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Der Jüdische Arbeiter · 1933-10-27 · Heft 43 (27.10.1933) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 43 (27.10.1933)
Date
1933-10-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wb-b- DER JODISCHE I Erscheint jeden Freitaft Orpn m Vereinig itiö&istisdi^ozialistisdiefl flpbettcporgaiiisatioa Poak Zio^ HitaÄflüffi in Oesfefreift Redaktion und Adainistratio^: Wien, II , ßlumauergassö 1 — Pastscheckköhtd Ht. 17.87Ö Bezugspreis: ganzjährig S 12.—, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 27. Oktober 1933 Nr. 43. ftti* 7om %wiir*h**M Jerusalem, 22. Oktober. Das Einwandeningsamt der Paläsünaregierung hat dem Einwanderungsdepartement der -jewish Agency mitgeteilt, die Regierung sei bereit, der Jewish Agency für das laufende Halbjahr Oktober 1933— März 1934 7ÖÖ0 Einwanderungszertifikate auf Grund der Arbeiterschedule zu gewähren, wobei die auf Konto der neuen Schedule bereits ausgegebenen 2000 Zertifikate für deutsche Juden von der neuen Halbjalirsquöte in Abzug gebracht würden. Die Pariser Flüchtlings-Hilfszentrale nicht geschlossen. Paris, 22. Oktober. Das Pariser Zentralkomitee für Hilfeleistung an die deutschen Flüchtlinge dementiert kategorisch die Mitteilung des Londoner „Jewish Chronicle", wonach das Komitee aus Mangel an Mitteln die Hilfstätigkeit eingestellt'und seine Büros geschlossen hat. Das Komitee erklärt, daß seine Büros in vollem Betriebe sind, und daß deren Schließung keineswegs erwogen wird. Palästina ~ Hauptauswanderungsland für Oesterreich Wien, 18. Oktober. Die Auswanderung aus Oesterreich ist durch die Abspemmgsmaßnahmen fremder Staaten stark zurückgegangen. Die Statistik für die ersten sieben Monate des Jahres zeigt, 'daß'Palästina''dag Häüptauswanderungsland für Oesterreich geworden ist. 107 Oesterreicher wanderten dorthin aus. Es folgen Rußland mit 82, Argentinien mit 79, Brasilien mit 76, Vereinigte Staaten mit 69 und Paraguay mit 61 Auswanderern. Weiter gingen österreichische Auswanderer nach den französischen Kolonien 44, nach Persien 43, Türkei 22 und den englischen Kolonien 19. Erste Konferenz des High Cömmissioner mit der Exekutive High Comissioner Wankop, der vor wenigen Tagen von seinem Urlaub zurückkehrte, hielt eine Konferenz mit den Mitgliedern der Exekutive ab, an der eine, Reihe wichtiger Fragen verhandelt wurde. Die Joint-Aktion für die deutschen Juden. ~ Bisher 1,200.000 Dollar New-York, 18. Oktober. Wie der Vorsitzende des Hilfskomitees, für deutsche Juden beim American Joint Distribution Committee/Rabbi Jonah B. Wise, bekanntgibt, wurden bisher vom JDC. in den Vereinigten Staaten 1,200.000 Dollar für Hilfe an die deutschen Juden ge sammelt. 100.000 Juden sollen aus Deutschland ausgestoßen werden Die französischen Zeitungen notieren Gerächte, die in Genf verbreitet wurden, daß die deutsche Regierung entschlossen sei, im November 1. J. neue 100.000 Juden aus Deutschland auszustoßen. Eine Anti-Hitlerwoche der Juden in Polen Warschau, 19. Oktober. Die Leitung des jüdischen Anti-Hitler-Komitees hat gemeinsam mit dem Komitee zur Durchführung des antideutschen wirtschaftlichen Bovkotls beschlossen, für den Beginn des November eine Anti-Hitler- Woche 5zu proklamieren. In der Woche sollen Gelder für die notleidenden deutsch-jüdischen Flüchtlinge gesammelt und eine straffere Organisierung des Boykotts' durchgeführt werden. Das Zentralkomitee zur Durchführung des anti-ddutschen Boykotts arbeitet Hand in Hand mit den großen industriellen Unternehmungen in Polen, die sich unter Opfern bereit erklären, den Weisungen des Boykott-Komitees zu folgen, um den Inlandsmarkt schnell zu befriedigen und deutsche Waren entbehrlich zu machen. Was nicht schnell und billig genug im Lande hergestellt werden kann, wird aus Frankreich, Belgien und der Schweiz bezogen. Auf diese Weise wird erreicht, daß zahlreiche Firmen ihre in. Deutschland gemachten Bestellungen zurückrufen oder bereits eingetroffene' Waren zurücksenden können. Die Waren aus Westeuropa werden möglichst nicht über Deutschland, sondern über den Hafen Gdynia geführt. Auch die Zusammenarbeit mit,den ausländischen Boykott-Komitees macht sehr gute Fortschritte. So hat das> Antwerpener Komitee um schleunige Bekanntmachung von Bezugsquellen für polnisches Roggenmehl ersucht, damit man in Belgien das deutsche Roggenmehl, mit dem das Land überschüttet wird, entbehren kann. Jüdisches Volksheim, II., Blumauergasse 1. Samstag, 28. Oktober 815 Uhr abends .Mtäim m&Mt und öesVolbes" Ausführende: Sascha Tiderer (Gesang) Sehulamith Silber (Violin) Rober W. Spitz (Klavier) Sprechchor des Brlth Bilu. Gäste willkommen Regiebeitrag Die jüdische ^elthilfskonferenz in London '?r - London, 23. Oktober. Die Vcishereitungen zu der für den 29. t Oktober vom Joint Foreign Committee' des Jewish Board of Deputies und der Anglo Jewish Association, gemeinsam mU großen jüdischen Organisationen Europas und Amerikas nach London einberufenen jüdischen Welthilfskonferenz sind in vollem Gange. Die allgemein zugängliche Eröffnungssitzung der Konferenz wird am 29. Oktober morgens im Hause des Board of Deputies abgehalten werden. Ob Lord Reading in dieser Sitzung, wie ursprünglich geplant, den Vorsitz führen wird, steht vorläufig noch nicht fest. Im Hinblick auf Gerüchte, denen zufolge von gewisser Seite auf der Konferenz ein Entschließungsantrag eingebracht werden soll, in dem ein Boykott deutscher Waren verlangt wird, erklärt das Vorbereitungskomitee.., daß ein solcher Antrag, falls er wirklich1 gestellt werden sollte, nicht nur nicht zur Abstimmung gebracht, sondern,' nicht einmal zur Erörterung zugelassen werden würde, da er mit dem Gegenstand der Beratung, die ausschließlich aufbauender Hilfe für deutsche Juden gewidmet sein wird, nichts zu tun hätte. Gegen die antisemitische Agitation in Rumänien * Bukarest, 19. Oktober. Im Hinblick auf die wachsende antisemitische Propaganda in Rumänien sprach der Präsident der Union rumänischer Juden, Dr. W. Fildermann, beim Innenminister G. G. Mironescu vor, um ihn über die Lage der durch diese Propaganda gefährdeten jüdischen Bevölkerung zu unterrichten. In einer langen Unterredung: mit dem Minister wies Dr. Fildermann an Hand eines! reichen dokumentarischen Materials auf die Folgen hin, die die ungehemmte antisemitische Agitation durch ihren anarchischen Charakter und ihre gesetzwidrigen Methoden bereits gezeitigt hat. Er schilderte die schwierigen Verhältnisse, unter denen die Juden in vielen Teilen des Landesl infolge der künstlich geschaffenen Hetzatmosphäre und der unausgesetzten antisemitischen Drohungen leben, und zeigte die Gefahren auf, die für diö öffentliche Ordnung und Sicherheit bei weiterer Duldung" der judenfeindlichen Propaganda bestehen., f Im August 2442 jüdische Einwanderer in Palästina Jerusalem, 19. Oktober. Nach offiziellen Angaben sind im Monat August 1933 2513 Personen in Palästina eingewandert, davon waren 2442 Juden. Von den jüdischen Einwanderern gehörten 213 der sogenannten KapitaÜstenklasse an (Besitzer von Privatmitteln in Höhe von 1000 Pfund und mehr). 122 Personen, die einwandern wollten, wurde die Erlaubnis zur Einreise verweigert. Im Juli 1933 waren untej$ 2807 Personen 2703 Juden eingewandert-, von denen 437 $er Kapitalistenklasse angehörten. •« Revolte der Jugend Die stürmischen Ereignisse im jüdischen Leben der letztem Monate, der aufreibende irinerzionistische; Kampf und das vollgerüttelte Maßi von Elend1 und Unglück, das die deutschem Juden bis zur Neige; leeren mußten, 'konzentrierte gezwungen ermaß en. unsere Aufmerksamkeit auf die im Zuge dieser Ereignisse aufgetauchtem zentralen Probleme des jüdischem und innerzionistischen Lebens, wodurch' andere, weniger auffallende, aber sehr bedeutsame Erscheinungen ,im zionistische« Leben überschauet und unbemerkt blieben. / Zu dieser Art vom Erscheinungen; sind die Vorgänge im Lager der allgemein-zionistischen Jugend und die dort herrschende Unzufriedenheit zu zählen, die sich1 letztens zu einer förmlichen Revolte gegen! die Allgemeinen steigerte. Wer die Entwicklung der jüdischen Jugendbewegung in; Osteuropa beobachtete, konnte eine Reihe von; verblüffenden Tatsachen wahrnehmen. Zunächst der ungeheure Aufschwung der chaluzischen Bewegung, der sich1 in Ziffern gar nicht ausdrücken läßt, weil sie sich1 vom Tag zu Tag ändern. Wenn die Zählung vom April 1933 die Zahl von: über 22.000 Mitgliedemi des kongreßipolnischen Hechaluz (außer Galiziem) ergeben hat, so waren es im luni 33.000, am 15. Juli 41.000, im August 45.000 und heute dürfte die Zahl 50.000 weit überschritten sein. Die jüdische Jugend in Polen, befindet sicl^ in einer furchtbarem Klemme. Im Rücken haust' die Not, droht der Hunger und die Verzweiflung, vorne aber klafft der Abgrund: alle Tore verrammelt, alle Verdienstquellen verstopft, Palästina bleibt der einzige Ausweg. Sogar die Agxidah1-Jugend hat chaluzische Hachscharah'-Gruppen geschaffen1, und hofft Zertifikate zu erlangen1; Massen Jugendlicherl aus dem antizionistischen?v>Bumd" und1 den kommunistischen Organisationen strömen ins Lager der sozialistischen Chaliizorganisationen. Es ist eine grandiose Erscheinung, die ihren Höhepunkt in den Hachscharah-Kollektiven erreicht. Kein Städtchen, in dem nicht eine oder zwei Hachscharah'-Gruppen wären, die jede grobe Arbeit leisten: Holz hacken,: Steine klopfen, Wasser austragen und alle sonstigen Arbeiten. Arbeitszweige, zu denen' ein jüdischer Arbeiter! niemals zugelassen wurde, sind von den Hach'scharah'- Köllektivem „erobert" worden. Es ist ein Prozeß!, dessen soziale und psychologische Wirkung auf das jüdische Liebem von" ungeheurer Bedeutung ist. ■ Diese Bewegung hat auch auf die Jugend des bürgerlichem 'Zionismus seine Wirkung nicht verfehlt — sehr zum Lefdwesem der Allgemeinen. Sie sind wirklich macht zu beneiden, die Allgemeinem. Sie werden im ihrer Jugendpolitik seit Jahren vom einem ungeheuren Pech verfolgt. Kaum daß. eine Jugendorganisation, die sie großgezogen haben, flügge geworden ist, kaum daß sie ein gewisses Maß' von geistiger Selbständigkeit erreicht hat, verlassem sie das warme, weiche, aber anscheinend1 unbequeme Nest ihrer Zieheltern. Die meistern der heute linksorientierten' Jugendorganisationen sind in ihren Anfängen von den Allgemeinem protektiioniert worden. Ist das Zufall? Ist das etwa Böswilligkeit und schnöder Undank? Die Allgemeinen semeinen dieser Auffassung zu sein, 'denn sie lernten: nichts aus dem alten Erfahrungen, bauten nach altem, wiewohl nicht bewährten Muster weiter, bis — nun, bis die Revolte abermals ausbrach. „ Die Zerklüftung in der allgemein zionistischen! Jugend ist so weit gediehem, daß sie die organisatorische Einheit des Weltverbandes der Allgemeinen gefährdet" — klagt das Organ der Allgemeinen in Palästina. Ist auch' das „Zufall"? Und wenn schon, wie nennt man in der Sozialwissenschaft einen „Zufall",, derj sich1 immer wieder, mit der hartnäckigen Beharrlichkeit eines Naturgesetzes wiederholt? Die B-Gruppe der Aligemeinen hat sich in den letzten Jahren drei Jugendorganisationen ausgebaut: Die „Achwah" im Ostgalizien; „Akibä" — eine von Achad Haamismus und Buberiänismus durchtränkte, sehr starke Organisation, die offiziell als die Jugend der westgalizischen: 'Allgemeinen anerkannt

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