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Der Jüdische Arbeiter · 1933-10-11 · Heft 41 (11.10.1933) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 41 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V.b.b. DER Efcheint jeden freltag JÜDISCHE ARBEITER Organ der Vereinigte zionislisdi^sozialistisdien Rrlidttrorganlsation Poale Zion—HifadiOaffi in Oesterreidi Redaktion und Administration: Wien, I!, Slumauergasse t — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig S 12.—, halbjährig S 6.- 11. Okiober 1933 Nr. 41. 10. Jahrgang. Milal Arlosoroff — das Schibolet des Zionismus Der 18. Zfonlstenkongireßi hat in' der zionistischen Oeffentücnkeit eine Diskussion hervorgerufen, in der die Meinungen .über seinem Wert und Unwert ausgetauscht (wurden. Taktische Probleme wurden von lallen Kritikern! in den Vordergrund gestellt, die Politik der einzelnen Fraktionen des Kongresses bildete fast den! ausschließlichen Gegenständ der verschieb deutlichen c'Kongreßibilanzen", ipb diese nun mit einem positiven oder negativen Ergebnis abschlössen! Es ist nur seibstverständlieh1, dasßi angesichts dieser einseitig politischen Einstellung der zionistischen. Oeffentlichkeit — politisch im Sinne der ,,Machtp!olitik'' verstanden — jene Beschlüsse des 18. Zionistenkon- Igresses ini den Hintergrund' getreten' sind, die in iWahrheit und ohnle Uebertreibung als erlösende Parolen) der zionistischen Volksvertretung bezeichnet werden müssen. Für jene Teile der zionistischen Bewegung, die von vorneherein gewillt sind, sich für 'die nächsten! zwei Jahre als gehässige Kritiker der vom Kongreß gewählten Leitung zu installieren, und derselben alle nur mögliehen Hindernisse in den! (Weg zu stellen, um die Unfähigkeit, ja Unmöglichkeit eines linken Regimes innerhalb' des Zionismus! üni der Zeit des sieghaften, Faschismus zu „beweisen" — für ste bedeutet die Vernachlässigung der positiven Arbeit des Zionistenkongresses eine planmäßige 'Schlußfolgerung, aus "den veränderten Machtverhältmlüssen in der" zionistischen'^ bür- Igerlichen Zionisten freut nämlich der ganze Zionismus nicht, seit der jüdischen Arbeiterschaft dank ihrer Leistung Jni Palästina und des 'ungeheuren, ^Wachstum ihrer Anhängerzähl im Gal'uth eine führende Rolle im Zionismus zugefallen ist. Und so Sbestehftl:. -enm die große Gefahr, daßi die zionistische: Oeffentlichkeit sich nicht auf die Notwendigkeit besinnt nunmehr an die Verwirklichung der Aufbäu- •parolen des Kongresses heranzutreten: und weiter den Weg der unfruchtbaren Auseinandersetzung geht. Im Gegensatz zu den zionistischen Parteien hat die zionistische Exekutive erkannt, daß! es nunmehr Zeit ist, der „Generaldebatte" über dem Kongreß, ein Ende zu machen und an die Stelle des Wortes die Tat zu setzen. Die Aufrollung der Judenfragq vor dem Völkerbund; die Bemühungen um die Aufnahme einer Völkerbundanleihe für die Finanzierung des jüdischen) Aufbauwerkes in Palästina — 'diese tatfrohe Initiative der zionistischen Exekutive beweist, daß die Männer unseres Vertrauens gewillt sind, die ihnen im schwersten Augenblick der modernen jüdischen Geschichte auferlegte Verpflichtung zu erfüllen und die jüdische Not, die so furchtbare Formen angenommen hat, durch die Verwirklichung des zionistischen Ideals zu lindiern. Die Schaffung der politischem Bedingungen in Genf für die beschleunigte Aufbauarbeit in Palästina, die quantitativ der Größe der jüdischen Massennot in Deutschland und den anderen Gastländern entsprechen! soll, bildet nur die eine Seite unserer Aufgabe in diesem Augenblick: der Schwerpunkt der zionistischen Arbeit muß! in der Aufbringung jener Mittel liegen, die notwendig sind, um -die jüdische Kolonisation wieder um einen großen Schritt nach vorwärts zu bringen. Die zionistische Exekutive hat einen Aufruf erlassen, in dem1 sie die gesamte IJudensehaft zur Setzung einer aufbauenden Tat auffordert. Der Zionistenkongreß hat .als die zentrale Aufgabe des Zionismus der Gegenwart die Schaffung eines Kobnüsationswerkes [proklamiert, {das würdig ist, dem Siedlungswerk im Emek an die Seite gestellt zu werden und das den Namen Chaim Arlosoroffs tragen soll. Ueber die Notwendigkeit, die jüdische Lebensbasis in Palästina zu vergrößern, um den verfolgten Juden Deutschlands eine neue Existenzmöglichkeit zu Schaffen, ist hoffentlich kein Wort zu verlieren: selbst jene Schichten des deutschten Judentums, denen die Assimilation nicht nur ein: heiliges politisches Bekenntnis war, denen vielmehr in Wahrheit jede natürliche Verbundenheit mit dem Judentum verloren gegangen war, sehen in der zionistischen Lösung ihrer Lebensfragen den einzigen Ausweg vor sicherem physischen und seelischen Niedergang. Niemals noch' Der Palästinaauf bau vor dem Forum des Völkerbundes Die Völkerbumdiversammlurig hat den Bericht der Mandatskommission über das Palästlnamandat angenört. Der Refierent Lange (Schweden) hat auf die günstige Wirtschaftslage in Palästina hingewiesen. Er hat die Einwanderungsmöglichkeiten in Palästina betont. Schließlich hat er der Jewisih Agericy und der Mäindatarmacht zu dem Aufbauwerk in Palästina gratuliert. In der Diskussion hat der Vertreter Frankreichs die Forderang nach Ansiedlung der deutschen Juden in Palästina als berechtigt anerkannt, jedoch auf. die Schwierigkeiten' einer Masseneinwanderung hingewiesen. Palästina sei ein kleines Land und der Konzentrationspuinikt dreier Religionen. Gegen die Hitler-Barbarei Der politische Ausschuß 'der Völkerbimclversammlung nahm am 10. d. die vom Unterausschuß ausgearbeiteten- Resolutionen über die Minderheitenfragen an. Die erste wiederholt die Empfehlung der Völkerbundversammlung vom Jahre 1922, daß die Staaten, die gegenüber dem Völkerbund nicht durch Minderheitenscliutzverträge gebunden sind, ihren Minderheiten die gleiche Behandlung angedeihen lassen mögen, wie die vertraglich gebundenen Staaten. Die 2. Resolution erklärt, daß die Grandsätze der 1. Entschließung ausnahmslos auf alle Staatsangehörigen angewendet werden müssen, die sich von der Mehrheit durch Rasse* Sprache und Religion unterscheiden. In der dritten wird der Generalsekretär aufgefordert, dem Völkerbundrat die Protokolle über die Minderheitendiskussionen im politischen Ausschuß zu überweisen. Die erste und dritte Resolution wurde einstimmig, die zweite gegen die Stimme Deutschlands; angenommen. Der - deutsche Vertreter, Gesandter v. Keller, gab' die Erklärung ab, daß die deutsche Delegation dieser Resolution ihre Zustimmung versagen müsse, da mit ihr bezweckt werde, die Behandlung der Juden in Deutschland in dem Anwendungsbereich der ersten Resolution einzubeziehen. Von deutscher Seite wird, darauf hingewiesen, daß zur Annahme in der Vollversammlung Einstimmigkeit erforderlich sei. Keine Autonomie für Biro-Bidschan Das Präsidium dies zentralen Exekutivkomitees hat den Antrag des Komzet, die jüdische Siedlung in Biro-Bidschan zu einem autonomen Rayon zu erheben, dem allrussischen Vollzugskomitee zum Studium überwiesen, was. einem Begräbnis erster Klasse gleichkommt. seit den Tagen, da Thebdor Herzls Botschaft an das jüdische Volk erging, .wurde diese von der Wirklichkeit des jüdischen! Lebens so bestätigt, wie heute: der Zionismus hat auch für uns Westjuden aufgehört, eine ausschließlich aufs Geistige gerichtete Bewegung zu sein, er ist für das Gesamte Judentum eine nationale und sozialpolitische Notwendigkeit. Das Aufbauwerk, zu - dem wir aufgerufen sind,, wird die praktische Synthese der sozialen und nationalen Erlösung der von ijjm erfaßten jüdischen Massen bedeuten, es stellt ein Stück unmittelbarer Verwirklichung des Zionismus dar. Darüber "hinaus hat das Mifal Arlosoroff die größte innerzionistigche Bedeutung! Auch wenn man die Differenzierung des Zionismus bejaht, auch wenn man dein Antagonismus zwischen der zionistisch-sozialistischen Bewegung und dem bürgerlichen Zionismus als eine notwendige Folge der klassenmäßigen .Differenzierung des jüdischen Volkes betrachtet, auch dann wird man feststellen müssen, daß die Zerklüftung in unseren Reihen einen Grad erreicht hat, der die notwendige Einheit der zionistischen Organisation zu sprengen droht. Sammlung aller [auf bau willigen Gruppen zur positiven Tat ist h'eute das wichtigste Erfordernis;der inn erzionisti" schein Situation, sie und nur sie allein) kann die furch'tbare Gefahr bannen1, daß 'das einzige (polit'ische Instrument der Weltijiuidenh'elt, die zionistische Bewe- Der Kommissär für die deutschen Hüchtlihge Der zweite Ausschuß der Völkerbundversammlung hat heute den von dem Unterausschuß vorbereiteten Entschließungsentwurf über die Flüchtlingsfrage bei Stimmenthaltung Deutschlands angenommen. Der Entschließungsentwurf sieht vor, daß der Völkerbundrat den Hohen Kommissär sowie einen Verwaltungsrat bestellen soll, die als völlig autonome Organe arbeiten sollen. Der Kommissärwird nur dem Verwaltungsrat verantwortlich sein. Während der ursprüngliche Entwurf vorsah, daß im Verwaltungsrat lediglich die ander Unterbringung der Flüchtlinge interessierten Staaten vertreten sein sollen, wurde im Verlauf der heutigen! Aussprache auf Vorschlag Hollands noch eingefügt, daß auch Vertreter privater Organisationen, die sich an der Geldhilfe .beteiligen, in den Verwaltungsrat gewählt werden können. Zwei- bis dreitausend neue Zertifikate? Wien. In einer Montag, den 9. d. M. stattgefundenen Versammlung, in der der Leiter des Einwanderunigsdepartemients der zionistischen Exekutive in Jerusalem, Jizchak Grünbaum über die Einwäriderungspolitik der neuen Exekutive-sprach, erklärte, der 'Redner, es sei wahrscheinlich1, Saß; die Palästina-Regierung der Exekutive 2000—3000 neue Zertifikate als Vorschuß auf die bevorstehende Quote erteilen werde. Jüdisches VolksheJm, Wien II., Blumauergasse 1. Eröffmung des Wintersemesters 1933/34 Samstag, den 14. Oktober 1933, 8 Uhr abends: #örl»raemt und verbannt In memoriam der jüdischen Dichter Deutschlands. Feuchtwaaiger — Wassermann — Kraus — u. a. Es spricht: Der Dichter RUDOLF BRUMNGRABER (Verfasser des Romanes „Karl und das 20. Jahrhundert"). Rezitation: Dr. Benno Wünsch, Lektor der Universität Prag. gumg in sic h se 1 b'st z usäm men f ä 111. Diese im wahrsten Sinne des Wortes historische Funktion/ kommt heute dem Mifal Arlosoroff zu, an der Stellung ziu 'dieser Aufgabe der zionistischen Bewegung werdet ihr dem wahren Charakter einer jeden zionis^ tischen Fraktion und eines jeden Zionisten erkennen. Das Arlosoroffwerk wird das Schiboleth des Zionismus werden, das die Geister scheiden wird! Wer dem Ruf der zionistischen Exekutive die Gefolgschaft versagen wird, kann nicht mehr den Anspruch 'erheben, als gleichberechtigtes Glied der zionistischen Bewegung anerkannt zu werden. Die Revisionisten und der Misrachi, die der Aufbauparole der Exekutive die Gefolgschaft versagen, haben1 das Recht verwirkt, als zionistische. Gruppen betrachtet zu werden, und wir hoffen, daß die zionistische Instanzen die äußersten Konsequenzen aus dieser Verweigerung der Mitarbeit ziehen werden. Allen jenen Gruppen aber, die das Recht der Leitung auf Führung der zionistischen Bewegung anerkennen uns, die wir uns nach1 den vielmonatigen Kämpfen gegen die inneren Feinde nach einer Arbeit Im Dienste des konstruktiven Zionismus sehnen, obliegt es nu'n„ jenen Ausfall an Kräften zu ersetzen und zu überkompensieren. Wir alle, jeder einzelne von uns, wird) sich inden nächsten Monaten in den Dienst des Arlosoroffwerktes stellen, im Bewußtsein, mitzuwirken an einer Tat, die einen neuen Aufstieg für» das jüdische Volk bringen wird.

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