Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 197

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 197 (sequence 201)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2644300-2644301--0202-2644543
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

197 waren, d. i. rund um 40% weniger als im Ghetto. Ähnlich lagen die Dinge auf der Kleinseite, wo die Gesamtbevölkerung* 7.214 Personen zählte, darunter Kinder bis zu 10 Jahren 1.403. Das bedeutet, daß die Kinder in der Prager Judenstadt 35% der Gesamtbevölkerung bildeten, auf der Altstadt jedoch kaum 21%, auf der Kleinseite gar nicht einmal 20% (daraus ergibt sich auch, daß im Steuersummar die Kinder nicht nach irgendeinem durchschnittlichen Populationsschlüssel, sondern nach dem wirklichen Stande subtrahiert worden sind). Für die Prager Neustadt führt die Kommission v. J. 1715 leider die Zählungsergebnisse des J. 1703 nicht an, man darf jedoch im Hinblick auf die Verhältnisse auf der Altstadt und auf der Kleinseite die Zahl der Neustädter Bevölkerung mit 8.000 Personen einschätzen. Nach diesen Angaben lebten also i. J. 1703 in ganz Prag an 27.000 Christenmenschen (die Reduktionskommission v. J. 1715 sagt allgemein, daß die Zahl der christlichen Bevölkerung Prags 30.000 Personen nicht überstieg), mit den Juden zusammen aber etwa 38.000 Personen, daher ungefähr um 1000 Personen weniger, als J. Pekaf rechnet (1. c. S. 332). Vgl. auch J. Beckovsky, Poselkyne (ed. A. Rezek II3, 503), der sagt, daß i. J. 1703 ,.in der Prager Altstadt bloß um 101 Christen mehr als Prager Judenschaft befunden und von den Herren Kommissären gezählt worden."' 15) Vgl. oben S. 101. Die Tätigkeit der sog. Fasser beschreiben die Kommissäre ausführlich folgendermaßen: „die sogenannte sasser oder herumb stertzer, als welche keine gewisse profession haben und nur theils in dem tandelmarck in großer mänge herumbgehen und die etwas einkaufen wollende, absonderlich von landt hereinkommende Christen sehr beunruhigen, auch bey ihren kleidern von einem crambladen ab und zum andern... hineinziehen, ja sogar mit gröbsten Wörtern anfahren und dardurch öfters große händel verursachen, theils aber solche sasser durch die stadt herumbstreichen, und wann jemandt einige gestohlene Sachen zu verkaufen traget, dieselbe gleich auf der gassen — damit sie künftighin nicht ausgewiesen oder erfraget wurden — aufkaufen und also zu mehrern diebstählen und Verführung des gesindels anlaß geben, wie nicht minder bey denen gast- und würthshaüsern denen hereinkommenden frembden gästen aufpassen, solche von einem oder dem andern würthshaus abspenstig machen, dieselbe nachgehendts nicht nur sehr belestigen und auf unterschiedliche manier betrügen, sondern auch die gelegenheit, umb solche gäste zu bestehlen ..." abwarten. 16) „weilen die mehriste Juden keine gewisse zunahmen, sondern wohl zwey und dreyerley unterschiedliche nahmen führen und dadurch viel übles und große linterschleife bishero geschehen, damit also künftighin unter einer großen straf statuiert werden möchte, daß alle und jede Juden ihre gewisse nahmen und zunahmen haben und solche auch ihre kinder und descendenten immer beständig behalten möchten." 17) „Und hat derselbe — sagt der Bericht des Grafen von Lissau vom jüdischen Quartiermeister — zum empfang erstlich von denen Judeneltisten aus der gemeindecassa alle wochen 15 fl. r., dann andertens von einem jeden männlichen todten cörper, so nur etwas in vermögen hinterlassen, auch 15 fl., maßen sie schulverwaltere die arme männer, wie auch alle weiber und kinder arbitrarie taxiren. Von welchen ziemblich hoch einlauf-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.