Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 zu, er solle mit dem Kiddusch auf ihn warten. Das musste ihn doch in seiner Ansicht bestärken, dass der Fremde nicht recht bei Sinnen sei. Inzwischen hatten die Henkersknechte das Feuer genügend geschürt, und nun sollte der Gefangene in die Flammen geworfen werden. Doch in diesem Augenblick beschwur der kluge Meister einen Engel, welcher ihm das Aussehen des Fürsten und diesem das seinige gab, und im Handumdrehen war der Bösewicht ergriffen und in den Flammen verschwunden, Nachmanides hatte soeben den Kiddusch begonnen, als sich die Thür aufthat und sein Gast hereinspazierte, den er vor wenigen Minuten hatte zum Tode führen sehen. Der Wundermann versprach ihm eine Erklärung seines rätselhaften Verhaltens in der Predigt, die er nachmittags im Gotteshause zu halten gewünscht hatte. Hier zählte er nun zunächst zum grossen und freudigen Erstaunen seines Wirtes all’ die Schwierigkeiten auf, die diesem beim Studium der Gotteslehre je aufgestossen waren. Er wusste sie alle mit Hilfe seiner Kunst zu beseitigen. Alsdann erklärte er vor versammeltem Volke seine Sendung und Rettung und alle gaben ihm das Ehrengeleit, als er sich wieder mit seinem Wirte heimbegab Diesen unterwies er nun gründlich in seiner Kunst, für welche sich Nachmanides so begeisterte, dass er sie allen Gelehrten im Lande der Väter und in anderen Landen auf's wärmste empfahl7). 8. Der magische Brieibote.^ Drei Mönche2), welche der Magie wohl kundig waren, kamen einst zu Samuel3), dem Frommen, der als Meister in dieser Kunst weit und breit berühmt war, um sich mit ihm zu messen. Er gab ihnen zur Probe auf, einen Brief an einen fernen Freund4) hin- und zurückzubefördern, ohne sich dabei vom Platz zu rühren. Sie gingen nun mit ihm an einen heimliehen Ort und sprachen: ,,Einer von uns dreien soll einen Kreis5) ziehen, sich hineinstellen und ein anderer soll ihn beschwören, dass ihm seine Seele aus dem Leibe fahre und nach drei Tagen mit dem Briefe zurückkehre.“ So blieb denn der eine Mönch, welcher sich der Botschaft unterzogen hatte, drei Tage lang wie tot liegen. Als aber die Seele am dritten Tage nach verrichteter Sache in den Leib zurück wollte, da beschwor Meister Samuel den Geist6), der dabei im Spiele war, die Seele nicht in den