschützt werden könne.1) Ob nun diese oder eine andere Ursache als Begründung für diese demütigende Anordnung angeführt wurde, so war doch ihr Endzweck, die Juden von der christlichen Gesellschaft auszuschließen, sie gleich den Henkern und Dirnen, die auch im Mittelalter durch eine besondere Kleidung gekennzeichnet waren, als Ausgestoßene vor den Augen aller hinzustellen und sie der allgemeinen Verachtung preiszugeben. Auch sollten die Juden durch die Abzeichen sogleich zu erkennen sein, um sie in den ihnen auferlegten wirtschaftlichen, fiskalischen (Steuer, Zoll, Maut) und sozialen Sondergesetzen, insbesonders in der Einhaltung der Kleiderordnung, die ihnen alles Moderne und Prunkvolle zu tragen verbot, leichter überwachen zu können. Wie die Trachten überhaupt, waren auch die Judenzeichen einer üblichen Mode unterworfen; während sich diese in Böhmen bis zum XVI. Jahrhundert nach den in den deutschen Ländern eingeführten Abzeichen richteten, gab es im XVII. und XVIII. Jahrhundert in Böhmen besondere, nur hierzulande gebräuchliche Zeichen. Die Abzeichen bestanden entweder aus bereits außer Mode gekommenen Kleidungsstücken (Hut, Kapuze, Halskrause), die lächerlich wirken mußten, oder aus Kennzeichen, die zu diesem Zwecke festgesetzt wurden (Ring, Fleck, Aermel). In unserer Studie haben wir uns ausschließlich auf Abzeichen beschränkt, die als Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Christen von den Behörden geboten wurden. Diese sind ganz unabhängig von den Judentrachten, die in den Judengassen stets spezifisch waren, jedoch 145