Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1933)
- Date
- 1933-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Vi b. b. üniversittlts'bi'blio-« 1.Universität Erscheint jeden Freitag v *?'"• nsrtrfi ■ •»' iTsb/fr ücIj) nor; ineaA r-r ,ns bri flep Vereinigten zionisfisitaozialisiisdicn Arbeiterorganisation Male Ziori - HlfadiOnfii in . v,;rv '-v.j.....r „tu I uu^. .^rt ^»v„.« ■.( -'-r.', :,-;t *),-«• I'*' n1 ] ■vl'v; V «V^ f V>'7 '»r Redaktion und Administration: \jfien, IL/ßlumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährigS 12.^-, halbjährig S 6.- ' -V <.• , "r]-:-5t>;»3j <t \ ';----- " ' ' * .Urt; f . ,7 >,r. I -ff-i t l.< ' M> 10. •* rt'\-~ rn ) i-, i rrf\\t r ', t f j '1' "l'H i i . i; •,< i j, iiifi 14 . Dezember •./ < .> »< ■ i •. > . i ~» Nr, 50. Die Krise des Völkerbundes im Lichte der zionistischen Politik Die Krise des .Völkerbundes ist nicht neuesten Datums, sie hat' eigentlich ihren Ursprung im- Zeitpunkt der Gründung <heser Institution, an deren Wirksamkeit der unkritische Teil der Menschheit so große Hoffnungen geknüpft hat. Im Geiste der Sch'öpfeir der Völkerbundidee, insbesondere' des von der europäischen Diplomatie der Siegermächte übertölpelten Wilson, war der Völkerbund als eine alle Staaten der Erde umfassende Institution; als diel wahrhafte. civitas maximä,; als Ueberstaat; vorgezeichnet... Wie der Einzelstaat für Ruhe und Frieden innerhalb seiner Grenzen sorgt, so sollte der Völkerbund" den "Krieg innerhalb seiner Grenzen; das heißt, aus der Welt schlechthin, ausmerzen'. Wohl nie' war eine Wirklichkeit, von .der ihr zugrunde liegenden Idee so entfernt, 'wie;' den Völkerbund' von dem Ideal der organisierten; Völkergemeinschaft, das eine durch' tausendfache Höllenqualen gepeinigte Menschh'eit am Kriegsende geträumt hat.' Denn schon am Beginn seines,; Wirkens zeigte es sich',' daß der Völkerbund nicht einmal imstande: war, die Großmächte1 der Welt zu vereinigen, blieben ihm doch so' gewaltige Staaten, wie Amerika, Sowjetrüßland und* Deutschland fern. Und auch das vollständige Versagen de^s Völkerbundes ^'alsi Friedensinstitution wurde von!dem geschichtlichen Verlauf der weltpolitischen Ereignisse alsbaldzum Ausdruck gebracht: der polmsch'-rüs'siscn'e Krieg;- der, -griechisch-türkische , Krieg, die vielen südamerikanischeh Kriege,1siealle sind; . Meilensteine ^einer- Ent^icMürig,; die den-Völkerbtuid ad absurdum geführt''hat, und 'gezeigt: hat, ^daß die! :Gewält auch weiter .ein -legitimes Mittelder, weltpolitischen" Auseinandersetzung geblieben ist. Trotz dieser Machtlosigkeit des Völkerbundes hatten die Optimisten an die Evolution! geglaubt, und eine innere Entwicklung desselben erhofft^ die aus ihm schließlich' doch ein Friedensinstrument machen wird. Diese Hoffnung ist durch die Ereignisse der letzten Wochen als vollkommen sinnlos anzusehen, .auch' der gläuhigste Völkerbündanhänger wird wohl heute nicht' mehr an eine Zukunft der Genfer Institution glauben, die vielleicht als humanitäre Anstalt; 4S Registrierungsamt für w^rtlos'ö völkerrechtliche Verträge funktionieren, deren tatsächlicher, weltpolitische Einfluß nunmehr aber wohl den Nullpunkt -endgültig erreichen wird. Der. Austritt Deutschlands und die letzte ultimative Erklärung des italienischen Diktators gefährdet, den Bestand des Völkerbundes. Diese Tatsache kann heute, da' der ZiomSintis^zu'"einem* weltpolitischen 'Faktor gewotden i'sf, 'auch der zionistischen Bewegung'nicht;,möHr; |leMgül!fg sein'! Zwei' VölkerrechltliÄ; Akte* sind es,u'&e im^^we^enÄftÄ V D. Ben Gurion1: „ ii. mmm miimmmMmiMiim wMmmmmum ^1«« M^^yÄ«rti>jif>8lM : Vi. »l.r.<A.i 4<i,-> a.Ui i.u.....t. vw. s~i. ..*..,« Mittwoch, 20. Dezember 1933, 8 Uhr abernte, Theater saal des Hotel jjPost",-■ -Ii; Fkfecfoinarkt- 24> ' Chorkonzert des > > - - ■...... - ftnänitgiiiiit (30 jüdisfche"Sä%^er''5l& tatschtet.) ■ .; ' 'l<-^Diri^e»t .^,;Wi*<n.'aire¥;'! ,"v, f - PROGRAMM:'f^ Heitere jüdische VotksUeid#.t rl Solödarbtetimgeii von"-Mii%liiedierni des Hatiigun: Parodien;;Chanaons,% Tänze. h •>'• "•->••> ': » "<»ti- * •»•■ ' ' Karten von- 'S 1—3, II., ßlumauergasse 1/ i^ji'lHur i-j-n «■« ■ j.iv>H>. i'lmc )<M U i"i >' >\4 y) f<\*t i_;ti> h uWwirt8i^cffi :#»& Die entscheidende Frage, vor welche die zionistische Exekutive in: diesem' AuglenMick gestellt ist, ist das Problem1 der land'wiirtS'Ch'aftlicheni Kjolonisatton. Wir brauchen heute Boden für die aus Deutschlandi einwandernden Juden, Boden aber auch für die Juden aus den anderen Läriäerni, denrai ih're Not ist mm nichts geriniger, als die der deutschen Juden; auch' sSie kommen auf aHlen^WegeEvins Län'd fand1 klammern sidh1 an dasselbe. Die Emigration hat die! Judeii aller IMi der erfaßt, ste: all e striepen1 nadW' dinem1 S tü'cK Boden. Diese vergrößerte N^hfeo^'^^'Bolden:' wiird von dien Sp'ekulaiiten. im La'nd'e a'uög^nlützt' Diiel Bodenspekulati!on hlat eiii'm^'größiehi Umfang angew Inlommew, sie Wat \ die Bödempreise', hMaüfg'etriebent iüWd 'hleiute steWenjfwiiiri vor 'der Öekhr, mßi unsere länd- •wirfedWaftlichen Positilo'n'M Jsft' daher die Aufgabe der Exekutive, so 'schnell' als m'ö^h7ch!. ei'ne Bodeinreserve zu schaffen, die die K-öl'oriiisieiiüWig der siedflu^s'h'uin^^ ermöglicht!Ünd eiri Gegengewicht j^geS dle Bb'denSpekulätJo'ni darstellt, die 'häü:p;tsalc'h!lic'h, vöii; gWsiäelhi Mittels'taindHi s'chlichtein, des .Westens 'getrifebteh. wird. Dies1 ßi atfcW ÄidlidW die zentrale Fra^Jmit";. welcher sich 'dfej zionistische Exekutive tecKafigt, r li : iPiie Exekutive hfat in dieser Hinsicht gewisse Schritte iunternörnmen;, zwei riesligfe BödiefnfM'Che'n' an-* zu'kajufen; auf welchem man: nicht weniger als zehn1tajusend Famtifenf kolioiiisiereti kön'nte. Dieser Plan; deh a'riderert1:vei'h!affldÄ Re^feruh^ hät d!üekern: Pfeön' bereits: zü^MmM: Es hairildielt; sich itirh' lb^ä^'er!barein:iBÖdeti1. IMrf:g^!ib^-'Bdtdt^^M^Mx:; ist MvpiöM besetzt; Es wird Jifer also' inföM' das' Problitfm' der tatözfefen Ja^äblfechlönl1 PächfeT ejitsfehieii'. Die wenlgieiri! rarabiis'ch!(äiT- Da|Mw|rijei diö sich : dort bf&d'efh'v :weiideri.4 aüriihrerri^Bödefr ve^Mlelbetiv ■' ,;/ iDiüe;' (M;elioratibh";des Biodfe* wtfd eM intetislvfi; InvesÄönstäitiglkteiit erlorderini. Mato.' wli'd vor - allem tester Streckte ermögficHien. ßas dn? Frägie kommende öe!b5et ist größer -tote der jüdische' jfech'u^^ftri W lastina. "'!-" ■ ' : : '■' , ■ rVi' Da dieser neue jüdische Jischiuiw, der, »Hier auf einmal errichtet Werden soll, ein; grbßies'- Oöbiet umfaßt, ist: das) Problem" der' 'öffentlichen ■ "Sicherhiöiltr däsfelbst m^öht allzu s'Chwer zu' fnehim'eji', weaan es' auch! gegenwärtig dort lürh di'este tniicht aufs ^tete bestellt ist. Dfe 'Frage der Sicherheit wiird aber bMti'Ihr^' Dör sung finden, derin es wird bald eine große jüdische Siedlung äiif 'dieser Flächt entstehen. :-> Dieser Bödenkaiuf wird! f ü!Ti dte Bodeinspiekullation, deren Trei'beh 'daä Äufbauwerk! gefährdet, - ein Harteki Schlag sein: Diel Nachfragte dier -pdis^hteinr- Maöstori&dh! Boden, die von) den Spietotetetö 'geftifeSri! ^Md;^^- aichtslos aüs;ö;eniützt wurde/ wird1 niurtmMr sbe^Öd;iigti Iwerd'eh'.' Der J,üide, der1 zü ,d!hÄv'Stütokfrhie!tf: -Lanöl kommen will', wird sich nichtan dfe -Spekulation) wend'öfl mrüssen, 'er wird dassielble: aus' erster'!Hknd! itin'ter sehr•'•yütosti'g^;- '-]([ •Efeöni'tiübh1';ist>der -Plab'lür'J'die d'fents'chen." Juden; en'twibrfön ■' ''worden;'' iftöbesöilidiere für die-'' dieufsdhe^ JüdischeJugend;' däe" giöwillt ''Und -fäh'ig, -:;is't,n>ein:. &%&vMbh%: "<M&> dki^:'fSbi^y^äWagiä' nur' deutsch^ i in ii ii ir-ri -' (t- ■ r -'— r--—• n ■ ■ ■ -w' i v ~t~..*' "„.?' "*;' "~' . T~, t' '.?" Einige Worte über den Chänüka-A^enci •-'lü^reis'^VolklfHfeliiiÖö;: n; ^<>~^>^ (Öaüeh ^"Öew'.'l's^Äi pie^'^jjWea' yfatäßii jä/u:- seiide von v*CfiSlu2|m' während' mie|i!rene Jähre' fee- I* (*/ Vi t <" wm^mmm?'4-t * u*« :f??v?.H>t f * \t< m^mrnmmmmm hmmmmmimm . _______________ . ........M...................,.......... •injiO ltw.uastiun Huu in iaäJUiLji»Aiv-me>^Uu^ii^U «iw «*' die. Grundlage. der zionistischen Politik der Gegenwart/ bilden;*" aieu 'B^foürerkl'ärdng;v u'n'd das1" Mandäteykiem des Vbikerbuntl'es. Trotz "des' 'gewiß?' oerechtigteh ätetenä Zurück-. grei:fen!s'"deS: ziohistisch'en 'Bewelui^'aii'f:' "die?' BfäSfodrörMlErüng dürfte es keinen Ziöi^^-'|jöbeni'',deff*''den 'fralÄisc'fipolitischen Wert dergelHen 'üherscn'ätzt; niemand ^lbV sich doch -heute einer Illusion darüber hih; daß England, von dein heute; feststeht, daß es' zum Zwecke der Gewinnung der arabischen Stämme für seine Kriegszwecke auch' die^ sen weitgehende Versprechungen gemacht hat> stets befeit isti die Balfomdekläratiön derart zu intörpretieren', daß von ihrem Inhalt wenig übrig bleibt. Die Balfourerklärung hat heute eine** symbolischen Wert, wer in . ihr bis heate eine reale Grundlage für unsere Aufbauai'beit sah, wird angesichts der Razzien auf arbeitende Juden in ihrem: „nationalen Heim" eines besseren bekehrt sein. Treu und i-^uinu, w|u, wv^iuu.ia £>\'+L i§|^,J^pr*,w v ' ^'^•'^d^^'fijerlSi ^ö&tÄ'mtalein; vanj alle"r: Äjfe'. ^^eiituSf^' ist Zwe^Whs :hte4^es ^dh iirä' 3ü1sammeft& große" HoBenäqeaM, 'iqüei d|e Schafr P^g'§n^e^'el SiedfüWg auf Örefeinen:j ie^ättukä-Äbend. -TJen künstlerischen ^r^tngige- KüBtlery-^ Ör. FÄ'Ko« Wir dürfen >*^ttt'f6eIräiup*eiH} liÜ# aieäer^ Re^äne^'äas^^ «Älra-TKSfffii UM 8ctööiäne^^-be«ae1ii'^ird' «uB» affeii CSMsM 'Bfäle&npiimVi^^bmtäWfaiy y*1 , Angesichts des Versammlimgsverbotes' liätien wir keine Möglichkeit, den Kontakt mit unseren: Genossen- und Freiinden aufrecht zu erhalten:. Die Chanuka-Feier ist eine Getegenheit für eln allgemeines f reffen, «nserer Genossen.1 _•;-.-t! Wir' fordern deshalb alle Genossen und Freunde auf, 'unMr«KXfi^ * ■^■■^^■■tti^d^jHHil^bHHttiHaiU^Hfi&riii^aMiHHiM Volksbildungsverein „Jüdisiches Volksheim" II., Blumauergasse 1. So'rihtag, li! Dlzembfer"1^33, * 8 Uhr abends: tiro&e Makkabäer-Eeier >u«;4 \. wf. -'pRoöM«trA <v"' *r Fred. Chopin: Pr^lÄ' (kavier Fr. Hüde Adler). raU-alfr tl>» ,|irtT»(^'-1 V'lÜ&i jfestreae: Ifr. Ffanz j£o|>|er KlaviervofTrage': Frl. vHüde' ÄäJer.14 f-"3" 'v" . yiöHnvor^rageY Herr l^uirt Fuchsgelb. Rezitation": Frl. ÄnnelSiese Cä&sel - (enem. Staatstheatef L. . ,i. .fj a .). , ii-iUlSl.tl *.H Ji, t>;-rtl-~Ji./ MO' tll.tlH > ><■>> » Berlin). Sblodarbletungeii von Mitgliedern des Chores „Hartfgun". -JI* niiUjJ ^u»Z~~> .-t.^ ittiu .».. - i , AnschlrefteinST Tanz. Gaste wulkommen. v«-' -s v ' ' .,--sit;,. AV.y A U Mtltm U.ut.iU iMJ\Ut\.l AUU*Jk*J* i»< Mi *MIU KlCUit M«>UtM .- i|0W^niL>ijUJW J^maii ü-w. ta.kiU**.^iA*^*'-»>V-* JL^I>>^*A4 i.%.4. I tjAJ W *^**i W^jVV , . - -> t -j ■ ■ .< ■ -i ■' i - ■ - ■ 1 Glauben von England zu erwarten, diöser Naivität is.t wohl angesichts de|'^fui^t^ajren'' D^^alii!i&i£%6' i-im Lande, wo Bei' Tajg* und "Nächf,'J auf "deär Straße inid' inj der WöHnung,; Juden gejagt we^eä/ W6u"sie^^fr, des V^erbreljhehs?chüldig mächeri, in' in1:emv NatiönaiHJeim ibi'^Stekcn'en'f Brgft zu verdienen, nieniariü ment« fähig. Öie Ü'eütlge" Praxis, der Palästinaregierüng gegenübergestellt/ dem^ihi dervBäifourerklärung' gegebenen - Versprechen; '' durch' diesen' Kohträ'st ist die leifcztenei' üm''ihren--Sinn "Ond -Wert gebnäj&ht;.1 * Grtetäh* zeitig mit' det Zunichtemäcn'ang der Balfourerklärung durch das tatsächliche' Verhalten1 Englands stehe;«'' wir heute im Zeichen der Gefährdung des Mandatsystems: England ist heute in Palästina das Vollzugsorgan' des^ VQlkörbundes, die Auflösung desselben würde daniit den Auftraggeber Englands, sein Kontrollorgan, vernichten, und ' uns;" der Möglichkeit berauben; vor einor höheren Instanz über ein mandatswidriges Verhalten desselben Beschwerde zu führen.' Die Nullifizieruhg d^^ölkerbundmahdates bedeutet nicht das- Ende der Palästinaherrschaffe Englands; sondern den Beginn ihrer unverhüllten autokratischen Form. _ Waren die* _ Mandate in allen ihrein Formen nfchts' anderes^ rechtli^e Beihantelun'geii1 kolonialer Besitznahme; djts Ende; des TölkerfcWdes wird diese als unnötig erweisen. England1 wird aus strategischen Grinid'en seine Hand von Palästina! nicht lassen^ ohne Yolk'erbündkoritrolltei' wird eä seine pro« aTäpische"^Einstellung, sein' Geh'en mit dem Stärkeren^ tiemmurigslos entfalten können. •"'""• '. Sö steht denn die zionistische' Bewegung vor der Gefahr, daß der Völkeriie'chtsgründ ihrer Arbeit von den Ereignissen''der Gegenwart weggeschwemmt wird. rWir haben unsere Attfbauaktiori' auf1 asdatlschierh'' Böden; durch1 eine* Verbindung mit dem europäischein Maöhtsyste'hi züf stutzen versucht. Dieser Konzeption wird'täglich' mehr der Bodeü entzogen, immer möhr; wird sie zur Konstruktion iin luftleeren ' Raum. Es ist die''1 Verständigung mit den arabischen) Mächten des nahen Oriente',' die heute die einzige Gäratitie' für die Fortsetzung unseres Werkes der Erlösung und Befreiung bildet. M. P.