Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 286)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0743-2645085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
280 S. d. B. Wolf, E. Israel Asch und E. Fauwer haben sechs heilige Gesetzrollen gerettet, sind damit nach Oberliebich geflohen, wo sie bei Weinbauer Schutz fanden. Elman Fürth mit seinem Weibe fanden wir erfroren auf dem Dache. So wurden viele aus der Gemeinde gestochen, gehackt, verstümmelt. Die Leichen lagen in den Häusern, Böden, Kellern und Gassen herum; Tempel, Häuser waren ganz zerstört. Es flüchtete, wer nur konnte. Auch ich der Schreiber mit E. Jechiel, S. d. Moses, mit E. Jakob, S. d. Isak, mein Bruder Abraham, E. Asarja, E. Berl und David Asch sind entlaufen, alle beisammen; so ist ein Haufen Bösewichter auf uns zugekommen, wo es unmöglich war zu entkommen, jedoch ist uns der Allgütige beigestanden, daß wir doch entkommen sind. Haben uns auf den Spitzberg versteckt, da kam ein Jäger mit zwei Männern und verlangte von uns 200 fl., sonst erschießt er uns, so haben wir ihm gegeben, was wir hatten, und meinem Bruder Abraham haben sie die Mütze vom Kopfe herunter genommen und sind weggegangen. Nach diesem sind wir zeitlich früh vom Berge herabgegangen und haben wollen fortgehen, so sind 8 Husaren gekommen mit gezogenen Säbeln, so haben wir uns auf die Erde gelegt und sind so gekrochen auf ein Feld, wo ein Häuschen von Hopfenstangen war, da haben wir uns verborgen bis zum Morgen. Dann sind wir wieder auf den Spitzberg gegangen. Da kam zu uns E. Moses, Schwiegersohn Jekels, nur im Hemd ohne Mütze, voll mit Blut, weil er 3 Wunden hatte an seinen Händen, als ob er ein Schächter gewesen wäre. So haben wir ihn bekleidet, soweit wir konnten. Ich habe ihm mein Leibi gegeben und mein Halstuch, womit ich ihm die Wunden verbunden habe. Jakob hat ihm seine Schlafmütze gegeben und sein CamisoL So sind wir ohne Nahrung gesessen bis 3 Uhr nachmittags; als wir herunter gehen wollten, sahen wir abermals 8 Husaren in die Stadt reiten. Kaum waren sie darin, so haben wir das Jammergeschrei gehört von den Juden, die dort noch angetroffen wurden. Vor den Husaren gingen jedesmal viele böse Menschen her und raubten und plünderten, was nur den mindesten Wert hatte. So sind wir gesessen auf dem Berg bis Nacht, endlich sind wir einer nach dem andern verborgen fortgegangen bis in das Dorf Bokwen, haben sehr gebeten, uns Nachtquartier zu geben und wenn es im Stall ist, haben aber nichts bekommen. So sind wir von Haus zu Haus bis sehr spät in der Nacht herumgegangen, endlich hat sich doch ein Bauer über uns erbarmt und hat uns in einer Bodenkammer versteckt. Donnerstag den 8. Tebeth sind wir wieder zeitlich früh aufgestanden und sind einzeln nach dem Dorf Scheiba gegangen. Ich und mein Sohn Chaim sind beisammen geblieben. Unterwegs haben wir E. Isak Bin, E. Fantel Katz und E. Morl Klein getroffen, verkleidet in ganz andere Bekleidung, die sind nach Wolfersdorf gegangen, weil sie dort ihre Weiber und Kinder versteckt hatten. Als wir nach Scheiba kamen, haben wir sehr viele aus der Gemeinde angetroffen mit ihren Weibern und Kindern. Von meinem Weib mit meinem Sohne Gedalja habe ich nichts erfahren können. In Scheiba hat man mir gesagt, in Pärchen sind auch viele aus der Gemeinde, so bin ich