Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1 Soziologische Einführungsskizze in die Geschichtsschreibung des Judentums in der dechoslowakischen Republik« (Mit Berücksichtigung der Problematik Masaryks zu seinem Festjahre.) Von Dr. Jindfich Kohn. L Soziologie der unterbrochenen Geschichtlichkeit. Der achtzigste Geburtstag Masaryks gibt Anlaß zu dieser Studie. Sie soll ein soziologisches Präludium zur neuen cechoslowakisehen Aufgabe der jüdischen Geschichtsschreibung sein. Die jüdische Geschichtsschreibung ist uneinreihbar. Sie hat keine Analogie. Aber Masaryks Werk ist ein Leitfaden für die Soziologie der außerordentlichen — hauptsächlich — der unterbrochenen Geschichte und ihrer Geschichtsschreibung. Auch ohne besonderen Anlaß hätte man einmal an einen solchen Versuch herantreten müssen. Die Geschichtsschreibung unserer Zeit strebt nicht nur nach Erkenntnis, sondern auch zur soziologischen Selbsterkenntnis. Man begreift, daß das Problem der geschichtlichen Objektivität komplizierter sei, als man dachte. Denn wenn man offenbare soziologische Einflüsse meidet, gibt man sich oft latenten preis. Ein waches kritisches Beobachten latenter soziologischer Einflüsse auf die Geschichtsschreibung wahrt ihre Freiheit besser, als die Voraussetzung, der Wille zur Objektivität und die Methodik seien hinreichend. Unter allen soziologischen Einflüssen auf die Geschichtsschreibung, von denen wir uns keine Bechenschaft ablegen, ist einer besonders bedeutend. Das Grenzgefühl der Gegenwart. Solange die Juden die Gegenwart als einen Schatten der Vergangenheit erlebten, haben sie die säkuläre Geschichtsschreibung überhaupt