Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 135)
- Language
- German
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129 gratis zuführen sollen, und überdies 12 Bauernwagen jährlieh ebenfalls unentgeltlich, um die Pottasche drei Meilen weit zu verführen. Der Bauvoranschlag lautete auf 233 fl. 29 kr., wovon 60 fl. 12 kr. auf die Herrschaft entfiel. Sobald David Israel von diesem Angebot erfuhr, stellte er auch seinerseits einen Antrag: er wolle jährlich 220 fl. in die Kenten zahlen, während Pinkas bloß 120 f 1. biete. Um nicht das Nachsehen zu haben, schickte Pinkas eilends seinen Sohn nach Prag dem Grafen nach, und dieser schloß mit ihm tatsächlich folgenden Vertrag ab: Er baut dem Pinkas eine neue Pottaschenhütte unterhalb des Schlosses, unter dem Häuschen des herrschaftlichen Binders und unterhalb der Lohgerberei am Wasser und stattet sie mit dem verlangten hölzernen Gerät aus. Die Erhaltung des Geräts obliegt dem Flusser. Holz erhält er auch. Jeder Bürger und Chalupner wird ihm jährlich je 2, jeder Bauer je 4 Strich Asche liefern, die der Jude bar ä 8 kr. zu bezahlen hat. Sollte ihm Asche übrigbleiben, so darf er sie nicht weiterverkaufen. Er bekommt auch 20 unentgeltliche Fuhrwerke auf 3 Meilen und von jedem Gebräu der Schwihauer Brauerei einen Eimer frisches Bier für die Pottaschenbrenner und zahlt außer Schutzgeld und anderen jüdischen Verpflichtungen jährlich 300 fl. rh., 75 fl. das Vierteljahr. Das Chudenitzer Amt fertigte dann einen schriftlichen Vertrag mit zehnjähriger Gültigkeit aus. Datum Prag, den 2. Oktober 1709. David Israel wird quoad Pottaschenhütte abgewiesen, er soll sich damit begnügen, was er hat. Doch er ließ nicht locker und bohrte weiter. Im Jänner 1710 führt Pinkas wider ihn Beschwerde beim Grafen; mit Polak, wie David Israel vulgo hieß, sei es nicht auszuhalten. Jeden Juden würde er angeblich am liebsten umbringen, alle mögliche Ladenware lasse er sich kommen, die Schlachtbank habe er allein, er wolle alle jüdischen Gewerbe haben, die andern sollten garnichts haben. Und das Ende vom Lied — nach zehn Jahren gewann er die Pottaschenhütte doch! Denn i. J. 1724 wird der Schwihauer Judenälteste David Israel beim Chudenitzer Amte darum bittlich, die Zinsreste allmählich abzahlen zu dürfen, und ersucht um ein Darlehen von hundert Gulden zu 6%. Er hat die Schwihauer Pottaschenhütte in Pacht und hat im Vorjahre derartige Verluste erlitten, daß er am Bettelstab ist. In der Tat hat er die 100 fl. — nicht erhalten. Der Oberamtmann hat mit Bleistift auf die Bittschrift das Wort geschrieben: