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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 359

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 359 (sequence 363)
Language
German
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IRI
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359 ten in die Wahl gezogen wurde, mußte er die Synagoge verlassen und ein Ersatzmann trat an seine Stelle, sodaß die Zahl der 5 Wähler nie überschritten wurde. Die Majorität der Stimmen entschied. Das Interesse über den Wahlausgang war diesmal nicht nur in Kolin, sondern bei allen von den Vorgängen in der Koliner Gemeinde wohlunterrichteten Juden Böhmens groß. Das Resultat der Wahl war für alle eine Sensation. Der von den Behörden kritisierte und verurteilte, von vielen Gemeindemitgliedern verfolgte Saudek Jakob wurde zum Primator wiedergewählt. Nach dem Gesetze und Rechte, ja selbst nach der Entscheidung des Guberniums war er wieder wählbar, bei den Wahlmännern hatte er das Vertrauen, da sie von seiner Ehrlichkeit überzeugt waren; was hätte sie von seiner Wiederwahl zurückhalten sollen? Anders war es bei seinen Gegnern, die bisher alles unternommen hatten und vor keinem Schritte zurückgescheut waren, um ihn zu stürzen. Sie waren über den Ausgang der Wahl empört unci bemühten sich, daß die Behörde die Sanktion der Wahl verweigere. Ihnen verdanken wir, daß wir über den Hergang der Wahl genau unterrichtet sind. David Isak und Elias Patzowsky gaben als „Bevollmächtigte der Kolliner Judengemeinde" am 7. IX. 1768 in einer Eingabe an das Gubernium, dessen Kopie sie mit einem gegen Saudek gerichteten Schreiben an die Landesjudenschaft einsandten, eine genaue Darstellung der Vorgänge bei der Wahl.79) Zuerst schildern sie in einer Übersicht alle Vorfälle der letzten Monate und „danken auf den Knien" für das ihre Gegner niederschmetternde Urteil, „damit die üble, unordentliche und schädliche Wirtschaft, an der Primator Saudek Jakob wegen seiner Nachläßigkeit Hauptschuld trägt, aufhören sollte. Doch die vorigen Ältesten und Gemeindeältesten sind zwar beiseite gesetzt, allein! leider erbarms Gott, wider alles Vermuten ist der Saudek Jakob wiederum zum Primator erwählt worden." Der Vorgang bei der Wahl war so ungerecht und parteiisch, wie es in „unser und deren Vorfahren Lebenszeiten in Kolin nicht gehört worden, geschweige geschehen ist." Sie fochten diese Wahl in folgenden Punkten als „unordentlich und gesetzwidrig" an: 1. Wurden die Schulväter niemals zur Wahl des Gemeindevorstandes oder anderer Beamten herangezogen, diesmal legte man die Namen aller 4 Schulväter in den „Losungs-Topf" hinein; drei von ihnen kamen richtig als Wähler heraus. 2. „Noch weniger hat man bei einer Renovation dergleichen Individuen, welche bei der Gemeinde durch die Ältesten als bedenkliche oder unfähige Leute aufgeschrieben und annotiert wurden, daß sie zu nichts gebraucht werden sollen, in den Losung-Topf eingelegt, anjetzo aber ist der Feisch Kauders, obschon selber in dem Ältesten -

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