Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Der jfidische Arb eiter. 4. Oktober 1933 Auf «fem Kongresse aber und um den Kongreß herum hat Jäbotinsky und seine Jünger genügend Radau gemacht und ich weiß absolut nicht, worin Dr. Zweig eine Bessefungstendenz erblickt. 1 Wichtiger ist aber, daß die Revisionisten nach dem Kongreß ihre Sabotage gegen die Zionistische Weltorganisation und den Palästinaaufbau ungehemmt fortsetzen. Heißt das, „sich den Mehrheitsbeschlüssen des Kongresses beugen"? Nun meint Dr. Zweig, wenn die Revisionisten „in ihre Zuchtlosigkeit rückverfallen", werden sie sich zu verantworten haben. Gewiß. Nur befürchte ich sehr, daß dann Dr. Zweig wieder über den „Uebermut der Mehrheit" und den „Fraktionsgeist" wettern wird. Woher ich das weiß? Weil alle unsere Forderungen auf dem XVIH. Kongreß nichts anderes beinhalten, als eine Bekundung unserer energischen Auflehnung gegen dite £uchtlosigkeit und die Tollhausstreiche der Revisionisten und. darin erblickt Dr. Zweig „ein Abgleiten zu egoistischer Frakttonstaktik". Ich hoffe, daß die Exekutive trotzdem die Revisionisten wegen ihrer Sabotageakte zur Verantwortung ziehlen wird, sutrcter Kreditbedürfras befriedigt werden müß, diesem Kreditbetiürfnas auch' Genüge getan werden kann. Dies gilt insbesondere für die kleinen und kleinsten! Gemeinden!, wo die katastrophale Entwicklung der letzten Monate vielfach1 wirtschaftlich1 gut fundierte Unternehmungen Sj» Schwierigkeiten gebracht hat, wo abler .demmochi eine gesunde wirtschaftliche Substanz vorhanden! ist, "die erhalten zu werden verdiengt. Seit Jahrem bemühen1 sich1 die jüdischen zentralen' Instanzen, jüdische Darlehenskassen überall dort zü errichtenv Wo sie notwendig sind, die kleinen un'dt Kleinstgemeinden aber zu Bezirksdarleh'nsk'assen' zusammenzufassen:, weil die wirtschaftlichen Kräfte der, kleinen Gemeinden für eigene Kreditunternieh'mtingeni niich't tragtfähig genug sind. Die Erfolge, die bisher) erzieltwerden! konnten, sirid groß', aber immerhin noch; viel zii ^ler^ng den gegenwärtigen: Bedürfnissen! gegenüber. Die Widerstände, die die maßgebiichfeni aber mit ^welchem Rechfte behauptet^ Dr. Zweig, daß die jüdischen Gremien und Persönlichkeiten dem Ausbau' D~' ~ *"~ ' """ L"ri vdes^jüdischen: Darlehmskassein Wesens entgegen b'rin'gien! sind zumeist n'ur ein Ausdruck für die allgemeine; Lethargie, im der sich Leiitunlgen der jüdischen Ge imeindelni oft befinden. Was vor einigen Jahreni noch' orte größte Schwierigkeiten möglich1 gewesen wäre, niämlich1 .die Errichtung eines weit verzweigten' undi gut ausgebauten -Netzes jüdischer Darlehnskassen, Wird heute sunfter :erhebiich' schwierigem Verhältnissen! unter allen Umständen unld' trotz aller Widerstände imach'geholt werden müssen. , Die Erfahrunigen! der letzten Jahre, die auf diesem Gebiete vom der „Zentralstelle für jüdische Darlehnss kjassen gemacht werden1 konnten, lehren, daß: dem deutschten) Juden1 der 'Gedanke der Selbsthilfe, der Solidarität, erst nahegebracht werden1 muß. Erst werim man iüiberall erfassen: wird, daßf die wirtschaftliche; Hilfe für andere l'etztem Endes auch1, eine wirtschaftliche Hilfe für sich selbst un(d für di'e Gemeinde ist, wird die Idee eimer gut ausgebautem Kredith'ilfe viel tiefere Wurzeln! schiagem, als es heute der Fall ist. Der genossenschaftliche Zusammenschluß, des deut-. schieni Judenitums, die Gründung genossenschaftlicher Kreditinstrumemte, die, auf lange Sich't gesehen, am tragifähigstem und geeignetsten tirid lun'd sein1 werden, eime wksanre Kredithilfe darzustellen1, äst eine schwierige l&zieftvm^ Jahre. Uieber ganiz Deutschland vierteii't, existieren heute! etwa 35. D^lehbskassfen!' -m^t ieinetn, Kapital1 von ungefähr leinler dreiviertel Million: Mark. Die meisten von ihinien konnten: |im Laufe der letzten zwei Jahre durch' die Kreditmittel, die der „Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen" von der „Amiericam Joint Reconstructiqm Foundation" zur Verfügung gestellt wurdet, emtwedier, in ihrem Betriebe erweitert oder iiberbJaupt imeu aufgebaut werden1. Es hat sich1 dabei gezeigt, diaßi immer dort, Wo einsichtige Persönlichkeiten; für' diese Aufgaben! g1ewon!ne|n, werden: konnten, ein;e| rasch'e und gute Emtt^pkl'ung der jüdischen Darlehnss kassem zu verzeichnen war. In einigen Gebietern sind auch1 wach vielem Vorbereitungen und nach Üeberwtnr iduinig mannigfaeher Schlwlierigkbit'en Bezirksd'arlehns'i kassem gegründet worden, die nunmehr in "der Lage sind, auch1 das Kreditbedürfnis der jüdischen Kleinstgemeimdem ieiuigermaߣ!nzu IMriedlilgeni, so zum Beispiel m Obersch'lesiem,: in der Grenzmark PosemiWiestp'reu'ßiem, im Schlesfwiig^Holstein, im Rheinland, im Baden, und1 Württemberg,!Es wird das Ziel der „Zentralstelle für jüdische- Darliehniskassen" sein müssen, im Laufe des kommenden! Jahres ein Netz von B,e4rksdarlehnskasseu ü(bler ga;mz Deutschland so weit Wi^-irgend möglich zu zieheni. Dies ist durch die großzügige Förderung, die die „Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen" durch die „Americam Joint Reconstnuetipfl Foundation" (erfahren! hat, bei Einsicht und guteim Willem der beteiligteim Gemeinden durchaus1 möglich. Es steh'-en den einzelnen Gemein'den* Kredit-Beträge in nicht unbeträchtlichem Umfange zur Errichtung von Darlehenskassen zur Verfügung. (Fortsetzung folgt.)' Revisionisten im Unterschiede zur Arbeiterschaft „sich vom Standpunkte des nationalen Gesamtinteresses" gut verhalten haben? Ist das nichtt Blindheit gegenüber dem Treiben der Revisionisten? Ist das nicht völliges Unverständnis für die Intentionen der Taktik der Arbeitervertreter? 1 Zur Frage 3. Dr. Zweig ist in seiner Einstellung zur Demokratie Formalist und djeser Formalismus verleitete beispielsweise die demokratischem' Parteien des Deutschen Reiches, Hitler alle demokratischen Freiheiten zu gewähren: obwohl er offen bekundete, daß er die Demokratie vernichten will. Das ist meiner Ansicht nach absurd. Vor dieser Absurdität haben wir uns auch zu hüten,. Gerade, weil uns die Demokratie viel bedeutet, müssen wir sie auch vor jedem Mißbrauch schützen. Nun noch ein Wort zur. Charakterisierung der unfreundlichen .Einstellung des Dr. Zweig zur Arbeiterschaft. Er regt sich darüber auf, daß sich unsere Genossen beim Ueberfall der Revisionisten auf die Remes-Versammlung gewehrt haben, er findet es nicht in Ordnung, daß die jüdischen Arbeiter in Palästina die Provokationen der Jünger des Achi-Meir gebührend beantworten. Was ist das für ein Geist der Nation wider Fraktion, der die Vorgänge derart entstellt, als ob wir die Revisionisten in eine Versammlung gelockt hätten, um sie zu verprügeln. Möge Dr. Zweig zur Kenntnis nehmen, daß die revisionistischen Helden zur Versammlung mit der Absicht gekommen sind, sie zu sprengen. Als ihnen das mißlungen war, da sie hinausgeworfen wurden, haben sie die Polizei auf uns gehetzt mit den verleumderischen Rufen, daß die Liga für. das arbeitende Palästina unter dem Vorsitz von Dr. Goldhammer eine kommunistische Versammlung abhalte. Sie gaben sich auch damit noch nicht zufrieden und einer dieser Helden ging zur Polizei, sagte dort gegen einen Genossen, der bewußter Gegraer des -Kommunismus ist, aus, daß er „Hoch Moskau" gerufen hat, und der Genosse wurde zu 6 'w'oehen "Arrest verurteilt. Von den Provokationen der Revisionisten in Palästina muß ich wohl jetzt, nach Bekanntwerden der Taten der „Birgoraim", nicht viel reden. "Wenn Freund Dr. Zweig beschlossen hat, die „jahrelange Reserve als Parteibeamter" aufzugeben, sollte er es doch zur Abwehr der Provokationen und Terrorakte der Revisionisten tun, die ungeheure Gefahren für den Zionismus und Palästina heraufbeschworen haben. Es ist sonderbar, wenn er angesichts der furchtbaren Verbrechen der Banden iim Achi-Meir (den übrigens Jabotinsky von der Kongreßtribüne hochleben ließ) das Verhalten der Arbeiterschaft als die größte Gefahr bezeichnet. Mendel Singer. :I (Schluß folgt.) Au/h \au und Ausbau des jüdischen Darlehnskassenwesen in Deutschland i. Anläßlich der Gründung der jüdischen Darlehenskassen in Wien, sind die folgenden Ausführungen für uns von größter Bedeutung. Ein; halbes Jahr Arbeit der Zentralstelle für jü'discbJe Wirtschaftshilfe, befaßt mit mit 'den1 Aufgaben! •produktiver lunid konstruktiver wirtschäftlicher Hilfst maßnahmen für das deutsche Judentum, hat gezeigt, 'daß 'das Fundament dieser Arbeit die Existenz nnd der Ausbau einer wirksamen: jüdischen Kredithilfe für den schwer um seine Existenz ringenden jüdischen: Mittelstand ist; aber auch für alle je(ne akademischen1. Iu!n!d anderen Mrtsöhaftlichen Existenzen, die nach einer tnieuen Lebensb'asis und einem 'neuen Lebensraum suchen müssen. Die verschiedenen! .wirtschaftlichen» Hilfsstellen im Reiche, die im Laufe der Entwicklung) der letzten 'Mpniate gegründet worden sind, müssen in ihrer Arbeit scheitern oder zum mindesten Hoffnungen erwecken1, die zu befriedigein1 sie |nicht in der Lage sind, wenn es macht gelingt, das jüdische Darleih'nskassenVesenj ^n; aller rjürze'so weit ausz:ub}a'u.öni, dafci ümmer dortA wo für wirtschaftlich traglfähigej Existenzen1 ein ge- Briefkasten Misrachi. Es ist unter unserer Würde und unter unserem Niveau, uns mit diesem .niedrigen Angriff auseinanderzusetzen,. Er bestätigt nur unsere alte Ansicht, daß dem jüdischen KlerifaUsmus jedes Mjttel gut. ist, um zum Ziele zu gelangen. Selbstverständlich wurde unser Artikel „Jüdische Inquisition" nicht von Mendel Singer verfaßt. Ein Abend jüdischer Musik Ähl Samstag, de^n 7. Oktober, findet um 8 Uhr im* Hotel Post, Fleischmarkt, ein Konzert I. Segals-Rosenbäch unter Mitwirkung des Violin-Virtuosen Jösef Zimbler statt! Herr Rosenbach singt Arbeiterlieder von Aüsky, Reisen #osetrfeld, ferner Lieder von. Biatik, Schneur und Tsthemichovsky und jiddische und hebräische Volkslieder. X Segal* Rbsenbach ist uns als Künstler von Rang bekannt und empfehlen wir den Genossen den Besuch' seines Konzertes aufs wärmste» Amtliche Verlautbarungen der Israel Kultusffexneinde Vitien Ueberlassung von Grabsteinen. Es wird zur Kenntnis gebracht, daß nach den religionsgesetzlichen Bestimmungen der Austausch von "bestehenden Grab- und Gruftdenk'mälern nur dann bewilligt werden "kann, wenn die alten Grabsteine der Kultusgemeinde für Grabstätten von armen Personen zur Verfügung gestellt werden. Maskit-Andachten am Schemini-Azereth-Feste. Zur Vermeidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur „Haskar'ah" veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien am diesjährigen Schemini-Azereth-Feste, Donnerstag, den 12. Oktober, um 8 Uhr firüh, im Stadttempel, I., Seitemstetteragasse 4, und im Leopokiistäditer Tempel, II., Tempelgasse" 5, sowie um 9 Uhr vormittags im Festsaale des Hotel „Post", I., Fleischmarkt 24 (Eingang: Drachengasse) anläßlich der Maskir-Andachten feierliche Gottesdienste. Jizchak Grünbaum in Wien. S e j mdep uti eir te r Jizchak Grünbaum, der am Prager Kongreß in die zionistische Exekutive gewählt und zum Chef des Einwanderungsamtes in Jerusalem bestimmt wurde, wird am 9. Oktober, halb 9 Uhr, im Hotel Bayrisch,.er Hof, II., Taborstraße 39, einen Vortrag votier „Die Einwanderung nach Palästina" halten. Anschließend referiert Dj. Israel Waldmann über „Nach dem 18. Zionistenkongre ß". Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Am 1. bezw. 2. Tage des diesjährigen Sukkoth-(Laubhütten)Festes werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen beim Hauptgottesdienste Predigten abgehalten, und zwar: Donnerstag, den 5. Oktober f933 (1. Festtag): I. , Seitenistettengasse 4: Obeirrabbiner Dr. D. Feucht-' wang; .; .,....,...'..,.. ...... II. , Tempelgasse 5: Oberrabbiner Dr. I. Taglicht; V. , Sieberobfunnengasse 1 a: Rabbiner Dr. M. G. Mehrer; VI. , Schmälzhofgasise 3: Rabbjnier Dr. J. Drobinsky; VIII. , Neudeggergasse 12: Rabbiner Dr. M. Bauer; X.,' 'Humboldtgasse 27: Rabbiner' Prof. Dr. Ä. Weiner; XIII., Eitelbergergasse 22: Rabbiner Dr. M. Lewin; XV. , Turnergasse 22: vertretungsweise Räbbinatskandidat Dr. Josef Babad; XVI. , Hubergasse 8: Rabbiner Dr. M. J. Bach; XVIII., Schopenhäuerstraße 39: Rabbiner Ör. A. Z. Schwarz. ' XX., Kluckygasise 11: Rabbiner Dr. B. Murnelstein; XXI., Holzmeistergasse 12: Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Freitag, den 6. Oktober 1933 (2, Festtag): II., Pazmanitengasse 6: Rabbiner Dr. Z. Taubes. Am Vorabend dies Sukk9th-(Laubhütten-)Festes Mittwoch, den 4. Oktober 1933, Beginn des Gottesdienstes 5 Uhr 10 Minuten: IIL, Untere Viaduktgasse 13: Rabbiner Dr. K. Kupfer; IX. , Müllnergasse 21; Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Aus dem Jahresberichte 1932: Versicherungsbestand S 2.728,000.000'- Prämien- und Zinsen- Einnahmen Garantiemittel Auszahlungen an die Versicherten 179,000.000-- 527,000.060-- bO ,000.000'— Tätigkeitsgebiet; Oesterreich, Ueutsches Kelch, rscbecftosloYalilttche KepubliH, Betslen. HoUand, FranUrelcri, äpao(eri, Italien. FUrstewtmp Wecl>t«astein,1 Ungarn, Polen. Jugoslavien, Buijarien, Griechenland, Kumdiiien, PalSgüna. Syrien. Türkei. Tunis und Äetypten Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Jonas Jungermann, Maschinenbauer, Wien, XX, Meldemannstc. 19. — Druck: „Adria", Wie», II, Taborstr. $3 b,