Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1933)
- Date
- 1933-12-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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mcmutm^frmH Organ öcp Vmioigttn zioaisttsdi*sozialistisdicn flrbeiferopganlsaflon Peak Zion - HitailiMti In Qesftrpeidi Reda'(t an und Adainistration: Wian, II, Slumau«rga»se 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig $ 12.—, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 7. Dezember 1933 *fr."49. Rn alle Frennöe Oes arbeitenden Palästina! An das zionistisch-sozialistische Lasar I An alle jüdischen Arbeiter! f 'Genossen! Wieder einmal sammeln sich1 "düstere Wölkten über unserem Aufbauwerk in Palästina. "Die letzteni Verordnungen der englischen Palästinaregierung sind,' (geeignet, den Willen des jüdischen Volkes, in ^Palästina ein gesundes und machtvolles jüdisches- Gemeihwesen zu schaffen, schwer: zu treffen, sie stehen' iin fcinem offenen und schreienden Widerspruch zur den Verpflichtungen deri Mandatarmacht,, sie gefährden; das 'Tempo unserer Aufbauarbeit uind untergraben; unsere Zukunft. Nicht zum ersten: Male sind wir gezwungen, gegen' das -böswillige 'Mißverstehen der Palästinaverwaltungj lun'serem Werke gegenüber anzukämpfen, nicht zum ersten Male müssen wir die Taktik der englischen Regierung bekämpfen, ihrer Schwierigkeiten im vor-! deren Orient durch1 Mißachtung der Lebensinteressem des jüdischen Volkes Herr zu'werden. Eines aber unterscheidet das jetzige Attentat von allen bisherigen/ Angriffen auf unser Werk. In den früheren' Jahren mußten wir unseren Kampf um das Recht auf die jüdische Einwanderung dadurch führen, daß, wir unter Beweis stellten, d,aßi diese Einwanderung nicht nur dem nationalen Bedürfnis des jüdischen Volkes entspricht,1 daß vielmehr die eingewanderten Juden weder •der Regierung 'noch' der Agency zur Last fallen, 'daß; sie die Arbeitslosigkeit nicht vergrößern. I m gegentwä-rtägen-' A u ge n bli ck ,i st d i es es Motiv zur Gänze weggefallen. Im Gegenteil, der Ruf des Landes nach1 neuen Arbeitskräften wird Von' Tag zu Tag stärker. Der ökonomische Aufbauzustand •■ des ..Landes, in welchem sich dieses; vor allem dank $ier jüdischen Einwanderung} 'befindet, vermehrt unäuf-. hoYlich nicht nur die Arbeitsmöglichkeiten,■:. sondern aiucb, den -Bedarf an neuen Arbeitshänden, die das Geschaffene befestigen und: seine} Entwicklung ermög-* iiichen ' sollen. Diese, Tatsache, ist für jeden so klar, „daß. sogar' die Paläßtinaverwaltung sje njent abzuleugnen, wagt. Die Einschränkung der jüdischen ' Einwanderung, kann daher ökonomisch nicht: gerecritfertigt"", werden. Und wenn diese Einwainderungsbe- Schwankung uns in einer Zeit auferlegt wird, da dem jüdischen Massen,, die aus 'dem Wirtschaft$prozefy hierausgestoßen.wurden, alle Länder! verschlossensind, sp wird diesei Maßnahme von c}er ganzen' Welt, die die Not eines, Volkes verstehen kann, ,als doppeltes und dreifaches Unrecht erkannt werden. ' In diesem Augenblick wollen wir' vor allem feststellen: dieverbrecherisdhe' 'Politik der Palästinaver-? waltung' ist in «ihrer ganzen Schärfe vor altem; gegen' diejüdischen Arbeitermasseni gerichtet. <Die Gh'aluzim, .die sich1 jahrelang' für «die iEinwanderung vorbereiten, sind das erste Opfer dieser Politik der Palästinarejgieruing. £)as große:Ideal des arbeitenden (Palästina ist in Gefahr, wenn wir. auf dieses' Attentat nicht die richtige Antwort finden werden. Der Kette den bisherigen Argumente gegen unsere Einwanderung nach Palästina'ist ein neues Argument beigefügt worden, das ausschließlich zu dem Zweckel erfunden wurde, um den Wert unseres Einwand^ rungsrechtes in den fAugen der Weltöffentlichkeit heraibzusetzen . Die Palästinaregferiing und die verschietfenen Eejinde- Zions sind!« plötzlich zu^Beschützernj der arabischen Arbeiter-geworden, .die-durch die Ein- Wanderung der jüdischen -Arbeiter nach Palästina benaqhitejpgt sein! sollen. Wir protestieren vor der ge- ' sandten "anbetenden ^elt gegfcndiesen brutalen Mersnicty ,dte öffentliche Meinung jrre zu führen, und .»un§ .als Feind« der arabjsQhfen Arbeiter hinzustellen. Wir frten uns .niemals gegendie Interessen'der ara- 'bischen ^rbe4i;ey: irgendwie' vergangen,, und w*u niemals gegen sjp „auftreten. Der jüdische' 'Arbiter ist 0er einige Faktor, der .bisher den, V-ersuch gemacht hjat, ^as arabische 'Proletariat aus jener Armut und .Mtprejlen Tiefe emporzuheben,, in '^el'c|;e es durah ^$#ung;urw| , .^^üctawgi geweht wiu^e. Nicht einmal ein Arbeitsplatz ist den arabischen Arbeitern durch unsere Kolonisationsarbeit und unseren Kampf um jüdische Arbeit verloren gegangen.' Was wir fordern ist, dem jüdischen Arbeiter jene Arbeitsmöglichkeit zu geben, die durch rdie. Entwicklung-der jüdischen Siedlung-entsteht. Es ist eine Lüge sund ein Schwindel, die antizionistisehen ■ Mötjive ■ dieser Politik) der Palästinaverwaltung mit; jenem sozialpolitischen Mäntelchen zu verhüllen. Auf diesen Versuch1, die. Fundamente des jüdischen Aufbauwerkes zu unterminieren, haben wir nur die eine Antwort: Wir »werden es zu verhindern-wissen, daß dieeinzige Hoffnung unseres Volkes, seiner unerträglich;en Lage zu entrinnen und sich inT Palästina ein Arbeitsheim zu schaffen, vernichtet werde! Unser Ruf ergeht an alle Faktoren der Weltöffentlichkeit, insbesondere aber an die Arbeiterschaft, Protest zu erheben gegen das Unrecht, das am jüdischen Volke begangen wird. Wir wissen, daß die letzten Geschehnisse in Palästina keine isolierte Episode im politisch-gesellschaftlichen Leben der Gegenwart sind. Sowohl die Hetzpropaganda, dervarabisejien Großgrundbesitzer., in Palästina als auchder brutäle Antisemitismus in den Ländern Mittel- und Osteuropas sind Ausdruck der Reaktion, die gegenwärtig überall Oberhand gewinnt Es besteht daher eine* tiefe Beziehung zwischen -unserem Kampfe um die Befreiung der menschlichen Gesellschaft und um die Verteidigung unserer Arbeitspositionen in Palästina. Unser Bewußtsein dieser Einheit unseres Kampfes gibt uns'das moralische Recht, die Arbeitermassen aller Länder aufzurufen) uns *3n dieser für die Zukunft des Zionismus und des arbeitenden Palästina entscheidenden'Stunde zur Seite zu stehen. Genossen! Erhebet allüberall Protest gegen das Verbrechen, das da gegen das jüdische ^Völk, gegen;den Zionismus ^und; gegen die jüdischen Arbeiter »begangen wird! Beantwortet dieses Verbrechtem damit, daß ihr euch um die Fahne des zionistischen Sozialism us, des arbeiten den Palästina scharet! M obilisiert alle Kräfte für den Kampf ium die jüdische ■Einwanderung nach Palästina) für dem Aufbau des arbeitenden Palästina! : I Es 1 e be dies jüd ische Ein wa nd»erung in Palästina!; < ' * ' Es le'be d ie'we rdend'e j üd isch'e G emeinsefoaft in Pa 1 ästina! ' Es lejbe der sozialistische Zionismus! 1 ' ' ' : Das Zentralbureau des vereinigten allweltlichen jüdisch-sozialistischen Arbeiterverbandes. Session des Verwa Itungsrates eröffnet Genf, den 5. Dez;embär. Heute wurde, die Session des Yerwaltungsrates; "beim Völkerbund für die deutschen Flüchtlinge eröffnet. Der Vorsitzende J. Macdpnald hieit eine großangelegte Redte, in welcher er die tragische Lage der deutschen Flüchtlinge, schilderte. An der Konferenz nimmt Chatm Weizmann und Nahusm SokoJöw teil. Sf^Sl||illlgffll|ll|lllll|.!Sh^iiiiiA Volksbildungsverein „Jüdisches Volksbeim" Wien, II., Blumauergasse 1. Samstag-, den ^. Dezember 1933, 20.16 Uhr, liest Dr. 'Max W,ein;F6ich, Leiter des jüdisch-wissenschaftlichen Institutes in «Witnia, über das Thema: „Ein neuer Weg jüdischer Jugendforschung." Gäste willjfpmmm! öööÄi«ei» Im Sinsa^ranliuna clct* I^j&^rr " v r,'l^r'>7 "*ri'l? 0«nb«s«»(gci»utig : . ■■»Das judkehte! Volk Ast' das .Mustei'bieispiet jein^ Wan'dervolkes/ seine Geschichte, ist die iöeschichfe seiner Wariicler.bewegungen. - Dieses Wanderseni'qksal 'bestimmt die Haltung der Juden szu der Reclitsbrdnung des Staates, innerhalb dessen ,Grenzens sie anu säßig sind aufs nachhaltigste, es bevtfirkV däJK 'für sie die Regelung des Erwerb! der. Staatsbürgerschaft,, cliQ [gesamte Gestaltung das Staatsbürgersclkftsrechtes!vblil entschleidenäer Bedeutung ist. Es ist ■allgemein b&) kannt, daß an. den Besitz der Staatsbürgerschaft in allen Staaten die Ausübung bestimmter. hlochqualifiziiierter Berufe geknüpft ist. Diese Bedingtheit der/ wirtschäffliehen Erwerbstätigkeit von der rStaatszugeu hörigkeit war schon vor dem Weltkrieg ein .charakteristisches Merkmal der Rechtsordnung der europäischen und überseeischen Staaten, aber diese ^Einschränkung der Freizügigkeit war immerhin begrenzt, weil es eben nur bestimmte akademische-Berufskategorien waren, die unter diese Begrenzung;fiele®. Wiije in allen Belangen ist der Weltkrieg auch Ja dieser! Hinsicht die Ursache oder der Ausgangspunkt '.etner] wesentlichen Umgestaltung der Verhältnisse: «war vor dem Kriege idiei Bürgerschaft des Staates, in dessen! Staatsgebiet man seinen Wohnsitz gehabt hat, ein) Rechtsgut, das sicherlich nicht zu verachten war, nach' der Beendigung des Weltkrieges wurde dieJ Staatsbürgerschaft schlechthin zum kostbarsten! Reehptsguö. "überhaupt. Mit, ach nur allzu kurzen Unterbrechung<- gen ist die Wirtschaft Europas in der Nachkriegszeit!; von einer Dauerkrise beherrscht, die große Teile der! Bürger aller Staaten zur Arbeitslosigkeit' verurteilt. Menschliche Arbeitskraft ist im Zeitalter' des niedergehenden Kapitalismus ein fast wertloses Gut 'gewpr-r den, 'die Arbeitsmöglich'keit zu einem seltenen1'Gut,, dessen Wert unendlich großi ist! Und angesichts, dieser} katastrophalen Lage auf dem Arbeitsmarkt sind 'im allen Ländern Inländerschutzgesetze entstanden, die. ein echtes 'Gegenstück "zu den Schutzzolfgesetzeiu sind : wie hier die im Inland produzierten!. Waren! vor der ausländischen Einfuhr,geschützt werden sollen', so soll dort die heimische Arbeitskraft vor der •'Konkurrenz der ausländischen bewahrt bleiben. Der han- . delspolitische Protektionismus hat seine arbeitsrech^ liehe Ergänzung erfahren! 1 , ( Es ist selbstverständlich1, daß Oesterreich, dessenl Wirtschaft ja am stärksten unter den Kriegsfolgen' zu leiden 'hätte und hat,'innerhalb des eurdMischtehj Staatensystems keine Ausnahme, bilden ' konnte. Aücti(. lunsere Republik kennt ein rnländerschu'tzgeVetz, das! den freien Antritt einer Arbeit vom Besitz' der 'österh reiich'ischen ^taatslbürgerschlaft äbh'älngig macht, Vähi rend Ausländer ohne eine Arböitsbewilligun^!/derj industriellen 'Bezirkskommissibnen keinerlei 'unselbständigem Erwerb nachgehen könnten!. Die Praxfe der industriellen" 'ßezirkskommiss'ion imuß als überaus streng bezeichnet werden, und es ist nur zu verständlich, daß jeder Ausländer, der in Oesterreich wohnte* (bestrebt wa;r, die österreichische S'taatslblürgerschaft zu erlangen. Mit Sehnsucht erwarteten Hunderte ündl Tausende Menschen den Ta^,' da sie auf eine lO'jahrig'e! Dauer ihres Aufenthaltes auf österreiöhischternrj!un-< idesgebiet nach1 jErlangung der Volljährigkeit 'hinweisen konnten, denn dann konnten sie die "Hejmatzuigehörigkeit und Lantdeslbürgerschaft in einem Bürw idesiande und automatisch1 die Staatsbürgerschaft langen. Auch1 hiebei gab es immer noch1 .gefahrvolle; Klippen zu lumgehen, die gar manchen zum 'Scheitern brachten. Immerhin war dieser Weg. für ,vjele gangbar, und sie konnten1 sjo aus geduldeten) 'Arbeitern zu berechtigten Arbeitern aufsteigen.1 Daß Tausenden jüdischer Menschen dÜeser Stadt die Frage der österreichischen Staatsbürgerschaft zujrl Lebensfrage wurde, ist selbstverständlich1. Mögen Anti-i semiten aller SchattierungenTieiute'v^n. der „W^le aus dem Osten" sprechen!, wir wissen, daß diese "W.e|le eine unfreiwillige war. Tausende Von. Juden Galiziensj mußten ihre Heimat, ihr Hab und Gut verlassen,, ,sie. sind Opfer des Krieges ihres Vaterland-es. s^d nich't diesem ihren Vaterland zur Last gefallen,'st^tt ^ImQsen zu wefimen, haben sie si^h in die ^r^chjaft