Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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njpssmn* Ertcheint jeden FfHKag Organ Oer Vereinigten zionisfisdissozialtstischan flrbeitcpopganisation Poale Zion-Hifadiöufh in Oestweidi Hedakt on und Administration: Wien, II, Slumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjäirig S 12.—, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 1. Dezember 1933 Nr. 48. ^Ctlicitim Weizmanti Zu scinem 60» J^tiuvlsiag Der gegenwärtige Geschichtsmoment mit seiner geradezu erschütternden jüdischen Wirklichkeit ist keineswegs der geeignete Zeitpunkt zum Feiern von Jubiläen. Dies würde übrigens auch dem Wesen und den Intentionen des Jubilars kaum entsprechen. Vielmehr soll dieser Anlaß, dazu dienen, einerseits dem jüdischen Volke gerade in dieser trüben Stunde' die lichtvolle Persönlichkeit Chaim Weizmanns und die überragende Bedeutung seines Wirkens vor Augen zu führen, und andererseits die Gefühle der tiefen Verehrung und der unverbrüchlichen Liebe -und Treue des Volkes zu seinem Führer zum Ausdruck zu 'bringen. Denn Weizmann .ist wohl der berufenste Führer , seines Volkes. Im entscheidendsten Augenblick der neuzeitlichen " jüdischen Geschichte nahm < er ohne formelle Vollmacht und ohne direkten Auftrag das Steuer' der zionistischen Weltbewegung in seine Hand, und er blieb der faktische Führer des Volkes auch dann, als ihm auf dem 17. Zionistenkongreß die Präsidentschaft der Zionistischen .Organisation entzogen worden war. Zu dieser Führerrolle bestimmten ihn mehr denn seine glänzenden persönlichen Eigenschaften, die er in Fülle besitzt, die „Stimme der „Geschichte",' die, mit einer Urkraft und Unmittelbarkeit sondergleichen durch ihn spricht. Dieser mächtigen; Stimme von Jahrtausenden konnten sich, die Juden, auch die aus "fernstehenden Lagern, nicht verschließen,1 aber auch die Mächtigen der Welt mußten ' ihr. rei.rf-"geneigtes Ghr schenken. „Nicht durch Heere und nicht durch physische Kraft — sondern durch, meinen - Geist" ... Die Stimme der Geschichte, der echte jüdische G'eist, entsprungen dem Urquell des jüdischen Werdens und Seins, entzündeten in Weizmann das Feuer der Begeisterung und der restlosen Hingabe für die Idee der Regeneration des jüdischen Volkes'auf seinem historischen Boden, und.machten ihn: zum Lenker ^der. dahin zielenden Bewegung. Gleichsam lenken sie ihn selbst und beeinflussen entscheidend sein Denken und Handeln und die Auswahl seiner Mittel zum Zwecke der Erreichung des zionistischen Endzieles.: Weizmann als Politiker und Diplomat bildet einen eigenartigen Typus eines jüdischen Staatsmannes, ebenso wie er als Redner und Agitator von besonderer Art ist. In seiner Politik verläßt er niemals den Boden der Realität, zieht Tat und Tatsachendem Reden und Demonstrieren vor, in seinen diplomatischen Schritten und. Handlungen verwirft er die Unaufiichiigkeit und das Lavieren, diese charakteristischen Merkmale der zünftlerischen Diplomatie, und bedient sich stets der Wahrheit und Gradlinigkeit,, und in seinen'öffentlichen Reden meidet er peinlichst die Phrase und das rhetorische Blendwerk, die den Sinn verdunkeln, und wählt stets das klare, verständliche Wort und den einfachen Ausdruck. In diesem Grundzug seines Charakters liegt auch •der Schlüssel zu seiner Politik und Arbeitsmethode, zu seinem Verhältnis zur Mandatarmacht Palästinas, zu den Arabern, zur Jewish Agency usw. Diese seine Art und Eigenschaft sicherte Weizmann die tiefe Sympathie und d,as weitgehende Vertrauen der, breiten jüdischen Massen, machte ihn aber gleichzeitig ■zw umkämpften Persönlichkeit namentlich für jene Kreise, die den Realitäten geringere Aufmerksamkeit zuwenden und in Anpassung, an die Umwelt im Zionismus politische und wirtschaftliche Methoden angewendet zu sehen wünschen, welche der exzeptionellen jüdischen .Lage und dem Geist des historischen Judentums wenig Rechnung tragen... * Es ist bekannt, daß.zwischen Weizmann un!d 'der jüdischen,;Arbeiterschaft Palästinas :.ein inniges "Verhältnis besteht, das im gegenseitigen Vertrauen •seinen Ausdruck findet. Die. jüdische Arbeiterschaft verbindet mit Weizmann, abgesehen von der steten 'Sorge um das Gelingen des zionistischen Aufbauwerkes, und von den übermenschlichen Anstrengungen zugunsten dieses Gelingens, hauptsächlich .deren gleiche Einstellung bezüglich des Hauptzieles des Zionismus, das sie, gleich Weizmann, jn einem' Rlle für Hilal Brlosorolf! Die letzten Tage' der Tätigkeit für den Mifal Arlosoroff nahen heran. Trotz der Gegnerschaft der arbeiterfeindlichen Teile in der zionistischen Bewegung hat die Losung nach Neukolonisation auf nationaler Grundlage einen erfreulichen Widerhall gefunden. Nun . gilt es die letzten Anstrengungen zu machen. Wir bringen unseren Genossen in Erinnerung, daß die Leitung unserer Organisation proklamiert hat: 1. Es ist .unbedingt Pflicht jedes Genossen für Mifal Arlosoroff beizutragen. Wir werden unsere Genossen genau kontrollieren, ob und'wieviel sie beigetragen haben. Das Opfer der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina erlegt audl/uns Verpflichtungen auf. v 2. Alle Genossen und Freunde sind verpflichtet, im Kreise ihrer Bekannten und Freunde für Mifal Arlosoroff zu werböiL Mifal Arlosoroff muß zu einer Angelegenheit der breiten jüdischen Volksmassen werden. Keiner darf sich ^ntziöh'enl Jeder muß nach Kräiten spönden! Erfundene Alarmnachrichten der „heuen Welt" und des „Judenstaat" Die „Neue Welt" :und „Der Judenstaat" haben eine alarmierende Nachricht aus Palästina verbreitet und zwar, 'daß sich der englische Obe/rkornmissär dem jüdischen. Vertretern gegenüber geäußert haj^ eine; Einwanderung. von Juden .zulassen) die däs 'V'erhälihisi von Arabern zu Juden wie 4:1 ändern soll. Jedem politisch informierten Menschen war klar, daß diese Aeußefurig nur von Revisionisetn erdichtet sein kann. Nun hat Genosse Tschertok, der Leiter des politischen Departements ,der Jewish Agency in Palästina, die Behauptung von dieser Aeußerung in aller Form '.dementiert. Gleichzeitig hat Tschertok erklärt: „Ich habe nicht an diel Errichtung einer Front von Ben-Gurion bis Jäbotinsky appelliert, da eine solche Lösung ein politischer Absurd wäre:." In jener Sitzung des „Waad Leumi" haben Tschertok und Ben- Gurion die oKnzentration aller konstruktiven Kräfte der Juden Palästinas gegen die! eVrfügunigen der Regierung g& fordert. , ■ 29.000 Juden eingewandert Nach den Angaben der englischen Verwaltung haben sich in den Monaten Jänner bis einschließlich September des laufenden Jahres! von den nach Palästina eingewanderten Juden 29.000 dauernd, niedergelassen'. Arabischer Generalstreik in Palästina Im Zusammenhang mit der Tatsache, daß die Morrisonkommission nunmehr mit dem Verhör der an den^ arabischen Demonstrationen Beteiligten beginnen wird, hat die arabische Exekutive die Parole des Generalstreikes ausgegeben. Volksbildungsverein „Jüdisches Volksh'eim", II. Blumauerg. 1 Norm & osenf eld - «lede* lobend Samstag, den 2. Dezember, 20.15 Uhr ( Ausführende: Mendel S,i.nger: „Des Dichters Werk und Leben." Oberkantor G. Margulies: Lieder von Morris Rosenfeld. Rezitationen. Gäste willkommen! Parlament in Palästina In der Sitzung1 des Unterhauses vom 23. November gab der Minister für die Kolonien Sir Philipp Cuinliffe-! Lister auf eine Anfrage des Abgeordneten Colönel; Josiah' Wedgwood eine Erklärung über die Aufgaben des für; Palästina geplanten Legislative Council (Gesetzgebende Kör-> perschaft) ab und kündigte an, daß die Einsetzung dieser' > Körperschaft unmittelbar nach dem Inkrafttreten der -palästinensischen Gemeindeordinung erfolgen : werde.- Oer» Minister < betonte nachdrücklich, diaß die Politik der Regierung" in Palästina und die Machtbefugnisse des High Commissioner , von der Errichtung des Legislative Council völlig unberührt bleiben und' daß den durch die Annahme des ' Palästina: s . . Mandates übernommenen Verpflichtungen von der; Mandatar--^ .'macht restlosentsprochen 'werden .wird: ' " [ ' ' , ' ■ Die Absicht der Regierung,V,in Palästina dnen .Legisla-;)^ tive. Council einzusetzen, sei bereits in dem Statement" of; policy vom Oktober 1930 (Pass-fiieldsch.es . Weißbuch) an- ( gekündigt worden. Es geschieht dies zu dem Zwecke, daß die verschiedenen Teile der palästinensischen Oeffentliehkeit Gelegenheit haben, ihre Meinungen in einer repräsentativen Körperschaft' zum Ausdruck zu bringen. .; ■ Der, Abgeordnete Barnett Jamner fragte den Minister, wie es sich mit der Einwanderung von Arabern aus Trans-- jordainien nach Palästina verhalte. Sir Philip erwiderte, diese Einwanderung könne nicht gehindert werden. Auf eine'wer-, tere Frage, ob auch Juden aus Palästina ungehindert nach Transjordanien einwandern können, wurde keine Antwort erteilt. ■ ■ 82% der jüdischen Arbeiterschaft in der Histadru h Nach der Zählung der Histadruth1 gab es am. i. Oktober 1933 in Palästina gegen 52.000 jüdische) Arbeiter und Arbeiterinnen (darunter gegen 12.100 Frauen der Arbeiter). In der Allgemeinen Jüdischen Arbeiter-Organisation „Histadruth" waren 42.362 organisiert, das sind 82 Prozent aller jüdischen Arbeiter des Landes. Von Jänner bis Oktober 1933 stieg die Zahl der jüdischen Arbeiter von 44.000 auf 52.000, die Zahl der Mitglieder der Histadruth; von 35.389 auf 42.362. vollständigen Umbau des jüdischen Lebens dui-ch innere,Umstellung des jüdischen Menschen erblicken, welcher ein werktätiges Mitglied einer jüdischen Arbeitsgemeinschaft auf jüdischem Boden sein soll. Hierin liegt auch der Sinn der seinerzei:igen kritischen Auslassungen Weizmanns gegen „Dzika" und „Nalewki" (vorwiegend von Juden bevölkerte Stadtviertel Warschaus), die fälschlich als eine Stellungnahme' Weizmanns gegen den jüdischen Mittelstand ausgelegt wurden, während er damit bloß die Transplantation der Lebensweise und Lebensformen des jüdischen Gallith mit seiner Wurzel- und Haltlosigkeit treffen wollte. Und da er die Regeneration des Volkes sowie die Nationalheims ausschließlich in. der Verwurzelung der luden im Boden sieht, ist er auch ein konsequenter Verfechler und Förderer der landwirtschaftlichen Besiedelung Palästinas auf national-wirtschaftlicher Grundlage und der zentralen' zionistischen Fonds. Deshalb 'sind ' auch die Chäluzim, diese .wahren Sorgenkinder Weizmanns, und deshalb gelten: auep stets seine ersten^Gastbesuche im Lande den " |^ . Arbeitersiedlungen im Emek, den Deganjah, Nahalal usw., mit deren Einwohnern er Grüße und Gedanken, austauscht, und wo er immer neuen Mut und frische Kialt zur Fortsetzung seiner Arbeit im Dienste des. Volkes schöpft. ■ * f Auf dem letzten Zionistenkongreß wurde Weiz-. mann an die Spitze der Aktion gestellt, die die pnv duktive Hilfsarbeit für die deutschen Juden durch, ihre Ansiedlung in Palästina bezweckt. In dieser lügenr schaft hat er bereits an der. Londoner Hilfskonferena aktiv teilgenommen, die ihn auch mit der Leitung des geschaffenen Verbindungsamtes betraute. So steht V/eizmann wiederum im Brennpunkte der. der täglichen Arbeit und der ungemein schweren Aurgaben., diesmal als Repräsentant und Wortführer des zu diesem Zwecke gK. einigten Gejamtjudentums. Sein Hauptinteresse und seine Hauptsorge gelten'jedoch nach wie vor den zentralen Problemen und Aufgaben c.ei Zionismus — dessen zentrale Figur Weizman« ist und bleibt. Meir' Hen isch.