Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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87 Gott, König der Welt, der uns geheiligt durch seine Gebote und uns die Beschneidung befohlen.“ Die andern: ״Jehuda Lob, Sohn des Gemeindeoberhauptes und Vorstehers Herrn Josef Rintel.“ Das nächstälteste datirte Stück ist eine silberne Thorabekleidung (‘Ec chajjim) v. J. 1735 nebst der zugehörigen Brustplatte (Tas) v. J. 1736. Beide stammen wahrscheinlich aus Polen und verraten die Zeit ihrer Entstehung auch durch den Stil ihres Ornamentes. In diesem ist das ״Laub- und Bandelwerk“ angewendet, das in den deutschen Edel- Schmiedearbeiten kurz vor dem Auftreten des Rococo-Stiles herrscht. Von besonderem Interesse ist die kleinere der drei zinnernen Secler-Schiisseln mit der Jahreszahl 1748, die mit dem um 10 Jahre älteren Datum des Zinnstempels in Einklang steht, da die gravirten Verzierungen nicht mit der Schüssel gleichzeitig entstanden sein können. Diese wurde in glattem Zustande von dem zünftigen Zinngiessermeister geliefert; nachträglich meisselte und stach ein der hebräischen Schrift kundiger Arbeiter die Verzierungen ein. Hervorzuheben ist, dass hier in der Decoration schon Anklänge an persisches Blumen- Ornament unverkennbar sind. Daran lässt sich die Frage knüpfen, ob schon vor 150 Jahren in Mittel-Europa das bewusste Bestreben nachweisbar ist, die Zierkunst des Morgenlandes für jüdische Bauten und Geräte heranzuziehen. Bei den älteren jüdischen Kultgeräthen herrscht durchaus der jeweilig alle sonstige kunstgewerbliche Arbeit beeinflussende Ornament-Stil. Erst in unserem Jahrhundert gelangen die Rückgriffe auf altorientalische Zierkunst zur Vorherrschaft. Eine zweite durch ihre gut verteilten Verzierungen und die abwechselungsreiche Art der Führung des Grabstichels ausgezeichnete Serferschüssel, ebenfalls aus Zinn, trägt das Datum d. J. 1776. Wir geben ihre Abbildung hier nach dem Jahresbericht des Museums für 1896:i:). Eine dritte zinnerne Sederschüsstl stammt aus dem Jahre 1789. Sie ist wichtig durch die in den 16 Feldern des Randes gravirten figürlichen Darstellungen, von denen jede in zwei oder drei am Tische sitzenden Männern eine der vorgeschriebenen Verrichtungen der häuslichen Riten des *SVv/er-Abends wiedergiebt; über jeder Scene steht in grossen hebräischen Buchstaben das entsprechende Kennwort. Ausnahmsweise ist auf ihr auch :) s. Beilage VI.