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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 31

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 31 (sequence 34)
Language
German
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31 Allein da dieses geschähe, war kein Stein-Werffen weder zu sehen noch zu mercken. Den Sonntag als am 27. Augusti ermahnete Herr Schmied, Prediger zu St. Michaelis, u. andere Fried-liebende Priester mehr ihre Gemeinen, von solchen gottlosen Unternehmen abzustehen u. kündigte widrigenfalls ihuen den Fluch an. Dadurch wurde es den Tag über ziemlich stille. Allein gegen Abend wollte verlauten, es hätten sich einige Matrosen u. Handwercks-Pursche zusammen verschworen, die Haupt-Wache auf dem grossen Neuen Marckt zu stürmen.“ Bestätigt und ergänzt wird diese Darstellung durch aktenmässige Belege. An erster Stelle sind die Akten über den ״Juden- Tumult in Hamburg 1730 usw.“ im Hamburger Staatsarchiv (CI. VII Lit. Lk No. 18 Vol. lf) zu nennen. Hier lesen wir: ״Freitag, den 25. Aug. wird dem Herrn General-Lieutenant u. Comrnendanten von Albedyl hiemit committiret, wegen der gestern Abend in der Neustadt unter dem gemeinen Volck, der Juden halber, entstandenen Unruhe, die Haupt-Wache mit mehrer Mannschaft einige Tage, insonderheit am Sonntage zu verstärcken, auch stets eine Reserve von Dragonern in Bereitschaft zu halten, u. durch gedoppelte Patroullen, sowol zu Pferde, als zu Fuss, fleissig recognosciren, folglich sofort alle unordentliche Yersammlungen trennen, u. auf die geringste Widersetzlichkeit die Widerspenstigen arretiren zu lassen, u. übrigens mit nöhtiger Sorgfalt dahin zu sehen, damit keine Zusammen- Rottirungen, Auflauf u. Schlägereyen, insonderheit auch zwischen den Jungen entstehen, sondern die Urheber derselben, vornemlich die Jungen sofort in Arrest gezogen, u. sowol des praesidirenden Herrn Biirgermeistes Magnificenz als des Herrn Praetoris Wolweisheit von allem zeitige Nachrichten ertheilet werden.“ Gleichzeitig geht dem Prätor der Befehl zu, ״Die Aeltesten der Juden vorfordern zu lassen, und denselben ernstlich zu verbiehten, dass ihre Nation keine Stöcke tragen, noch viel weniger damit an der Börse erscheinen solle/‘ Durch die Erneuerung dieses in den Senatserlässen sowie in den Gemeindeproclamationen so oft betonten Verbotes sollte alles vermieden werden, was den Judenfeinden auch nur den Schein eines Vorwandes hätte bieten können. Desgleichen liess man am Sonnabend ״die Alten der Juden vorfordern u. denselben befehlen, dass ihre Nation sich als Morgen am Sonntage gantz still und eingezogen, besonders gegen Abend, beym Thor-Schliessen halten sollte.“ Und nun beginnt ein Zeugenverhör über Ursachen und Veranlassung des Aufruhrs, wie es lebhaft an mancherlei Vorgänge aus jüngster Zeit erinnert. Als ״klassische Zeugin“ darf ein Weibsbild gelten, welches am 26. Aug. zuerst gegen die Juden aussagt. Hierüber heisst es: ״Coram Nobiliss . Dn0 Praetore Ihro Wohlw. d. Herrn Stampeei De comparirte praevia citatione Margaretha Dorothea Schultzen, eines Tambouren Frau unter des H. Capitain Raschen compagnie ohngefehr 30 Jahr alt u. deponirte in pto der vor einiger Zeit ihr wiederfahrenen Gewalthätigkeiten folgendermassen: 1. Dass bevorstehenden Montag vor 3 Wochen, als Deponentin mit einem Manne Namens Andreas u. des Bürger Capitain Holtzcamps Köchin umb nach dem Walle zu gehen, denen Officirern das Essen zu bringen, des Abends nach

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