Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 2 (1901) Heft VIII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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168 spendet wurde. Wenn man die Höhe und die inneren Formen einiger Teile des oben genannten Gebäudes beurteilt, müsste man dasselbe für sehr alt halten, aber die Zeit seines Entstehens kann nicht einmal wissenschaftlich bestimmt werden; denn von irgend welcher Art Styl kann gar keine Rede sein. Im allgemeinen haben die früheren hölzernen Synagogen in unserem Lande eine ganz eigenartige und charakteristische Gestalt gehabt. Wie schon oben erwähnt, bestehen diese Gebäude aus einem grossen Mittelschiff, umringt von verschiedenen kleinen Anbauten in diversen Formen und Grössen, welche im Laufe der Zeit, gemäss den Bedürfnissen der betreffenden Gemeinden und der Zunahme der Bevölkerung, sowie den materiellen Mitteln entsprechend, errichtet wurden. Diese verschiedenartigen Anbauten in Verbindung mit dem Hauptgebäude, sowie den sie überragenden Dachgipfeln von verschiedenen Höhen und Gestaltungen ergeben zusammen eine gewisse malerische Originalität, die sich von den benachbarten schmutzigen und niedrigen Lehmhütten vorteilhaft ablehnt.1) Wie schon erwähnt, würde es schwer fallen, die hier beschriebenen Überreste der früheren Holzbaukunst zu irgend einem architektonischen Styl zu rechnen. Die verschiedenartigen Formen dieser Gebäude lassen sich keinem der bekannten Bausysteme einreihen, obschon dieselben durch ihre Originalität staunenswert sind. Wenn wir die erwähnten Gebäude in ihrer Bauart, in ihren äusseren Formen, sowie ihrer einfachen Ornamentik dennoch näher betrachten, kommen wir unwillkürlich zu der vielleicht allzu bestimmten Behauptung, dass die Juden, die wegen ihrer Verfolgung von Deutschland nach Polen umsiedelten, sich das System der Bauten ihrer Gotteshäuser aneigneten, welches sie in dem benachbarten Schlesien und hauptsächlich in denjenigen Städten, welche schon von früher her christliche H012kirchen besassen, kannten. Es ist wahrscheinlich, dass die hölzernen Kirchen sowohl in Deutschland wie auch in Schweden und Norwegen ursprünglich nur aus einem Hauptschiffe bestanden haben.2) Später erst haben Zünfte und einzelne Andächtige noch besondere Kapellen angebaut, sie umringten die Kirchen mit Balkons, Arkaden und sonstigen Anbauten, welche schliesslich den Kirchen das Aussehen eines grossen Baues gaben, der, aus verschiedenen Teilen bestehend, oftmals mit dem Hauptschiffe nicht im Einklang stand. ג) Ausser den hier erwähnten Synagogen ist noch die Holzsynagoge in Jablonowo am Prut bekannt. Herr Louis Wierzbicki zeichnete dieselbe mit ihrer interessanten und vielfarbigen Ornamentierung ab und veröffentlichte sie in unseren Berichten der ״Commission zur Erforschung der polnischen Kunstgeschickte“ im Jahre 1891 (nebst Tabellen XV, XVI, XVII, XVIII, XIX und XX). Über die Holzsynagoge im Nowy Sa$z vom Jahre 1746 machte uns Prof. Luszczkiewicz in unseren Berichten Mitteilung. (Anmerkung der Redact. der Berichte der k. Krakauer Akademie d. Wiss. M. S.) 2) Ohne diese Hypothese weiter zu erörtern, müssen wir hinzufügen, dass die norwegischen Holzkirchen sich auf der Basis der anglo-sächsischen, steinernen Basiliken ausgebildet haben und dass dieselben grösstenteüs aus mehreren Schiffen bestanden, obschon die Seitenschiffe von allen vier Seiten die mittlere Fläche einschliessen, welche durch die Holzkonstruktion ihre Begründung erhielt. Vergl. Dietrichson und Munthe. Die Holzbaukunst Norwegens. Berlin 1893.