Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 247)
- Language
- German
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241 Der Judenmord in Böhm.-Leipa am 9. Dezember 1744. Von Dr. J. Bergl. Alljährlich am 4. Thebet hält die israelitische Kultusgemeinde in Böhmisch-Leipa eine Trauer fei er ab, welche dem Andenken einer großen Anzahl von Glaubensgenossen gilt, die am 9. Dezember 1744 der Mordwut einer verrohten Soldateska zum Opfer gefallen sind. Diese Trauerfeier besteht in der Hauptsache in der Verrichtung von Bußgebeten, die neben den üblichen Gebetsstücken rein religiösen Charakters auch einen historischen Teil, einen Bericht enthalten, welcher zur immerwährenden Erinnerung an den Tag des Unheils und zum frommen Gedächtnis an jeden einzelnen der schuldlos Gemordeten deren Namen nennt und in legendarisch gefärbter Darstellung ihr Leiden und Sterben erzählt. Es besteht kein Zweifel, daß dieser historische Teil der Bußgebete seine vorliegende Fassimg, auch wenn ihr, wie es scheint, eine andere kürzere, als erste schriftliche Zusammenfassung und Aufzeichnung der Ereignisse vorausging, sehr bald nach dem Unglückstage erhalten hat, wahrscheinlich nur wenige Wochen darauf, und zwar auf Grund von Aussagen einzelner Mitglieder der Leipaer Judengemeinde, welche alles miterlebt hatten und noch völlig unter dem Eindrucke des Geschehenen standen. Mag man den Angaben dieser Zeugen volle Verläßlichkeit zubilligen oder nicht, so steht doch unter allen Umständen fest, daß die in den Bußgebeten gebotene Darstellung der Vorgänge in ihrer Gesamtheit eine historische Quelle von großem Werte ist Es ist dies jedoch nicht die einzige jüdische Quelle, welche uns den Leipaer Judenmord vom 9. Dezember 1744 schildert. Im Besitze einer jüdischen Familie in Leipa befindet sich ein Schriftstück, welches eine freilich sehr späte, wie es scheint, erst aus der ersten Hälfte des 19. Jährte