Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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verbannt ist, und welcher die Juden jedenfalls weit weniger, als der arischen Rasse, beizuzählen wären Ebenso sind die Falascha in Abessinien trotz alledem, wa^. dagegen vorgebracht wird,2) Juden. Sie sind es ebensogut, wie etwa die Karäer. Denken wir uns das Judentum ungefähr im zweiten Jahrhundert nach der üblichen Zeitrechnung und fern von denMittelpunkten des religiösen Lebens petrefakt geworden, — und wir haben in der Hauptsache das Judentum der Falascha vor uns. Anderswo gilt doch ohne weiteres als Jude, wer sich offen als solcher bekennt Nun, die Falascha thun noch einUebriges. Sie nennen sich nicht allein ״Haus Israel“ oder ״Israel־‘, sie führen nicht nur ihren Ursprung an der Hand sagenhafter Ueberlieferung aut den Sohn Dawids zurück, sondern sie glauben auch an eine Zukunft, wie sie nach Israels Hoffnung ein später Enkel des Zionssängers einst heraufführen soll.3) Sie haben das Bundeszeichen Israels, mit peinlicher Genauigkeit achten sie des Sabbatgebotes, folgen sie den Vorschriften lewitischer Sonderung, und, wie ihre Hoffnungen, so teilen sie auch die Erinnerungen ihrer Brüder in Israel. Zion ist der Angelpunkt ihres religiösen Denkens und Dichtens, eines Dichtens, wie es übrigens selten in Israel schönere Blüten gezeitigt; den Tag seines Falles begehen sie mit Trauern und Fasten. Alles Daten, die reichlich auf wiegen, was uns an ihnen fremdartig berühren könnte. So hat man ihr Mönchs- und Nonnenwesen als Entlehnung deuten wollen. Allein mehr als eine Analogie lässt es als Frucht kerngetreuer Entwickelung erscheinen. Noch weit mehr gilt dies von ihrer Engellehre. Dass die Falascha bei alledem keine Heiligenverehrung kennen, und dass sich ihr Ritual ausdrücklich gegen den Glauben an einen Gott, der sterben kann,4) wendet, spricht deutlich genug gegen gewisse Beziehungen, die man ihnen andichten wollte. Wie ihr Glaube, so zeigt auch ihre Moral echt jüdisches Gepräge. Ihre Eltemverehrung. ihr mustergiltiges Familienleben *)Vgl.Will.348. 346. Halevy, prieresdes Falashas. Paris 1877. Saf. I 29. HB XVII, 64; XIX, 42. An. 81 ff. •) Hal<§vy 23. «) Hai. 9. (22 דלך vgl. mit בדרך!! Reg 9,85.)