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Der Jüdische Arbeiter · 1933-12-29 · Heft 52 (29.12.1933) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 52 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V* bi to* Erteheint jeden JÜDISCHE Organ der Vereinigten zionisfisdi^sozialisfisdien Arbeiterorganisation Peale Zion- HitaAOutb Iii Oesterreiib Redaktion und Adainistration: Wien; II , ßlumauergasse 1 Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig Sit2.—» halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 29. Dezember 19*3 Nr. 52. Der Geburtstag der Histadrut Die jüdische Arbeiterorganfeatiion Palästinas begeht Im diesen Tagenihre Bar-Mizwa-Feier,. ihren 13. Geburtstag. Es ist für diese zentralje wirtschaftliche Orgainfeauan tler jüdischen Arbeiterschaft inj Palästina charakteristisch, daßj an dieselm ihren» Jubel1 feste nicht nur. die jüdischen Arbeiter ini Erez teil1 neh'men, daß vielmehr sich! die jüdischen Proletarier, aTier Länder berufen; und berechtigt fühlen, dieses! Fest als ihr Fest zu betradhfen lumidi mitzufeiern., Denn die jüdische Arbeiterschaft Palästinas und ihre Organisation, die über, eine reim gewerkschaftliche! Zielsetzung weit hmaJuSgehiend', den wirtsdhaft'lic'hfen'; Dacbverband darstellt, in welchem alle Zweiige und Institutionen der gesamten: ökonomischen Arbeit dies jüdischen Proletariates eingegliedjert sind, sie haben! öidb. äm'mfer als Pioniere des allweltlichen jüdischen! Proletariates gefühlt. All ihr Delikten und Handeln1, war in diesen 13 Jahren auf zwei Ziele .gerichtet: die Verbesserung der Ar^bd^e^d'migfuWgeni im Lande funid1 Schaffunig neuerj ^nwianderuingsm'öglichkleitlen;' für. die jüdischen Massen der Galut, die ein wütender tWIirtscha'ftsantisenilitismiUs uni Ihre Existenzmöglich- 'Welten bringt. Darum fühlen wir Uns mit der Hista- Idrut aufs tiefste verbürgen, iiihr Kampf ist unseil Kämpf, ,ähr. Erfolg un^r, "Erfolg, ihre Niederlage unsere Niederlage. Auf dem gemeinsamen Willen, den in Not. .und1' Elend versinkenden jüdischen Massen ein Arb'eits'hieim in Erez-Israel zu schaffen, ein Ar- ^dtshej'irn,: das auf dem. Füinldamtent der sozialen Ge-, redh'$gfet aufgebaut istrberuht unsere G&meinsc'häff mit den Genossen' der Histadruth. Wie .jede echte Gemeinschaft ist-die unsrige auf der VerantwortlicWkeürt: aller Teile derselben für einander aufgebaut. iWie mit Recht '(die palästinensische Arbeiterschaft! Immer wieder zu den Lebensproblemen' der Galuthi Stellung nimmt, so ist es auch1 unser Recht und u'nsere Pflicht an diesem Tage des Jubiläums nicht nur von den vollbrachten Leistungen, sondern a'uehl von den Zukunftsaufgaben der Histadruth' zu sprechen. Füir die Beurteilung, der Arbeit einer proletarischen Organisation gibt es zwei Maßstäbe: die Stellung der Arbeiterschaft und der Reaktion zu ihr. Es ffst 'kbine Uebertreibüng, wertnl wir sagen, daßi die Histadruth' von: den jüdischen! Arbeitern' des Landes und der Galuth' geliebt, übler alles geliebt wird. (Wie sollte es denn, auch anders sein? Nur derjenige, der den Kontrast zwischen der Galuth und Palästina1 im (gegenwärtigen Moment der Jüjdischlen Qeschichte! nicht in seiner ganzen Tiefe erfaßt hat, wird sich) darüber wundem, '(daß: die Herzen der jüdischen! Jugend hoher zu schlagen beg'ininien, wenn sie das Wort „Histadruth" ausspricht! Die Geschichte der, Nachkriegszeit ist für/das,' Judentum Mitteleuropas und der ''bürgerlichen osteuropäischen Staaten eine Geschichte des Verfalls 'seiner Existenzgrundlagen. Hini ausstoßiung der Juden aus allen produktiven'Berufen ist die Parole des barbarischen Nationalismus. In einem unermüdlichen Kampfe haben sich die jüdischen Massen des Ostens schon vor dem Ausbruch1 des Weltkrieges gewisse Positi'onfen im Produktionsprozeß, (erobert, es Watte den Anschein, als ob der begonnene Pröduktivierunigs'prozeßi langsam, unendlich langsam aber doch die Normalisierung des jüdischen Wirtschaftslebens herbeiführen w^rde. Diese geschichtlich so bedeutsame En'tlwicki'ungslinie, an die) die jüdische Sozialpolitik so große Hoffnung geknüpft hat, ist jäh unterbrochen, wir stehen heute im Zeichen einer, Entwicklung, deren Ergebnis die! Vernichtung alles in der Vorkriegszeit Erreichten' ist: nicht eine 'Normale Berufsgliederung, sondern die Vermehrung des Luftm'enjschMums unter den Juden ist dias Entwicklungsziel'denjüdischein! Sozialgeschichte der Gegenwart. Dieser ''katastropha'llen Gestaltung der Lage der jüdischem Massen in der Diaspora steht die Tat des arbeitenden Palästina gegenüber. Hier entsteht Und wächst von Tag zu Tag) die jüdische' Arbeiterschaft, die in alle Berufe eindringt, die sich" nicht von der Urproduktion fernhalten läßt, sondern auf alle Berufe der Volkswirtschaft in natürlicher Propiortiön1 verteilt Ist. Auf Grund ihrer Zahl, aber vor allem auf Grund ihrer Leistung wird diese Josef Baraz: 3n sJitvcMr $lunde Es ist keine; Uebertreibüng, wenn wir die gegenwärtige Epoche des ZioÄnus zu den besonders! tragischen und schweren T der Geschichte unseren; Bewegung .zähljen. i Furchtbar sind die Schicksals^ Sühläge von außen, ernst .die Zeriblröckel'üng nach' innen. Aber schwere Epochen hat es schbn oft gegeben. Krisen haben unsere Bewegung schon joft erschlüttert. Die Geschichte [ulnsieifes Aufbaues im Lande ist die Geschichte schwerer Zusammienstöß.ej mit der Palästinaregierung lühd der arabischen Bevölkerung. Wir haben die Krisen der Jahre 1921, 1926 und 1929 überwunden und haben sch'ließilich1 d«'en Aufschwung des Jahres 1933 miterlebt. ■ .Unsere ganze Aufmenkslamikielit ist jetzt nach' außen, auf (fllie Palästinaregierung gerichtet. Dien! Protestversanim'iungfen, den, Memloranden der nationalen Institutionen, d'er Delegationen des Jisch'uv ist es nicht gelungen, die Lage zu »Indem. Die Delegation des Jischuv vertritt nicht die gesamte jüdische Bevölkerung. Palästinas. Es ist füir die Regierung :kan Geheimnis, daß ein; Tel des JisChüvs, der an| Zahl gering, .an oikonamfedhern Gewicht aber bedeutsam Ist, an der politische^ r Älktilo'rt nicht teilnimmt: es handelt sich' umeinenV-Tell des Kolo nisten Verbandes, der an der nationalen Aktion im Lande 'keinen Anteil nimmt. Unzwleifelhäft hat auch' die iPa'lästinaiegiierung die Hietzantlktefl des Kofönistfenfiülhrers Smilansky. ausgenützt, <ten so beigetragen' hatr die Stellung derselben gegen die jüdische Arbeit und Alijah1 zu fertigen. Der Haßi!un;d' die Rachsucht des Kiolönjlsitenführers Smila'n's'ky Ist so (glrto-ßl, dfajßfer n'i'Ch^ mehr idie Kraft hat, für dile zionistischen Grundforderungen, für jüdische Arbeit und Einwandlerung einzutreten. In dieser Atmosphäre solleni wir unsere Arbeit und unseren Kampf in Palästina und im' Galuth1 fortsetzen. Bei der letzten'Audienz hat der Oberkommissär, als Vertreter der Maindätarma'Cht, Möitnüngfenj geaußjert, dfe im strikten Gegensatz zui den intern ationalen unld! önglis'ohen, dem jüdischen Volke geh fejdbienen Verspnechungeni stehen und an die Grundlagen lunsjerer Bewegung rühren. Nicht weni^ger wi'chtig ifet unser (außenpolitischen Kamipf. Diese Front ist nicht weniger gefährlich' als die äußere und hat im wesentlichen zwei Seiten. Die zerstörendien Kräfte innerhalb des Jischuv setzen ihr; lu'rihfeilvolles Werk fort. Trotz aller Kritik macht die Milde .Spe'kulati'dnj: weitere Fbrtsch'ritte, erfaßt" alle 'Kreise, und mächt jedies setrittegjenste Plätzchieni zu ihrem Objekte. Selbst der Boden des Her Kanaan ist;Arbeiitersdh'äft .• z:uhi': igeseW'schiaftlicK Zentru'rh' 'diesi jüdisdhen. JischUws in Erez Israel — der jüdischfe! Proletarier, im Galuth' die niedrigste Schichte des! Gesamtproletariates: bildend, wiHdhier in Pälastinal zürn. entscheidenden wlrtschaftlichlen, poliülisdhte'n und' kulturellen' Faktor! Die jüdis'dWe Aiibditerorganisationi ist die Vollbringeriin dieser Ddstuinig, sie, die es versteht, die. Synthese des :gew^ir!k!s'dh!affliehen Kampfes! fund der gemefcwärtsdh'aftlichlen' Aufbauarbeit im1 fäg-; liehen Leben zu bewähren'.. Sie ist uinS in dieser Zeit' unseres Niederganges dlas Symbol1 des Aufstieges der jüfdis'dhen Massen zu schw*eremv: aber bdglüclfendem! Arbeitsleben, sie 'bedeutet uns die Gewähr,, daß: wir an diesem Leben teilnehmen! werden! Man sollte glaubfen, d'äßl .alley die sich1 zum Zionismus bekennen, die Bedeutung der" jüdischen Arbeiterofganisation, ihres Kampf es |umijüdisch^ Arbeit,, um Erweiterung der: Einwanderun'gsimöglidh'keit für Völksbildungsverein „ Jüd i s c h< e s V o 1 k s h e i m" Wien, Blumauergasse 1 Sonntag, 31. Dezember 1933, 20.30 Uhr „Heiterer jüdischer Abend" HERZ GROSSBARO Der berühmteste! jüdisch^ Rezitator und1 andere namhafte jüdische Künstler Anschließend . Tanz. . Gäste willkommen. die jüjdisfch'en Massen, anerkennen. Und doch sind wir gerade beute Zeugen eines skrupellosen Verleumdungsfeldzuges der vereinigten, zionistischfen Bourgeoisie gegen die Histadrut^,, die ihr als das Symbol alles Bösen erscheint. Klerikale- Diün'kfelmiännör werfen ihr Chilul Schlabes vor, aufgeklärte zionistische/Bürger den Verrat nationaler Interessen, und der Duce der 'blauweißien Faschisten hat von seinem Vorbild Hitler das Kampfziel üfberhbm'm'en' nnd predigt seinen Braunhemden: Zerbrechende Histadruth'! D^r Haß, der reaktionären zionistisdhlen Bourg<öoisie zjeigt Uns,, daß die jüdische: ArbeiteriQrga'niSatiioii dtein richtigenl Weg geht. Es ist der. einzig Weg, der zur nationalen! und sozialen Erneuerung der jüdischen Massen führt. Die judisch-sozialistische Bewegung steht heute) unter dem Eindrudke zweier Ereignisse: der'Niederlage der deutschen Arbeiterbewegung und der letzten! blutigen• Ereignissein Palästina.- Wenn wir htelute, am Geburtstag der Histadruth1, auch der Zukunft' der jüdischen Arbeiterbeiwegung Palästinas gedenken, so (bilden •'(diese towei' Erlebnisse den Ausigangspunkt' unserer Gedanken. Die deutsche Arbteiterbewjögung Ist! an einer Reihe von 'äußeren, vibw ihr ' nicht ijle^in'Önßte Ursachen! zugrunde gegangen; sie hat abler auch aus inneren Gründen versagt. Von diesen letzteren sei hier: ein Wort Igesagt, als Warnung füir unsere Gembssen'■'für ' die, Zukunft. Die deutsdh'e •Arb,eiterb|dwdgung, . ihre za'Meinimä'ßig'e Stärke, ihre Institutäonen!, waren. dferi Stolz der Internatjonale; Siä h'at aber in! entscheidender Zeit infolge der Passivität der Massen', versagt, ver-. sagt' aber auch1 'durch1 die Trägfheit-, ihrer Füh'rer. Der Sü'ndenfall der deuts'Ch'ein! Atioe^ferbdwegü'nlg war die ..Hypertrophie ihres Apparates,' ihres Bßämten1app'arates, der jeden Triety der Massen zur Initiative; lähmte ' unld die Kluft zwischen' .Führern! und Arbeitern vertiefte. Wie für j|eidei;,Arbeiter^ mag diese yeiihlngscQSsvdle'jo'B ßntwi'd^Iunig der deutschen AÄiterbew^gunig[ läuchf der Histadruth eine Warnung .sein!. Diie zahlienni'ä'ßlifeje Entwidkl'ukig einer.Arbeiterorganisation machtidlen; üebfergäng vonj' freiwilliger zur b'eajmfeten!iF,ii!atktiön^arbelitifn Die quantitative tEnffältung des ' Beamtenapparatesi einer prqletaris'chen Organisation! muß, aber eine» Grenze' •h'kben, "sonst wirkt sich der Apipiarat auf tragische Weise für das Schicksal derer, aus, denen er idüe'nien sollte. Daß, die Histadruth' diese wichtigste Lehre der jüngsten Ge'schidhite der europäischen* Arbeiterbewegung 'beherzige, ist luinjsettf Wunsdh zu ih'rem 13. Geburtstag. Die arabisCh!en! Demonstratidfllenl (den letzten Wo-. Chtew lunld ihres f ü!r den Zionfisimiuis so tragischen politisdhein. Folgen haben uns wieder das Ungelöstsein der arabischen Frage zum Biewiußjtseini gebracht. Die Histadruth1 hat die Be'dieutuing des 'jüdisch-arabisdhen 'Problems sdhion vor Jahren erkannt, sie hat aber in dieser Frage, wie, es' Uns sdheint, noch' nicht das letzte Wort geSprochien1. Möge sie zur Vorkämpferin der Verstä!nd|g,ung der beiden Völker werden! Diese Verständigung wird nicht .das Produkt „ platonischer Deklarationen sejin; nur, durch praktisch^ Bezeugung des guten Willens wiird die Brücke zwischen dem jüdischen und arabischfön1 JisChUwi gebaut wenden. Die Histadruth mit ihren sozialen Institutionen ist Heute ein Faktor im Lande, der dem' aräbis'dhen Proletariat zum Aufstieg aus Not, Elend und Krankheit weitgehendst Hilfe) bieten} kann, Die-Voraussetzungen festzustellen, unlteai'wleldhienfidlem aralbisch'ent Proletariat die Fürsorge der ■ Histädruith1 wenigsten^ zum Teil zugänglich gemacht' werden kann!, ist hier nicht (unsere Aufgabe. Daß) aber die Histädruth1die Notwendigkeit dieser Erweifemn'g ih(Her Tätigkeit er- Wtmq iundL/diiese. Erkenntnis jn Praxis mmSetze, auch1 Idas ist üm Interesse des friedlidh'en Aufbaues Palästinas unser Wunsch zu ihrem 13, Gebfurtstag.

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