Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 475)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0932-2645274- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
460 privilegierter Buchdrucker werden wollte.14) Solche königliche Privilegien, durch welche das ausschließliche Recht erteilt wird, hebräische Bücher zu drucken, sind im Jahre 1527 dem berühmten Prager jüdischen Buchdrucker Gerson ben Salomo Kohen, 1545 seinem Sohne Moses, später noch anderen Gersoniden verliehen worden.15) Schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts scheint die etwa zwei Jahrzehnte vorher allgemein in den österreichischen Erblanden eingeführte Bücherzensur in Böhmen auch die hebräischen Bücher erfaßt zu haben.16) Die Bücherzensur war regelmäßig den Universitäten anvertraut, deren Protektor der höchste kirchliche Würdenträger zu sein pflegte.17) In Prag fungierte der jeweilige Erzbischof als Kanzler der Universität. Von irgendwelchen Eingriffen in den jüdischen Buchdruck in Prag und von Maßnahmen gegen hebräische Bücher ist jedoch aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bisher nichts bekannt geworden, wiewohl wir jetzt über die Entwicklung des hebräischen Buchdruckes in Prag im 16. Jahrhundert genau unterrichtet sind. Im Zusammenhang mit den religiösen Streitigkeiten in Böhmen wurde auch die Bücherzensur zu einem Gegenstande des Streites. Im Jahre 1539 nahmen die utraquistischen Stände zu der Angelegenheit Stellung. Hiernach gestaltete sich vorübergehend der tatsächliche Zustand der Zensurausübung in folgender Weise.18) Die Zensur in religiösen Angelegenheiten übte der Rektor der Prager Universität und das utraquistische Konsistorium, jedoch mit Beschränkung auf Schriften der utraquistischen Partei. Uber die Zensurtätigkeit des katholischen Konsistoriinns bei katholischen Schriften ist Näheres nicht bekannt. Die Zensur von Schriften allgemeinen Inhaltes endlich wurde damals schon von der staatlichen, also königlichen Gewalt ausgeübt. Im Anfang der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lag der hebräische Buchdruck in Prag sehr darnieder.19) Trotzdem gab es in Prag jüdische Bücher und natürlich auch Bücherverfolgungen. Aus dem Jahre 1559 wird von einer infolge Denunziation veranlaßten Konfiskation aller hebräischen Bücher bei der Prager jüdischen Gemeinde berichtet.20) Sie seien, achtzig Zentner an Gewicht, zur Untersuchung nach Wien geschickt, jedoch bei der Prüfung als unschädlich befunden und den Eigentümern wieder zurückgestellt worden. Der bekannte