Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Namen und Mundartliches. 1) Sprache der Juden. „Die Juden sind sprachliche Amphibien.“ Steinschneider. 1. DieFalascha1) sprechen Huaraza oder Kwara, unter sich gebrauchen sie die Agausprache. Ihre religiösen Lieder u.s.w. zeigen ein Gemisch des Geez mit ihrer eigenen Sprache. 2. Die Portugiesen in Hamburg sprechen unter sich noch heute das Platt. 3. In Deutschland2) sprachen die Juden vor ihrer Vertreibung nach Polen, also bis in das 14. Jahrhundert etwa, ein reines Deutsch, allerdings, was bei den vielen Kunstwörtern unvermeidlich, mit hebräischen Brocken untermengt. Die Juden in Westdeutschland, besonders am Rhein, sprachen und schrieben das Deutsche wie Franzosen. In den oberitalienischen Gemeinden hielt das Deutsche dem Italienischen lange die Wage. Selbst in Jerusalem sprachen die Juden bis zum Ende des 15. Jahrhunderts alle deutsch. Auf der Flucht aus Polen, um die Mitte des 17. Jahrhunderts, brachten die Verfolgten ihr altes Deutsch mit, nur vermischt mit slavischen Wörtern. Dieses Deutsch heisst Judendeutsch. Gewöhnlich nennt man es Jüdischdeutsch, was jedoch, genau genommen, eine Schrift, nicht aber eine Sprache *) Die Juden in den slav. Ländern sprachen bis ins 1.3. Jahrh. slavisch. Ueber das Djoe-tongo in Surinam s. An 102 *) Vgl. Sch. II 292. Wolf Biblioth. hebr. G. I. 111, 148,276.1119, 288, 292. St. 81. H. B. XI, 16. XVI, 100. Grünbaum, N. Beiträge zur sem. Sagenkunde, Leiden 1893, S. 242. Ders., Jüd. deutsche Chrest. 636, 667, 570, 571. 578 f. An 105, 109, 116.