Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1933)
- Date
- 1933-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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lit t?« t)t Universitätsbibliothek — l*Üniversität Mm OER Erscheint jeden Fraitag i« Organ der Vereinigten zioaisfisdi^sozialisfisdien Hrbeiferopganisaiion Poale Zton - Hitadidufii iH-Oesfmidi Hedakt on und Administration: Wien, II, Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig S 12—, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 24. November 1933 Nr. 47. Verständigung, der einzige Ausweg Der Sinai' der Verschärfung der Einwand er ttngspolitik der Palästinaregierüng ist einfach, klar und' lein deutig. Die Maßnahmen; die gegen; die sogenannte! illegale jüdische Einwanderung nach Palästina getrof-. flen wurden, die vielfachen Verfolgunigen, welche sich! ,|gegen jene »Juden richten, die auf Grund eines) Touristenvisums ins Lafrd gekommen sind und sich' an die palästinensische Wirtschaft eingegliedert haben,, .«die Erschwerung des Fremdenverkehrs, der sich' Palästina zum Reiseziel erwählt — diese, das jüdische. Volk und Palästina so schwer treffendem Beschränkungen der jüdischen; Emigration! njncT des palästinensischen überseeischen Verkehres,1'sind eine' klare [Antwort Englands lauf die arabischem Unruhen. Mit der Waffe in der Hand hat die ipalästinensiscbe Polizei das Prestige der Mandatmacht gewahrt, sie hat den „Natives" und' der Weltöffentlichkeit zum Bewußtsein gebracht, daß England mächtig genug ist,, um jeden: Angriff auf seine Kolonialherrschaft mit /Brachialgewalt abzuwehren. Seiner Machtgeltung ist England 'bereit, jedes Opfer zu bringen. Seine strategischen Interessen, der Luftweg nach) Indien vor allem, sind im; treuer Hut, und1 wer diese1 zu seinem Angriffsziel macht, der wird — dessen können wir sicher sein — auf Graniit beißen. Damit Est aber die Grenze gezogen, über weichte hinaus England nie und nimmer bereit sein wird, seine Machtmittel einzusetzen. Vor allem gehört die Errichtung Ides jüdischen Nationalheims nicht zu jenen Zielen,, ,'dferen .Verwirklichunig1 England die Gefähfdüng seinerj (imperialistischen Politik wert wäre. Die Haltung Eng-» larids ist durch1 sein Prinzip, im der Richtung des geringsten Widerstandes bei der Wahrung seiner Interessen vorzugehen, bestimmt: 'es ist wohl klar, 'daß| wir Juden, 'die wir, dank unserer Machtlosigkeit unid politischen Unreife für England niemals eine Gefahr bedeuten können, der Faktor sind, mit dem' es England eher aufnehmen, wird, als mit der mohamedanischen Welt. Und daher das Nachgeben der Pafeinaregierung dem iRufe der Araber nach' einer; Imtgrationsbeschränkung .fgeganiüber: Es ist deri Preis für Ordnung und Ruhe bezahlt mit Ider Preisgabe der Erfüllung verbrieften- Rechte des jüdischen! Volkes und der ök'o-. notnischen Notwendigkeiten dieses nach neuein Arbeitskräften lechzenden Lan- Ides. Die Araber haben durch inte Demonstrationen' einen wesentlichen! Teil ihrer Forderungen durchgesetzt, ihr „stop the emigration" ist Leitsatz den englischen Palästinapolitik geworden! , j (Die jüdische öffentliche Meinung hat sich1 fast! (ausnahmslos als unfähig erwiesen, aus den1 blutigen) Ereignissen in Palästina und ihrer Wirkung auf die; Einwanderungspolitik der Regierung die einzig richtige Lehre zu ziehen.' Gewißi, Proteste der gesamten! zionistischen Bewegung gegen die Unterbindung des Lebensnervs des Aufbaus Palästinas, Proteste gegen) die im Widerspruch;zum Mandat stehenden Maßn wahmen, die den heimatlosem und verfolgten jüdischen Massen die letzte Hoffnung rauben, sind notwendig. Politische Beeinflussung der englischen Kolonialfaktoren ist unerläßlich'. Aber?das alles sind! Maßnahmen von sekundärer Bedeutung. England, das seine starke Hand im Interesse seiner! imperialistischen Mächtstellung in Bewfegiumg gesetzt' hat, wird sich in seiner Nationalhelmpolitik stets von! den 'arabischem Absichten beeinflussen lassen. Die; wahren Schlüsselbewahrer Palästinas sind d'aher die Araber. Man täusche sich' nicht Idarü'ber hinweg: wie jede nationale Bewegung stellt laueb die arabische das politische Moment in denj Vordergrund, 'und dieses Primat raubt allen unseren! [Argumenten von der wohltätigem Wirkung der jüdischen Kolonisation auf das arabische Leben in den iAugen der Araber selbst den Sinni! Da liegt also Der l&umpf um die judisdie Sintvcaitderung Die Araber bereiten neue Demonstrationen vor London, dien 19. November. Aus Jerusalem wird mitgteilt, daß dde arabische Exekutive eine Plenarversammlung abgehalten hat, an welcher. 33 Mitglieder teilgenommen habein. Im Zusammenhang mit deV.Untersuchungskommission, die unter Leitung Mörisons diel letzten Ereignisse in Palästina untersuchen wird, hat diie arabische Exekutive beschlossen, die Tätigkeit dieser Kommission zu boykottieren. Es wurde beschlossen, am 9. Dezember Trauerversammlungen abzuhalten und am 17. Jänner 1934 neue Demonstrationien zu veranstalten. Die Aufgaben der MorisonkommJssion London, den 19. November, , Die Palästinaregierung hat eine Kommission unter dem Vorsitz Morisons mit der Untersuchung der letzten Ereignisse in Palästina betraut. Die Kommission wird der Patästflnaregierang einen Bericht vorlegen. Morison war zuletzt; Mitglied des Appelationsgerichtes in Südafrika und ist, 61 j Jahre alt. Volksbildungsverein „Jüdisches. Volksh'eim",II.,Bhimauerg. 1 Samstag, den 25. November 1933, 20.16 Uhr,. Ernst Lissauer liest auseigenen. Werken: Aus dem. Drama „Mose" Noah und die Menschen (Legende) Jüngstes Gericht von heutef (Gedichte) Anklage (Gedichte) ' Aus dem Drama „Das1 Weib des Jephta" Einleitende Worte': Dr. Franz Kobler Gäste willkommen! Jagden nach illegalen Einwanderern Jerusalem, den 18. November. Die Polizei hat mit ihren Razzien gegen Touristen, deren .Visa abgelaufen sind, bereits begonnen. Es wurden in der Nacht Razzien in den Hotels von Jerusalem eingeleitet. In Haifa wurden mit der Kontrolle der Einwanderer spezielle Motorboote betraut: Die Maßnahmen richten sich ausschließlich gegen Juden. Begrenzung der Zahl der Schiffspassagiere Jerusalem, den 19. November. Im Zusammenhang mit der neuen Regierungsbestimmung, auf Grund welcher die Zahl der Passagiere, die auf einem Schiff nach Palästina kommen können, eingeschränkt wurde, erklärt die Agiency, daß es sich nur um eine provisorische Verordnung handelt. Es handelt sich bei dieser Regelung nur um eine Erleichterung der Arbeit der Emigrationsorgane der Regierung. Auf jedem Schiff dürfen nur 400 Emigranten (außer den Touristen) ankommen -r 200. müssen in. Haifa und 200 in Jaffa landen. Die Regelung wird damit modifiziert,, daß sie mit'der Zahl der Zertifikate in Uebereinstimmung steht. Protest der Jewish Agency Jerusalem. Die Palästinaexekutive der Jewish Agencyhat nach' dem > Besuche' Be n. Gurions und, Mo sehe Shertoks beim High Commissioner eine Erklärung veröffentlicht, in der das Vorgehen der Regierung in der Fragender Einwanderung in schärfster Form'; abgelehnt und' als im, Widerspruch1' z um Macdonald-Bri.ef stehend bezeichnet wird. , ■ Protest der Wiener Kultusgemeinde gegen d e Einwände* ungsbeschränkungen Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde hat iri seiner letzten Vertreterkollegium-Sitzxmg folgende Resolution gefaßt: . ■ ' Die Judennot in aller Welt, besonders1 dag fürchterliche Schicksal 0er Juden Deutschlands, rechtfertigt die aus dem Palästinamandat fließende Forderung, eine möglichst große Zahl von Juden in entsprechend kurzer Zeit nach! Palästina zu bringen'und dort zu verankern. Die) von 'der . Regierung »Seiner Majestät: .und:..von ' der britischen' Man-< satdverwaltung Palästinas jüngst' getroffenen '. Maßnahmen stehen weder mit dem Geiste und der Absicht des Mandatsvertrages im Einklang noch entsprechen sie den durch' die ungeheure jüdische! Not reich zu erwarten waren. Der. Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien als der zweitgrößten Judengemeinde Europas1 gewärtigem tiefster Sorge um das Schicksal der jüdischen Massen Ost- und' Westeuropas, daß die Regierung Sr. Majestät im Sinnel des Palästinamandates zur Normalisierung'des Lebens1 der' Juden durch Errichtung eines nationalen jüdischen Heimes! in Palästina alle widersprechenden Anordnungen widerrufen und die Einwanderung jüdischer Kapitalisten, Mittelstähdler und Arbeiter auch mit Rücksicht auf die dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisse des Landes "im ausgedehntestem'^ Maße zulassen wird. Deportierüng. illegaler Einwanderer W ar schau, denn 20. November. Wie] hier verlautet, sollen in Kürze 20,jüdische Einwanderer polnischer. Staatsangehörigkeit aus Palästina deportiert werden. Es handelt sich!um Einwanderer, die illegal ins' Land gekommen sind. Brasilien drcwselt die Einwanderung Die jüdische Emigrationsgesellschaft „Jeas" teilt soeben die neuen Einwanderun.gsbes>chirän>kungen nach Brasilien mit. Es können frei einwandern: 1. Personen, die offizielle Anforderungen aus Brasilien vorweisen könmen, 2. Personen, die außer den Reisekosten auch über 300 Dollar verfügen. Für Kinder, bis 12 Jahre muß man ein Outhaberi von 200 Dollar aufweisen. Dies gilt auch für solche Emigranten, deren Verwandte die Einreisebewilligung anstreben. unsere wichtigste (und zentrale Aufgabe: eimeni politischen Ausgleich zwischen! dem! arabischen und jüdischen Volke h'erbeizu-» führen, der ein Kompromiß darstellt, das Opfer von beidenfSeiteniverlangt, aberdie Lebensrechte der beiden! Völker unangetastet läßt. Es hat in dem letzten Jahreni Im "Zionismus m der Araberfrage ein . Fatalismus 'Platz gegriffen. Ben Gurions Wiort — „es werden: für uns in Palästina' noch1 schwere Tage kommen" — haben Mode gemach! Die Konjunktur der letzten Jahre hat das arabische Problem in den Hintergrund treten lassen, und hämisch hat die zionistische Weltpresse die Nachricht von der Auflösung des Brith Schafom„ der die vitale Bedeutung der Äraberfrage am tiefsten erkannt hat, kolportiert. Nun plötzlich steht das arabische Pro-., 'blem in seiner gianzenl Aktualität vor uns. Der jüdische Aufbau Palästinas, die jüdische Einwanderung ins} Land, .ist auf, die Dauer ohne einen! politischen Aus* gleich unmöglich. Wir wollen diesen Ausgleich auch! dann, wenn er von uns wirtschaftliche und politische Opfer verlangt — denn,, was wjegeni diese Opfer gegen, Blutopfer, und' gegen die Tatsache eines Palästinas, dessen Tore uns verschlossen sind? , Max Pilzer, Hilfe durch Aufbau: Mifa! Arlosoroff!