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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 100

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 100 (sequence 103)
Language
German
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100 nicht in betracht gekommen. Zudem hätte Eyb., da ein Brief von Prag nach Altona 6, von Prag nach Amsterdam aber 11 Tage und von da nach Hamb. 3 Tage ging, schon 8 Tage früher, bevor er jenen Brief erhalten, von Schanis Wahl wissen können. Jedenfalls hatte seine Mitteilung die Wirkung, dass man, um ihn zum Bleiben zu bewegen, seinen Kontrakt sogleich auf weitere 5 Jahre verlängerte. Am Morgen des 28. Apr. fand man am Altonaer Pranger ein hebräisches Pasquill auf Eyb., als Verfasser der Amulette. Levi jun., der sich wiederholt in kleinen jüdischen Dichtungen mit Glück versucht hatte1), wurde sogleich der Autorschaft verdächtigt und von verschiedenen Juden, u. a. am 8. Dez. von Is. Zilzer, der dafür alsbald vom Prätor bestraft wird, während der Börsenzeit thätlich angegriffen. Am folgenden Tage sollte in den Synagogen bei Strafe des Kolbo-Bannes, der seit 25 Jahren nicht vorgekommen war, zur Anzeige des Pasquillanten aufgefordert werden. Die Unterrabbiner, die man mit der Proklamierung betrauen wollte, weigerten sich dessen jedoch, bis man ihnen genau bezeichnete, gegen wen der Bann sich richte. El. Oppenheimer hatte nämlich einen Passus eingeschmuggelt, welcher sämtliche Gegner Eyb.’s in den Bann einschliessen sollte. So wurde denn dieser Passus gestrichen und der Pasquillant allein in den Bann gethan. Die Vorsteher wollten nun energisch Kühe und Frieden schaffen. Sie fordern am 6. Mai El. Oppenheimer zur Herausgabe jener Kornplotturkunde auf, stossen jedoch auf Widerstand. Ja, am nächsten Morgen — nach Wagenaar am 14. Mai — lässt Opp. dem Vorbeter Mos. Kazef (Kassowitz), der sich geäussert hatte, es geschehe Levi jun. ganz recht, man solle die Wahrheit nicht sagen, die Ausübung seines Amtes verbieten, und als er damit bei den Vorstehern nicht durchdringt, kommt ihm Eyb. zu Hilfe. Und nun entsteht in der Synagoge ein förmlicher Krawall. Die Vorsteher verteidigen gegen Eyb. ihr gutes!Recht, doch dieser geht sogleich zu Thätlichkeiten über, insultiert den Vorbeter und bedroht den Vorsteher Jac. Meyer, so dass diesem nichts anderes übrig bleibt, als die Altonaer Wache holen zu lassen2 3). Am 13. Mai wird in den Synagogen verkündet, es herrsche nun Friede unter den Vorstehern, und niemand solle fortan gegen Eyb. reden oder schreiben. Wer ein Amulett in die Hand bekomme, habe es zu verbrennen, einschlägige Briefe von auswärts seien nicht zu beachten. Diese Proklamation geschah ohne Vorwissen der Vorsteher und gegen den Protest Mos. Ahrons. Eyb. fordert im Juni [3. Sivan] in einem Rundschreiben alle seine Schüler auf, für seine Ehre, ״die mit der Gottes zu vergleichen“, einzutreten״). Er erhält zunächst von Cliajjim Abraham aus Lublin (vgl. 1) Er hatte auf die Geburt des Kronprinzen und zu einer Synagogenfeier Gedichte verfasst und sie dem Könige gewidmet, wofür ihm das Oberhof־ marschallamt am 20. Febr. und 6. Dez. 1749 schriftlich gedankt hatte. Auch das Begrüssungsgedicht bei Eyb.’s Einzug war sein Werk. ־) Der Gottesdienst wird bis auf weiteres statt in der Synagoge in kleinen sog. Minjanim verrichtet (Wagenaar). 3) Wie er Luchot, Vorr. erklärt, nachdem er an Josua Falk geschrieben, ohne von ihm eine Antwort zu erhalten. — Emden spricht von Bestechungsgeldern, welche nach Polen wanderten (Grätz 365).

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