Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
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109 Pesach. In Baden gilt die Judenmazz’, wie die Hostie, sie wird gegen Ostereier eingetauscht, oder die Christen schenken dafür den Juden am Abend nach Pesach Brot. Sie wird von den Bauern im Zimmer aufgehängt, an die Scheune genagelt zum Schutz gegen Blitz und Hexerei1 *). 90. Die Mizwoth heissen: mit einem Schnitt, Kauhen“, mit zweien ״Lewi4\ mit dreien, .Jisroel“. 91. Am Seder wurde stets der Ofen geheizt wegen des Scheker- Bilbuls. Pol. 92. Beim Seder darf kein Messer auf dem Tisch liegen. H. 93. Kinder verstecken den Afikaumen und bekommen dafür vom Vater Lösegeld. Bad. Pol. 94. Nach poln. Brauch zieht der Hausherr den Sterbekittel an und betrachtet sich als ״Melech *, die Hausfrau als ״Malke95 .״. In Jemen2) werden die Mazzot täglich frisch gebacken. Beim Seder setzt man sich um einen kleinen Tisch auf die Erde. Dieser wird während des Haggada-Vortrages beiseite gestellt, bis man an die Stelle kommt:אילו הוציאנו: Bei ךרינו wird der Tisch ein wenig in die Höhe gehoben. Die Haggada wird für Frauen und Kinder ins Arabische übersetzt. 96. In die Speiseschränke legt man, um sich besser vor Chomez zu hüten, Tücher oder Bretter8). 97 Die vier Becher entsprechen den vier Ausdrücken für Befreiung II. M. 6, 6. 7. 98 Der rote Wein erinnert an das Kinderblut, in dem der aussätzige Pharao gebadet haben soll. 98a. Man trägt ein Stückchen Mazzo in der Hand, um bes. im Verkehr mit Nichtjuden stets des Chomezverbotes eingedenkzu bleiben4). 99 Der ״ Afikumim4 wird von den Portug. in Hambg. wie ein Talisman mit auf Reisen genommen, das ganze Jahr zwischen der Wäsche verwahrt 100. Ehe die Thür für Elia geöffnet wird, wird eine Ofengabel gegen die Thür gelehnt. Sobald sie beim Öffnen in die Stube hereinfällt, rufen die Kinder: ״Der Elia ha-nowi und der Moschiach kommt!5״). In den russ. Ostseeprovinzen lässt man eine Ziege herein. 101. Beim Mizwo-Wasser braucht man nicht wegen der Tekufo besorgt zu sein Es wird auch bei Todesfällen nicht ausgegossenG). 102. Beim Backen der Mizwot heizt man mit Esrogim und der7) Suckodecke7) 103. Mit dem Chomez verbrennt man die Reste des Lulabh8). 103a. An Pesachausgang wird eine Strohpuppe ״der chomezdicke Borchu“ im Schulhof umtanzt und verbrannt. D. 104. Chanucka. Die Reste der Lichte werden acht Tage nach dem Feste an einem Orte ausserhalb des Hauses verbrannt9). 105. Die Juden in Frkf. a. M. erlaubten sich das am Chanucka gestattete (Karten־) Spiel auch noch zwei Tage nach 1) Vgl. Wu. 370. *) Saf. I, 88. 8י Sch. II, 320. <) Jos. 78. &) Ch 1, 53. Ä) Mi. 14b. ז) Mi. löb. 8) Tyr. 15b. 9) Ki. i35. Vgl Wu. 08.