Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1900
- Issue
- 1 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Anhang I. Jüdische Am u 1 et e. Dass die Hebräer bereits Amulete gebraucht haben, will man aus Stellen, wie Gen. 35,4 *) und Jes. 3,20 erweisen, obwohl es sich in beiden Fällen nur um Toilettegegenstände handelt, welche die Mode mit sich brachte, wie z. B. Erzeugnisse des ägyptischen Kunsthandwerkes in Vorderasien beliebt waren, die ohneBücksicht auf ihre kultuelle Nebenbedeutung aufgenommen wurden* 2). Der aus späterer Zeit unzweifelhaft nachgewiesene3) Gebrauch desAmulets für Menschen, Tiere und Häuser4) stellt sich nicht allein durch die schlageil den Analogien in fremden Kreisen, sondern vor allem durch die fremden Sprachen entlehnten Kunstausdrücke als heidnischen Ursprungs dar. Vor allem waren und sind es bis auf den heutigen Tag Kinder und Krieger, die am meisten Gefährdeten, welchen die Amulete Schutz gewähren sollen. Wie ״Himmelsbriefe44 bei den Siegern von Königgrätz und Sedan, jüdische Amulete in Massen bei den russischen Soldaten im Krimkriege 5) und gnostische Tafeln auf den Spuren der römischen Legionen6), so finden sich heidnische kpojjj.aira bei den Gefallenen der Makkabäerkämpfe (II. Makk. 12,40 )7). Schon das Targ. zu Cant. 3,17 spricht von dem Gottesnamen, ״der in die Waffen der Israeliten eingezeichnet war44. Daselbst 8,3 werden auch bereits als Amulete die Tefillin8) und die Mezuza9) erwähnt, welch5 letztere selbst von Heiden zu demselben Zwecke verwendet wurde.10) Wie schon in talmudischer Zeit11), so werden noch heute den Kindern Kemechen — von קמיע, womit ursprünglich die aus Kräutern usw. 12) bestellenden Amulete im Gegensatz zu den be- *) Vgl. die Bezeichnung für Ohrring hei Syrern u. Samaritanern. Winer Bibi. Realenc. 3 I 56. 2) Vgl. Perrot-Chipiez. L:art dans l’antiq. (Phöniz.) p. 83. 3) Ueber jüd. Amul. s. Joel II, 12. Brecher 195 ff. Blau 89 ff. — St. Ps. 25. 4) Magische Worte an den Thüren befestigt: Sprengel 195. Die Römer schrieben an die Thür zum Schutz gegen Feuer: Arse vorse (vgl. unten S. 78 Nr. 3: רס רסו?). Vgl. Soldan 67. 5) Schindler 131, Rosenstein 12. S. oben § 66. Vgl. Wuttke 719. Vgl. ..Des alten Schäfers Thomas seine Prof'ezeiungen“ (Wuttke. Gesch. d. Schrift 39). G) Dietrich, Abraxas 124. 151. ד) Vgl. Blau 87. 8) Amulete in Leder: Blau 88 vgl. Kopp III, 65. 9) S. oben § 187 Anm. 10) Blau 152. 11) Wiesner, Scholien z. bab. Talm. II 137. Blau 90. 12) In Algier Früchte etc., weil die Dämonen den guten Geschmack nicht vertragen: Jüd. Volksblatt 1854 S. 162.