Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 38)
- Language
- German
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33 Alte und neue jüdische Musiker. Von Priv.-Doz. Dr. Paul N e 111. Es ist gewiß eine außerordentlich merkwürdige Erscheinung, daß eine Reihe von Namen und Werken jüdischer Musiker der italienischen Renaissance überliefert ist, während weder in Italien, noch in einein anderen europäischen Lande vor oder nach dieser Zeit (vor dem 19. Jahrhundert) Juden wirklich tätigen Einfluß auf die Entwicklung der Musik genommen haben; bis dann mit der jüdischen Emanzipation der große Strom jüdischer Musikkultur bestimmenden Einfluß auf die Entwicklung der gesamten neuen Musikgeschichte nahm. Der Grund dieser Erscheinung liegt im Volkscharakter des Italieners selbst, der lange nicht im gleichen Maße wie der Nordländer das Judentum als einen Fremdkörper ansieht, vielmehr den Juden, der ihm im Charakter und Aussehen ähnelt, als einen selbstverständlichen Teil seines Volkstums anerkennt. In erhöhtem Maße tritt dies in der Renaissance-Zeit in Erscheinung, jener Epoche, in der die Juden auf vielen andern Gebiete?), in Wissenschaft, Kunst und öffentlichem Leben zur Entfaltung gelangen durften, in jener Zeit, da dem Vorurteil grundsätzlich Parole geboten wurde, da Persönlichkeit Alles, Trägheit des Geistes Nichts galt und Menschlichkeit Gesetz aller Handlungen sein sollte. Daß der Antisemitismus im Renaissance-Italien nicht jene schroffen Formen annimmt, wie etwa in Deutschland, läßt sich aus dem Vergleiche der deutschen und italienischen Judensatyre der damaligen Zeit leicht feststellen. Die scharfen Formen des deutschen Judenpamphlets, von denen Georg Liebe, Eduard Fuchs u. A. Proben bieten, scheinen in Italien im Allgemeinen zu fehlen. In der Literatur der italienischen Vokalmusik, wie im mehrstimmigen Madrigal, in der Vilotta, vor allem in der Mascherata, ist der Jude häufig Zielscheibe eines mehr oder weniger harmlosen Witzes. In der berühmten Madrigaloper Orazio Vecchis, dem „Amfiparnasso" wird der jüdische Synagogengesang verspottet, nicht weniger in einer „Ebraica" (bezeichnend, daß sie in der Sammlung neben einer „Todesca" und „Bergamasca" steht — be- 3