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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 287

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 287)
Language
German
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281 und mein Sohn dahin gegangen, so haben wir viele aus der Gemeinde getroffen mit ihren Weibern und Kindern, keiner hat aber etwas gewußt von meinem Weib und Sohn. Endlich hat man mir gesagt, in Blottendorf sind auch viele aus der Gemeinde, ich ging auch hin, unterwegs habe ich wieder viele getroffen, die von Oberliebich gekommen sind, keiner hat nichts gewußt von meinem Weib und Kind. Endlich habe ich den Jüngling Mendel, S. d. Leser, getroffen, der führte mich nach Wolfersdorf, wo ich mein Weib und meinen Sohn fand. Freitag den 20. Tag Tebeth bin ich mit einigen Männern aus der Gemeinde von Oberliebich nach Leipa gegangen, um die Erschlagenen zu begraben, haben wir den Jüngling Notl (Nathan), S. d. E. Gatl erschlagen mit vielen Wunden gefunden vor der Türe von R. Chaim Asch. Auf einmal ist wieder ein Geschrei gekommen, es kommen Husaren, so sind wir alle wieder entlaufen. Ich, mein Weib, mein Sohn und Schwager, Schwiegertochter sind nach Manisch, wo wir Freitag Nacht durch viele Bitten und Mitleid haben bleiben können. Als wir haben wollen schlafen gehen, hat der Richter von Manisch bewaffnete Männer zum Weinbauer geschickt, die uns wegtreiben sollten, so habe ich müssen Botenlohn geben 1 fl. Silbergeld, bis ich schreibe, um zu erfahren, wie sich Weinbauer verhalten wird, so haben wir über Samstag da bleiben können. Sonntag haben angefangen die Geflüchteten nach und nach sich in der Gemeinde zu zeigen, als sie bemerkten, daß doch ein wenig Ruhe ist. So war das erste, daß wir uns beschäftigten, um die Erschlagenen zu beerdigen. Da kamen zehn Männer von Jungbunzlau und brachten viel Leinwand mit für die Leichen. Mit schwerer Mühe und großer Anstrengung haben wir einige Erschlagene beerdigt den 21. Tag in Schewat (dürfte Tebeth gemeint sein). Indessen sind immer mehr Geflüchtete zugekommen, so war das erste, daß wir uns bemühten, die Leichen, die wir in den Häusern fanden, zu beerdigen, womit wir zu tun hatten bis 29. Tag Schewat. So sind alle Getöteten beerdigt gewesen, nämlich 69 Leichen ohne Kinder. Gott sende uns bald den Erlöser. Amen. Ich habe dieses traurige Ereignis wahrheitsgetreu hierher geschrieben, meine Kinder, Enkel und Verwandten beschworen, sich alle Jahr den 4. Tag in Tebeth streng in Erinnerung zu rufen, durch Buße, Fasten und andächtige Gebete zu feiern, abends i\ach dem Fasten ein Familienfreudenmahl zu bereiten, Almosen nach Kräften zu verteilen. Dieses soll bestehen und gehalten werden von einem Zeitalter zum andern. Lippmann, Sohn des Chaim, aus Leipa. Am 23. Tag Schewat kam die traurige Nachricht, daß alle Juden aus Böhmen vertrieben werden, nämlich aus Prag binnen 4 Wochen und die auf dem Lande in 6 Monaten. Viele aus Prag flüchteten sich aufs Land und wohnten da als Fremdlinge. Am 23. Tag Schewat ist gestorben Hirsch, S. d. R. Sabl, der von 4. Tebeth gelegen ist in großen Schmerzen, weil er 4 Schüsse bekommen hatte. 28. Ijar ist die freudige Nachricht gekommen, daß alle Juden in Böhmen bleiben können bis auf weiteres.

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