Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2642950-2642951-2642952--0018-2643014- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Einleitung. Einem Unternehmen, welches der wissenschaftlichen Erforschung Israels gilt, steht es wohl an, die Manen des Altmeisters der jüdischen Wissenschaft anzurufen. „Eine von der Weltgeschichte anerkannte historische Besonderheit“, sagt Leopold Zunz (ges. Sehr. I, 42), ,,sind die Juden nach Volkstum und Bekenntnis ein Ganzes, dessen Richtungen von einheitlichen mit ihren Wurzeln in das tiefste Altertum hineinragenden Gesetzen gelenkt werden und dessen geistige Erzeugnisse bereits über zwei Jahrtausende eine Lebensader unzerreissbar durchzieht.“ Aus diesem Wort gewinnen wir mit einem Schlage dreierlei Werte. Israel bildet also doch eine Besonderheit auch ohne nationale und politische Grenzpfähle! Israel hat also doch, auch ohne Heimat und ohne Landbesitz, ein Volkstum! Ja, dieses Volkstum ist gerade einer der beiden Hauptträger jener Besonderheit! Und doch hat man bisher dieses Volkstum nur aus dem Schrifttum, das Leben des Volkes nur aus seinen Gräbern, auf den Walstätten seines Geistes begreifen wollen. Wendet sich doch gerade heute, wie nie zuvor, Fleiss und Forschungseifer, zaghaft erschauernd im nächtigen Windstoss einer gefühlskargen, nüchternen Gegenwart, den geduldigen Gebilden vergangener Tage zu, um sich hier, wenn auch oft auf nichtigem Geröll, in zärtlichem Behagen eine still umfriedete Arbeitsstatt zu wählen. Doch das Leben will aus dem Leben verstanden sein. Und wenn es wahr ist, dass das Leben ein Kampf, — wie zahlreich sind dann erst die Kampfesherde, wie dicht gesät die kaum verborgenen Minen, an denen uns der breite Pfad unserer Forschungen vorüberführt! Ja, schon die ersten Vor_ fragen, so vor allem die ,,Rassen“frage, stellen uns gerade an jene Punkte, um die das Ringen am heftigsten wogt. Und mag