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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 2 (1900) · p. Seite 134

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 134 (sequence 39)
Language
German
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134 Dieses Bild des Juden, wie es aus der Volksseele geschöpft ist, zeigt als hervorstechenden Zug den Handelsgeist. Eine andere Seite, die Feigheit des sklavisch Unterdrückten, kehrt der Jude in dem Stücke ״Baskyn“ hervor. Es kommt darin (S. 32) zum Schluss zu einem Auflauf und Streit wegen eines Mädchens, dessen sich Deli Bekir bemächtigt hat. Wütend ruft diesem der Bej zu: ״Wenn ich meinen %angar ziehe, schöpfe ich in deiner Brust Atem (d. h. ich stosse ihn mit Anspannung aller Kräfte in deine Brust). Kekeme (Stotterer): We-we-wenn ich die Sch-Sch-Schnupftabaksdose werfe, schöpfe ich in deinem Ko-Ko-Kopf Atem. Bebruhi: Wenn ich in dein Ohr den Pilavlöffel bohre, schöpfe ich in deinem Hirn Atem. Jude: Wenn ich die Pantoffel unter meine Achsel nehme, werde ich in Balat Atem schöpfen, d. h. er will bis zum entlegenen Judenviertel laufen, wenn die andern thätlich an einander geraten. Das sprachliche Charakteristikum des Juden ist die Aussprache des g als j. Auch schiebt er bisweilen einen unmotivierten Konsonanten ein; den Karagöz pflegt er Kargojoz zu nennen; für cabuk (schnell) sagt er carpuk. — Die abgebildete Papierfigur stammt von Kjasim in Brussa.“ Bemerkenswert, aber ganz natürlich ist die Erscheinung, dass von allen Dialekttypen nur der Jude dem türkischen Schattenspiel des Ostens mit dem arabischen des Ma^rib gemeinsam ist. Man sah ihn zu Prinkipo (Szene zwischen einem Esel und einem Juden), anderswo stellte man zuweilen als Zwischenraum ״eine jüdische Beerdigung vor, deren Zug von einem Pastetchenhändler beschlossen wird, der seine Ware auf portugiesisch ausruft‘1. Dass man neben den türkischen armenische, doch nicht jüdische Schattenspieler antrifffc (S. 14), lässt sich vielleicht mit dem Verbot. Schattenbilder an die Wand zu werfen (Mitteil. I, S 99), erklären, einem Verbot, welches sich wohl aus dem Schattenzauber in der Hosana rabba-Nacht (a. a. O. 103 u. S. Rubin, Gesch. des Aberglaubens [deutsch] 126) herleitet. Doch scheint man diese Scheu früher nicht gekannt zu haben; denn Thevenot (bei Jacob S. 12) erzählt aus dem Jahre 1665: ״Or ce sont ordinairement des Juifs qui font joüer ces marionettes, et je n'en ay pas veu d’autres.“ Die vom Verf. S. 98 erwähnte Beobachtung, dass die Juden Stambuls die Zahl 4 nicht aussprechen und auf die neckische Frage des Türken: wieviel Beine hat die Katze? zur Antwort geben: mit ihrem Schwanz 5, beruht auf der schon dem Talmud bekannten Vorsicht der babyl. Juden, die geraden Zahlen (fugot) unter 10 zu meiden (Pesachim 110 a, vgl. Blau, das altjüd. Zauber־ wesen 77). ״Hort jemand sprechen: ihr und ich sind 4, so sage

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