Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 277)
- Language
- German
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271 herbeilassen werden, dais fremde Gut gutwillig herauszugeben. Ob dies jemals wirklich geschehen ist, darüber geben die Quellen, soweit sie mir zur Verfügung standen, keinen Bescheid. Ebensowenig kann ich, wie schon eingangs erwähnt, sagen, ob die an den Juden in Leipa am 9. Dezember 1744 und an den folgenden Tagen begangenen Verbrechen jemals die entsprechende Sühne gefunden haben.29) ANHANG. I. Verzeichnis der Opfer vom 9. Dezember 1744. 1. Jonas Nathan (Eabbi Jona), Eabbiner der Gemeinde, 50 Jahre alt, verheiratet, erhielt einen Lungenschuß, der neben der rechten Brustwarze eindrang. Über seinen Tod wird erzählt, daß ein Husar ihn gefangen genommen und ihm gegen einen Dukaten Lösegeld die Freilassimg angeboten habe. Der Rabbiner, der eben nicht so viel bei sich hatte, habe sich von einem bekannten christlichen Kaufmanne die geforderte Summe ausleihen wollen, aber dieser habe den Husaren noch gegen ihn aufgehetzt, so daß derselbe ihn sofort niederschoß. Nach Mitteilungen Dr. Joel Müllers sind die nach dem Rabbiner Jona verbliebenen Schriften nach der Plünderung ins Archiv des Gutsherrn Grafen Kaunitz übertragen worden. Aus demselben wurde Dr. Müller das Original eines Rabbinatsaufnahmsbriefes der Gemeinde Boskowitz in Mähren für Jona vom Herbste 1744 überlassen, das in der Folge in die Hände des Rabbiners Joseph Weiß in Waagneustadtl in Ungarn kam. Darnach hätte also Rabbiner Jona Böhm.- Leipa bald verlassen sollen, sein gewaltsamer Tod knüpfte das Band zwischen ihm und seiner bisherigen Gemeinde um so fester und auf immer. Dr. Müller hatte weiter die Möglichkeit, einige das Leben und Wirken Jonas betreffende Akten einzusehen und zu kopieren. Aus diesen geht hervor, daß Jona ein Mann war, der seinem Amte mit Würde und in Frömmigkeit vorstand. Er war offenbar sehr wohlhabend, denn er lieh der Gemeinde Geld zum projektierten Neubau der Synagoge, worüber er Wechsel erhielt. Auch sollte er im Verein mit zwei Vorstehern den Bau überwachen. Seinen Wohlstand verdankte er angeblich seiner Ehefrau, die ein bedeutendes Manufakturgeschäft betrieben habe. Dr. Müller äußert die Meinung, daß die Nachkommen Jonas den