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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 42

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 42 (sequence 46)
Language
German
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42 wirtschaftlichen Auswirkung war es, der die zwischen der himmelweit voneinander verschiedenen Kultur- und Empfindungswelt der Christen und Juden gähnende Kluft überbrückte und einen modus vivendi schuf. Das Studium der Wirtschaftsgeschichte des Prager Ghettos gestattet daher auch einen Ausblick auf das Verhältnis der christlichen Majorität zur jüdischen Minorität. Wir setzen zwar die wirtschaftliche Komponente grundsätzlich nicht an die Spitze der geschichtlichen Entwicklung, das Studium der Wirtschaftsgeschichte des Prager Ghettos gibt jedoch mannigfachen Aufschluß, wie sich unter dem Einfluß dieses mächtigen Geschichtsfaktors auch das innere Leben des Ghettos entwickelte und gestaltete. Und wie die Durchforschung des Wirtschaftslebens des Prager Ghettos ursächlich auch zur Erkenntnis anderer wichtiger Seiten im Leben der Prager Juden führt, so bringt dann die Gegenüberstellung mit den Wirtschaftsverhältnissen der Christen neue grundsätzliche Erkenntnisse nicht bloß für die Wirtschaftsgeschichte von Prag, sondern von ganz Böhmen, denn die wirtschaftliche Stärke der Prager Juden sprengte bei ihrer Intensität und Extensität die Enge des Prager Ghettos. Diese Studien werden meines Erachtens Ergebnisse von allergrößter Wichtigkeit zeitigen. Sie werden dartun, welche Bedeutung in der böhmischen Geschichte der nachweißenbergischen Zeit der Judenschaft zukommt und welche Rolle sie in der erwähnten Epoche spielte, während das Böhmerland auf mehr als ein Jahrhundert hinaus von einem allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang erfaßt war. Der zeitliche Meilenstein, den wir zum Ausgangspunkt unserer Studien gemacht haben, die Schlacht auf dem Weißen Berge (8. November 1620), hat auch für die Geschichte des Prager Ghettos seine besondere und außerordentliche Bedeutung. Auch für die Juden blieb jener radikale Umschwung in der Weltanschauung, der sich in Böhmen im Gefolge des niederschmetternden Sieges des katholischen Lagers über die unkatholische Majorität einstellte, nicht völlig ohne Belang. Die allergrößte Wichtigkeit für das Prager Ghetto hatte Jedoch der Umstand, daß es der Sieg der Gegenreformation den Prager Juden ermöglichte, etwa vierzig Christenhäuser anzukaufen und so ihre Stadt beträchtlich zu erweitern. Diese hatte zwar schon in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhundertes aufgehört, die alte Judengasse zu sein, doch eben erst nach der Weißenbergschlacht wurde definitiv der Umwandlung dieser alten Judengasse zur Judenstadt die Krone aufgesetzt und das nicht unbedeutend vergrößerte Prager Ghetto konnte dann auch in den kommenden Jahren einer so ansehnlichen jüdischen Volksmenge Unterkunft bieten, wie sie vordem unerhört und unmöglich gewesen wäre. Die Prager Judenstadt der nachweißenbergischen Zeit mit ihren ursprünglich 318, später gar 333 mehrstöckigen Häusern war in der Lage

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