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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 54

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 54 (sequence 57)
Language
German
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54 Breslau) in Audienz. Dieser überreicht eine silberne, reich vergoldete Truhe mit Figuren in getriebener Arbeit, gekrönt von einer Achatschale, auf welcher in rotsamtenem Beutel auf einem Atlaskissen 1000 holländische Speziesdukaten, sämtlich aus einem Jahre, liegen. Die beiden Küster bringen dieses kostbare Geschenk, welches den Namen des Königs und den der Gemeinde trug, bis an die Thür des Audienzsaales. Der König giebt dem Vorstand ״die Versicherung der Allerhöchsten Gnade in den huldreichsten Ausdrücken“, sagt auch für Mittwoch den Besuch der Synagoge zu. In der Breitengasse wird vor der Synagoge eine Ehrenpforte errichtet, mit Oelflämmchen illuminiert, obenauf wird eine Musikkapelle untergebracht. In der Synagoge selbst wird vor der Thoralade ein Thron, mit vergoldetem Samt ausgeschlagen, mit dem Silberschmuck der Torarollen verziert, zu Füssen eine türkische Decke, errichtet, für das Gefolge mehrere Throne von grünem Samt. Ausser den Behörden der Gemeinde und den geladenen Gästen, worunter auch der Chakham und der Vorstand der Portugiesen, wurde das Publikum durch das Los bestimmt. Im Ganzen wurden 200 Karten ausgegeben. Abends 10V2 Uhr kommt der König, der Thoraschrank wird geöffnet, der König mustert die Thorarollen. Hierauf werden ihm die beiden Festlieder, hebräisch mit deutscher Uebersetzung auf Altlas gedruckt, in Seide gebunden, die Ränder vergoldet, von Jech. Wallich mit einer Anrede überreicht. Sobald der König Platz genommen, trägt der Vorbeter mit Musikbegleitung das hebräische Königsgebet und die beiden Lieder vor. Das Publikum sagt zu den darin enthaltenen Segenswünschen laut Amen. Der König sieht sich die Synagoge näher an und verlässt sie nach halbstündigem Aufenthalt (Dibre ha־jamim), Am 8. Adar 528 (1768) wird in der Synagoge die Geburt des Kronprinzen gefeiert. Die hierbei mit Musikbegleitung gesungenen Lieder werden den Honoratioren Altonas sowie dem königlichen Hofe übersandt. Bei der Teuerung 1771 liefert der Senat, ״wie bei der früheren 1680,“ auch für die jüdischen Armen billiges Mehl — 9 Sch. für den Specht — von der Herren-Mühle. Deputierte der Gemeinde besorgen die Verteilung. Die Altonaer Gemeinde in Hamburg verteilt wöchentlich 150, die Hamburger 60, die Wandsbeker 40 Specht. Am Sabbat, den 5. Tarn. 533 (1773) wird die Wandsbeker Gemeinde in den Bann gethan, weil sie sich der Zahlung der Armensteuer immer zu entziehen und eine Regelung der Verhältnisse möglichst hinauszuschieben suchte. Ueberhaupt hatten sich unter den einzelnen Gemeinden Misshelligkeiten gehäuft, zu deren Schlichtung Jac. Emden angerufen wird. Er beschreibt die

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