Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1933)
- Date
- 1933-10-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. |m.^-v O : o?** -• * 6ÖÖÖ". Infolge Einschreitens der Polizei kam eine Sinn h'eitliche Demonstration nicht zustande, sondern es marschierten einzelne Trupps durch verschiedene Stfäßenv die mimer nieder vort der Polizei aufgelöst würde«; Die Jaffa-Strälte war durch' berittene Polizei Polizei zu Fuß ttrid Militär abgeriegelt. Etwa 1000 Demonstranten, die durch1 das Neue Tor zogen,, wobei verschleierte Frauen; ihnen voranschrittem, wurden von' der Polizei auseinandergetrieben. Nur einem kleinen Teil Moslems unter Führung einiger Mitglieder der arabischen Exekutive gelang es, zum Regierungsgebäude zu kommen1. Die Regierung aber weigerte sich', die Mitglieder der Exekutive,, Führer einer verbotenen Kundgebung, zu empfangen. Die Polizei zerstreute schnell die vor dem Gebäude Versammelten!. Der greise Präsident der arabischen Exekutive Muza Kazim Pascha brach vor dem Regierungsgebäude ohnmächtig zusammen, konnte sich1 aber bald wieder erholen. Obwohl die jüdischen Einwohner sich durchaus frei in allem Teilen der Stadt bewegten, kam es an keiner Stelle zu ernsteren Zusammenstößen; an verschiedenen Stellen der Stadt kam es zu kleinen Plänkeleien, bei denen mehrere Personen geringfügige Verletzungen davontrugen. Aber nur bei wenigen dieser Plänkeleien waren Juden beteiligt. Sokolows Hohelied auf die jüdische Arbeit , Der Ehrenpräsident der Exekutive irti kdnzerthäüssÜafle1 — War de? KottgteÜ „giiti4' «Mtef ^schlecht*'? — , Was unterscheidet Palästina' von dcfri ahderen Län- , derii der1 Welt? — Der PHllbsopIii Bergson ürtd^der , jüdische Arbeiter*. — Wie wurde der Emek erlöst? — NacHrüf auf Ärlcisordff5 und'Aufruf für das Arlosöföff- Werk, Der Besuch Sokolows in Wien gestaltete sich zu einer großen zionistischen Manifestation im Großen Konzerthaussaal. Das grandiose Bild des bis auf das letzte* Plätzchen besetzten Saales bot einen grandiosen Rahmen für die schöne Rede des Ehrenpräsidenten der Zionistischen Exekutive. Nach den Eröffnungsworten des Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, Dr. Oskar Grünb'aum; ergriff Sbkolow; tinter rauschendem Betfall das1 Wort: und führte u. a: aus: Man sagt, der letzte Kongreß' wäre ein schlechter gewesen. Das stimmt keineswegs, ein Kongreß1 kann an und für sich weder schlecht, noch gut sein, denn das' läßt sich erst beurteilen nach den Taten, die ihm folgen. Die abgelaufene Kongreßperiode kann als „gute" bezeichnet werden. Aber die günstige Lage in Palästina ist vor allem uns selbst z u v e rd a n k e n: Was' heute Palästina von allen anderen Ländern der Welt unterscheidet, ist die übers trömende Lebensfreude, die rilch't einmal in Amerika in den besten Zeiten der Prosperiiy in diesem Ausmaß zu bemerken war. Ein G ef *ü h 1 des Glückes, beherrscht die Einwohner Palästinas, und daä ist es, was auf die Touristen den stärksten Eindrück macht. Ein weiteres Charakteristikum der Lage in Palästina ist: das Sei D'stvertrauen und das; Vert-rauCn in andrere, das außerhalb Palästinas sonst nirgends in der Welt zu bemerken ist. Das einzige, das diese Freude trübt, ist das Bewußtsein, daß verhältnismäßig wenig Juden dieses Glückes teilhaftig sind und. *rioch viele Millionen1 Judendarauf warten. Es ist eine'falsche Bezeichnung, wenn man von einer „Einwanderung" nach Palästina spricht, denn mit der Ansiedlung inj Palästina geht' eine vollständige Umstellung des jüdischen Menschen vor sich. Wir feiern viele Auferstehungen1 in Palästina, deren eine die hebräische Sprache ist. Das schwierigste Problem des Palästina-Aufb'aus ist die Schaffung eines ackerbautreibenden Menschenschlages, daher auch die Bevorzuguung des arbeitenden Elementes im Palästina-Aufbau. Die bevorzugte Stellung des Arbeiters im zionistischen Lande ist nicht infolge des Üeberhand: nehmens des einen oder anderen Flügels im Zionismus sondern, resultiert aus den Bedürfnissen des Palästinawerkes. Als ich vor Jahren den jüdisch-französischen Philosophen Henry Bergson für den Zionismus zu gewinnen versuchte und ihn auf die Universität und auf das im Werden begriffene geistige Zentrum in Palästina aufmerksam machte, erklärte er mir: „Um ein jüdischer Philosoph zu sein, muß man nicht in Palästina leben, Maimonides und Spinoza lebten auch nicht in Palästina, jüdischer Philosoph kann man überall sein, damit können Sie mich für Palästina nicht gewinnen; die größte Aufgabe Palästinas ist die Schaffung" eirtes jüdischen Arbeiter- und Bauerntypus, dehn das ist nur in Palästina möglich". Die Emanzipation, setzt Sokolow fort, hat uns geistige und wirtschaftliche Freiheit, jüdische A'erzte, Gelehrte und Philosophen gegeben, nur den jüdischen Bauern konnte sie uns' nicht geb'en. Da1 mit hoch obeü am Skop usber g eine Universität bestehen kann, muß unten im Emek eine ackerbautreibende jüdisch' e B e v ö 1 k e r u n' g w ur z e 1 n. Das größte Geschenk, das1' Palästina dem jüdischen Volk gegeben hat, ist der ackerbautreibende Jude in Palästina. Als ich nach der Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem einen Besuch im Emek machte, begegnete ich zu meinem größten Erstaunen dem Sßjährigen Prof. Gide, der größten europäischen Autorität auf Der jfidiscjie_Arbeiter. dem Gebiete des Ackerbäuwes!gns,| \He er auf einen Stock gestützt, zu Fuß den Emek durchwanderte. Ich fragte den greisem Gelehrten,, der zur Eröffnung der Universität gekommen war, riaeh seinen Eindrücken, worauf er rtiir erwiderte: „Ich sammle keine Eindrücke, ich lerne hier". So kam es, daß Prof. Gide, das Orakel der Ackerbauwissenschaft, in den Emek ging, um bei den jungen Autodidakten des Ackerbaues zu lernen. Der Emek ist heute der Stolz Palästinas,, aber die wenigsten wissen es, daß der Emek nur unter derro Druck einiger Chaluzim gekauft wurde. Das Kapitel, wie der Emek erlöst wurde, gehört mit goldenen Buchstaben in die Geschichte des Zionismus eingetragen, zu werden. Im Jahre 1923 wurde uns der Bodenkomplex des Emek angetragen. Die Zionistische Exekutive setzte eine Kommission von Fachgelehrten ein, die den Emek zu besichtigen und ihr Urteil abzugeben hatten. Noch bevor wir hinkamen, schon aus der Ferne, spürten wir die verpestete, todbringende Luft, und als wir dort waren, die Sümpfe und die Folgen der Malaria an den Körpern/ der wenigen Araber sahen, beschlossen wir einstimmig: wir kaufen nicht! Nach einigen Monaten, ich war dann) in Amerika, erfuhr ich: der Emek ist gekauft wordenI Auf meine Anfragen erhielt ich folgende Auskunft: Kurz) nach der einstimmigen Beschlußfassung, den Emek nicht zu kaufen, kam eine Gruppe von Chaluzim nach Palästina und ersuchten um Erdarbeit. Man antwortete ihnen, daß vorderhand kein Boden zur Verfügung stehe, worauf die j Chaluzim auf den Emek verwiesen, den man kaufen könne. iDas Zionistische Amt in Jerusalem erwiderte, der Emek Isoi für jede Besiedlung ungeeignet, er bringe den Tod. Die Chaluzim aber erklärten: „Das ist unsere Sa.chel Ihr habt den Emek zu kaufen, alles andere geht euch gar nichts an!" Unter dem Druck dieser Chalüzim \Vurde der Emek gekauft und heute ist er der Stolz Palästinas! Das brennendstes Problem in diesem Moment ist die Frage der jüdischen Emigranten aus Deutschland. Was soll mit diesen 70/)00' Menschen,geschehen? Sie fallen jetzt schon zur Las,t! Wohin sollen sie getien? In Frankreich!, wo* sie begeisterte Aufnahme fanden, fragt man jetzt' schon-: wie lange\ noch? In Holland, dem Lande der alten Judenfreundlichkeit, beginnt man stutzig zu werden, in England mehren sich Stimmen, die gegen die Emigranten sprechen. Die jüdische Emigrantenfrage ist ein' Weltprpblem geworden. Angesichts der Ereignisse in Deutschland) beuge ich mein' Haupt vor den Spaniern, die 1492" die Juden austrieben, jene waren zünliridest ehrlich1 und aufrichtig, was aber in Deutschland" vorgeht, ist eine Aiistre'ibxing, gleich' der spanischen, ohne aber den Mut zu'haben, das Austreibungsedikt zu unterschreiben: Die deutschen Juden sind' zu einem langsamen1 Töd' verurteilt, und das ist schlimmer, als die spanische Austreibung! Es1 glibt.f;ür d'i'e 70.000 Flüchtlinge keine andö re R'e'tturi'g als Palästina: . Man sagt, daß der Zionistenkongreß ein aufgeregter Kongreß . war. Natürlich|. Die: A u f r e g u n g. im jüdischen Leben,: hervorgerufen durch die Ereignisse in Deutschland und den unqualifizierbaren politischen Mord ah Arlosorpff trüg sich auch auf den Kongreß über. Den Schatten des Arlosoroff-Mordes lag auf dem Kongreß, Arlosoroff war ein großes Talent und ein großer Charakter (alle Anwesenden erheben sich). Er war unser Genosse, Auf dem polnischen Schiff „Polbnia", auf welchem auch das Mitglied der Exekutive der Jewish Agencyv Dr. Arthur Ruppin, nach Palästina fuhr, fand eine Pressekonferenz statt'. Bei dieser Konferenz referierte Dr. Ruppin über die nächsten Pläne, Aufgaben und Ziele der neuen; Exekutive; An erster Stelle, führte Dr. Ruppin aus, steht die Vorbereitung der Einwanderer für die Arbeit im Lande. Die Hachscharah-Arbeit wird nach drei Richtungen durchgeführt werden, erstens werden in Deutschland Arbeitslager geschaffen werden, wo die Chaluzim sich sechs Monate hindurch für ihren neuen Beruf vorbereiten werden. Die Kosten werden beiläufig 50 Mark monatlich betragen. Zweitens wird geplant, daß 2000 bis 3000 Einwanderer aus Deutschland ihre Berufsvorbereitung in Palästina selbst, durchmachen sollen; Sie werden hier ihre Lebenskostenj aus ihren Löhnen bestreiten. Als dritte Form ist die Einwanderung der mittelständischen Jugend vorgesehen. Es handelt sich da um jene jungen Menschen, die von ihren Eltern mit 1000 jPfund ausgestattet werden. Die restlichen Summen werden von denzionistischen Fonds zur Verfügung gestellt werden. Die Einwahderungsmöglichkeiten für diese Mittelstandsschichten sind sehr bedeutend. Im Läufe der ersten drei Quartale sind aus Deutschland meHi* als 700 Familien nach Palästina eingewandert, welche sich güt; in die palästinensische Wirtschaft eingegliedert haben. In Zukunft wird die Einwanderung planmäßiger gestaltet werden und1 wird auf der Grundlage einer sorgfältigen Menschehäuslese! vor sich gehen. , Neue Bodenkäufe werden in Negev und anderen Gegenden des sudlichen Palästina geplant. Von größter Wichtigkeit ist die iii der letzten Zeit festgestellte Tatsache, 20. Oktober 1933_ Kollege, Lehrer und Führer. Er war beliebt bei den Arabern, englischen Behörden und insbesöfidefe bei seinen Parteigenossen.. ßs wurde beschlossen, diesem Mann ein Denkmal zu setzen, durch ein: großes Kolonisationswerk, für das mindestens 100.000 Pfund Sterling aufgebracht werden müssen. Palästina hat den Anfang gemacht, und bisnun 16.000 Pfund Sterling gesammelt, Palästina setzt noch die Sammlung fort, aber auch wir müssen nun mit der Aktion beginnen. Ein großes Terrain in Palästina soll für dieses Kolonisationswerk gekauft werden. Ein Drittel des Arlosoroff- Fonds ist für den KKL. bestimmt, um den Boden zu kaufen, und zwei Drittel für den Keren Hajessod, der die deutschen Flüchtlinge dort ansiedeln wird. Wollen wir die Polemik lassen, die Streitaxt begraben und alle Kräfte auf dieses große Werk konzentrieren. Wir haben einen Ruf an die Welt erlassen, sie hat ihn auch gehört; Genf ist nicht Ende, ist Anfang. Die Juden frage ist ein Weltproblem, die 70.000 Flüchtlinge sind überall gegenwärtig, sie können nicht ad acta gelegt werden. Die zivilisierte Welt ist mit uns, nun müssen wir selber mit uns sein! Die arabische Hetze gegen die Einwanderung In Palästina gehen die Wogen der politischen Hetzer wieder hoch. Die in den letzten Monaten trotz der vielfachen gesetzlichen und administrativen Beschränkungen; andauernde stärkere Einwanderung von Juden ins Land hat die nationalistischen Elemente der Araber, voran ihren Jugendverband, aus der bisherigen verhältnismäßigen Ruhe gebracht. Diese haben jetzt, nachdem sie sich in den' letzten zwei Jahren vornehmlich wirtschaftlichen und kulturellen Aktionen, wenn auch mit ausgesprochen politischen Zielen, gewidmet hatten, den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit wiftder auf die Politik verlegt und einen Sturmangriff gegen die jüdische Einwanderung unternommen. Die Aktion becann mit scharfen Memoranden und mit einer unerhörten Haßkampagne in der Presse, und ist bereits bei Straßenkundeebungen und Streikproklamationen angelangt. Daß die extremen arabischen Kreise noch immer der nationalistischen Wahnidee nachhängen, in Palästina «inen nationalarabischen Einheitsstaat aufrichten zu können, daß sie es wagen können, die jüdische Einwanderung,; die die einstmalige Einöde erst in ein ertrag- und aufnahmefähiges Land verwandelte, als Gefahr für das Land hinzustellen, ist vorwiegend auf das Schuldkonto der Mandatarmacht zu schreiben. Die Vernachlässigung ihrer mitdem Palästinamandat übernommenen Pflicht der aktiven Förderung des jüdischen Nätiohaiheims und" ihre langjährige konsequente Bevorzugung des arabischen Bevölkerungsteiles, die falsche Einstellung zur jüdisch-arabischen' Frage und die „berühmten" Expertisen von Simpson und French haben den arabischen Hetzpolitikem nicht bloß den Mut, sondern auch die politischen Argumente für ihren Kampf gegen die Juden geliefert. Die Tolerierung der letzten Hetzkampagne durch die Regierung hat sie in diesem ihren Mut bestärkt, und nun die Lage einen, ernsten Charakter anzunehmen droht, ist es um so größere! Pflicht der Regierung, dieser Aktion gründlich und entdaß in vielen Gegenden, insbesondere im Emek, sich unter der obersten Wasserschichte eine noch viel reichere Wasserschichte befindet. Auf schwach bewässerten Bodenflächeri kann sich auf 100 Dunam eine Familie erhalten, auf gut bewässerten 20 Dunam Boden können fünf Familien angesiedelt werden. Die Perspektiven der Kolonisation sind also außerordentlich günstig. Als zweiter Faktor der Intensivierung der palästinensischen Landwirtschaft kommt die Erzeugung von Kunstdünger in Betracht. Dr. Chaim Weizmann wird in Rechoboth ein chemisches Laboratorium errichten und wird mit der Versuchsstation der Jewish Agency zusammenarbeiten. Es wird auch die' Erschließung neuer Industrien angestrebt, wie z. B. Orangeadeerzeugung, Aethersalben, Fruchtmarmeläden. Dr. Chaim Weizmann wird Anfang November nach Palästina übersiedeln. Dr. Ruppin wird mit Dr. Weizmann zusammenarbeiten und die Verbindung mit der Exekutive herstellen. Die Steigerung der Produktion ist eines der wichtigsten Ziele der Exekutive, Der bisherige Import nach Palästina erreicht gegenwärtig 7 Millionen Pfund' jährlich. Mindestens die Hälfte davon beziehen die Juden. Es werden die verschiedensten Versuche unternommen, die inländische Produktion zu vergrößern. Bis jetzt hat Palästina 'unter Kapitalarmut zu leiden gehabt, jetzt ist der Kapitale "mangel1 durch die letzten Kapitalimporte behoben. Schließlich erklärt Dr. Ruppin, daß sich Dr. Weizmann bemühen werde, die Arbeit für den Rettungsfonds für die deutschen Juden auf breite Grundlagen zu stellen 'und alle Hilfsfonds in Palästina zu konzentrieren. *Dr» Stwppiii ul»e* die a&ufagtaWi* tlei» neiseoi Sxeltutitiei