Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 291)
- Language
- German
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285 Aus jüdischen Handschriften in Mähren. Von Heinrich Flesch (Dolni Kounice). Den nachfolgenden Beschreibungen von Handschriften seien einige allgemeine Bemerkungen vorausgeschickt. Die Kunst des Schönschreibens stand bei den Juden vorwiegend im Dienste religiöser Zwecke. Der Thoraschreiber1) muß sich allerdings bei der Ausübung seiner Kunst an das Gesetz halten und muß Buchstaben für Buchstaben nach der Norm niederschrieben, dennoch wird ihm eine gewisse Freiheit eingeräumt. In den feinen Strichen oberhalb einzelner Buchstaben, Kronen (hebr. Tagim) genannt, in der gleichmäßigen Schrift, in den vollendeten Schriftzeichen offenbart sich der Künstler. Aber auf Thorarollen darf sich der Schreiber nicht verewigen, ein Buchstabe mehr oder weniger als der überlieferte (masoretische) Text vorschreibt, macht die Thorarolle für das Eitual unbrauchbar. Deshalb sind uns die Namen der Thorarollenschreiber nur auf Grabsteinen und in Gemeindebüchern überliefert, anders aber verhält es sich mit handschriftlichen Gebetbüchern, Psaltern, Memorbüchern und dgl., hier wird dem Künstler freie Hand gegeben. Das Verbot2) „du sollst dir keine Abbildungen machen44, fand auf Bilder, welche auf Titelblätter, oder im Texte gemalt, keine Anwendung; die Künstler konnten ihre Werke auch signieren. Die Schreibkünstler und Buchmaler in Mähren, soweit sie dem Verfasser bekannt, seien in zeitlicher Reihenfolge hier verzeichnet. Aus dem Jahre 1666 stammt die handschriftliche Pergamenthafthorasammlung, welche Meschullam Salman Auerbach-Fischhof aus Wien3) der Gemeinde Neu-Raußnitz widmete; der Schreiber nennt sich nicht. Auch ein altes schön geschriebenes Pergamentgebetbuch besetzt diese Gemeinde, das unvollständig ist; die kostbaren Randleisten und Federzeichnungen sind bis auf eine, die noch vorhanden ist, weggeschnitten.