Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2641551-2641667-2641704--822-2642860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Vb.b. Q£ß JÜDISCHE I Erscheint jeden Freitag Organ dw Verpigteg ziopistisfrsozialistisdira HrMtfWM Ziqii — Hifadhdufli in OesMA Redaktion und Administration: Wien, Ii/8tiumaUßrgae8e 1 — Pastscheckkonto Nr. 17.878 Bazugspreis: ganzjälirig S 12.—, halbjährig 8 6.- 10. Jahrgang. 4. Oktober 1933 I*r. 40. Auf sich selbst gestellt! Die jüdischie Not, die unsägliche Katastrophe des 'deutschten1 Judentums bildet den Gegenstand der Verhandlungen dies Völkerbundes. Im Plenum und in' 'Kommissionen, in unmittelbarem' Besprechungen zwischen den Vertretern der Mächte und den Führern der' organisierten Judenheit, wird die Wirkung der herostratischeni Untaten des deutschen Regierungssystems [analysiert, der Weg wird gesucht, der das heimlose, um Besitz;und Lebensrechte gebrachte) Judentum einer besseren Zukunft entgegenfahren soll. Wir wollem diesen! sicher sehr gut -gemeinten Bestrebunigen Unserer Führer und der nichtjüdischen; Menschenfreunde keineswegs Unrecht tun, ja wir (gestehen1, daß jedes warme Wort, das die letzteren! im Zusammenhang mit unserem nationalen Unglück sprachen!, von uns gierig aufgenommen; wurde — denn wir wollen ja nicht gan'z unseren so erschütterten Glauben an das Gute in der Menschheit verlieren! Dies alles kann: uns nicht hindern, festzustellen, der bisherige Verlauf der Bemühunigen! in Genf, dem' 'bedrängten1 Judentum Hilfe zu bringen', keineswegs) Anlaß zu hochgespannten Erwartungen Und Hoffnungen gibt. Wenn1 wir. die verschiedenen' Reden und1 Resolutiön'santräge, die das jüdische Problem im Rahmen dler yplkerbundverhandlüngen zum Gegenstand haben', jbetrachten', so können wir bei" aller: Anerkennung der fluten; Gesinnung der ' Redner und .Antragsteller!;ein'es sagenieder'ein'm'al h'ät der sta'ats■ m'änn'isch'e öeist die Stimm e'der Mensch- 1 i dhjkei'f überiön t Gegen; eine Gruppe von Menschen, die nichts verbrochen h'ab'en',' als daß "sie eine! fcftmintei ^eistigHpsychische Struktur aufweisen\ rast leinte. Bestialität," die die Untaten eines'. Dschingiskän als Kinderspiele ^scheinenläßt, und angesichts dieses Zusammenbrüch'es "der' Kultur im Zentrum Eurojms glauben! die Vertreter der Mächte betonen zu müssen; daß: sie sich1 in die deutschen' Verhältnisse nicht hineinmischen!' wollen: -^ir wfollen nicht ungerecht sein. lEs liegt nicht daran!, daß es jüdische Opfer sind1, fwfenin die Stimme des 'Völkerbundes nichf einem Orkan; der Empörung, gleichkormnt, sondern kühl' fand Pachtern! die Interessen 'der von der Invasion' 'der deutsch^jüdischejnl iFlüch'tlinge '(bedrohten ' Nachbarstaaten! zu schützen, versucht. Ein wirklich ernst gereimtes Eintreten für alle Opfer des deutschen' Faschismus kann einzig und allein die Forderung des unerbittlichen,' Kampfes gegen den deutschen Faschismus bedeuten1. Ist aber das "faschistische Regierulnigssystem nicht schließlich ein Resefvepfeil im :Köcher aller im Genf vertretenen kapitalistischen Staaten? Es ist das ureigenste Interesse aller bürgerlichen: Mitgliedstaateni des Völkerbundes, däßi der deutsche Faschismus Wicht verastlich' erschüttert werde — denn sie wissen, daß auf die faschistische Diktatur! nur, der Sozialismus folgern kann. Welche Utopie also, von! dieser bürgerlichen Institution des Völkerbündes dem Kampf;um die Wiederherstell'unig, des deutschen! Rechtsstaates, die gleichbedeutend mit dem Sturz! des Faschismus ist, zu erwarten! Trotz aller bochfliegeniden Pläne ist schließlich' :aus dem Völkerbund eine charjtative Institution geworden. Und gerade als solche hat sich der Völkerbund in: einem Falle bewährt der den Nöten des deutschen' Judentums nahekommt. Als sich nach dem Siege Kemal Paschas iüb'er Griechenland die Notwendigkeit der Ueberfüh'rung der Griechen Kleinasiens nach ihrem Mutterland ergab, da war es der Völkerbund, lumter dessen Aegide diese wahre moderne Völkerwanderung finanziert wurde und auch das große ininenkobnisatorisch'e Werk der Ansiedlung im Griechenland wäre ohne die großzügige intermationale Aktion kaum möglich' geworden. Es ist ein Zeichen der historischen" Bewährung des Zionismus, daß ,alle Staatsmänner, die zur jüdischen' Frage das Wort ergriffen haben', den Zusammenhang 'zwischen! Linderung der Judennot (und der jüdischem Aufbauarbeit in Palästina ins Zentrum ihrer. Emunziationen gestellt haben. In der Hoffnung, daß die maßgebendem Iristanzen des Völkerbundes die Wesemsgleichheit zwischen der Rettungsaktion für die. Griechen und Juden erkennen werden1, hat die'zioni- Die Judenfrage vo$ derri Völkerbund Die Führer der jüdischen Bewegung, die zu der diesjährigen Tagung der Vötkerbundiversammlung in, besonders großer Zahl in Genf eingelangt sind, entfalten eine sehr rege Tätigkeit. : Die zionistische Organisation und die Agency ist vertreten durch Dr. Jacobsohn, Professor Brodezky, und Abg. Grünbaum. Schließlich wird auch Ben Gurion einige Tage in dt >yvwirjr -."'«"*» »"' - ' ..... enf weilen. Es verlautet, daß die Vertreter der zionistischen, Organisation wegen der Aufnahme >, einer Palästinaanleihe unter Garantie des Völkerbundes, verhandeln. / Es erscheint als möglich, daß auch Präsident Sokolow auf einige Tage nach Genf kommen wird. Mit der Frage des Schutzes der jüdischen Rechte befaßt sich insbesondere das Komitee der jüdischen Delegationen, repräsentiert durch die Herren Dr. Leo Motzkin, Doktor Feinberg, Dr. Naihum Gold, sowie ein, amerikanischjüdisches Komitee, repräsentiert durch Herrn Leonhard Montefioire und Prof. Normen: Bentwiich. , Die beiden Delegationen widmen ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich dem Flüchtlingsproblem, das bei der Volkerbundversammlung ausführlich behandelt, wurde. Das „Comiitee der jüdischen. Delegationen" beschäftigte sich hauptsächlich mit der weiteren Behandlung der Bernheim- Petition. Was die Anleihefirage angelangt, so dürfte sie zu keinem konkreten Ergebnis, führen. Die zionistischen Führer werden sich' vorläufig''über die - Frage üsieirtieren und -^untersuchen, wie sich die Völkerbundkreise zum Anleiheplan stellen. Es heißt, daß auch Weizmanin, als Leiter der Deutschlandaktion, nach Genf kommen wird. Daß' bei der Mandatskommission •die Ralästinafirage diskutiert wurde;, wissen unsere Leser aus der Tagespresse. Es wurde eine einheitliche Front aller jüdischen; Führer geschaffen. Die jüdische^ Delegationen haben dem Völkerbund ein Memorandum übergeben, das folgende Forderungen enthält: 1. Wiederherstellung jüdischer Rechte in Deutschland; 2, Internationale AnsiedJungsaktion für Juden; 3. Die Mandatarmacht soll den Aufbaudes jüdischen ISfationattieims weitestgehend unterstützen. 185,000 Pfand für die deutschen Juo]eji Vom zentralen englischen Hilfskomitee für die deutschen Juden wird mitgeteilt, daß bis jetzt schon 185.000 Pfund gesammelt wurden. Das Komitee veröffentlicht das Verzeichnis seiner Ausgaben, welche bereits 170.000 Pfund ausmachen. Die einzelnen Posten der Ausgaben sind folgende: 30.000 Pfund sind bestimmt für den Bau der Wohnungen für die deutschen Juden in Palästina, 21.000 Pf. für landwirtschaftliche und industrielle Erziehung der jüdischen Kolonisten aius Deutschland in Palästina, 23.000 Pf. für den Keren Hajessod, 500 Pf. für die Jerusalemer Universität, 100 Pf. für die Haifaer Technik, 2000 Pf. für das Jugenddorf Ben Schemen, das jüdische Kinder aus Deutschland aufnehmen soll, 31.000 Pf. sind für die Hilfskomitees in Deutschland und Frankreich bestimmt. Auf Grund der Nachrichten der ^ondsleitung wurden 6000 deutsche Juden in Palästina angesiedelt, 500 in Brasilien und in anderen südamerikanischen Ländern.. Gemeinsame Organisation jüdischer und arabischer Landwirte in Galiläa In Anwesenheit von über 100, eDleg|erten jüdischer und arabischer Dörfer Galiläas fand im Hause von Hussein Ibn Ch'aj Mohammed el Ali zu Safe'd eine Beratung statt; die zur Bildung eines Verbandes} der arabischen! lund jüdischen Landwirte Galiläas führte. Die Mitglieder des neuen; Verbandes leisteten? auf feibel und Koran einen Treueschwur. Auf der Beratung wurde die Notwendigkeit einer gemeinsamen organisierten Aktion der jüdischen 'und arabischen Landwirte zur Bekämpfung der Notläge der' Landwirtschaft nachdrücklich betont. Der Verband verfolgt keinerlei politische'Ziele. In die'-Leitung wurden 29 Araber und 12' Juden gewählt! Arabische Arbeiter aus Gottesfurcht angestellt Der Kolonist P. Kermann in Kfar Saba hat die jüdischen Arbeiter entlassen, weil sie den Sabbath entheiligen. An ihre Stelle hat er arabische Arbeiter, gestellt. ^wsl^flnsJ Wirtschaftliche .Aussichtslosigkeit, seelisch^ De; pressioni, :das ist. die Situation!.der. Juden in Wien. Palästina ruft nach' Arbeitskräften, in Erez Israel leben die Juden! froh1 rund in Hoffnung auf eine schö,- njere, freudigere Zukunft.! ■ Viele österreichische Juplen Wabern die JV|ög|ich|- keit, i,n allernächster. Zeit nach' Palästina ei'nzuwan-: denn. Es fehlt ihnen aber an Reisemittelw und anj den primitivsten! Ausrustungfegegejnsltänden. { Juden1, igeb^ 'cuesen1 Pal&tinawaiqdererni die MögT lich'^eit, sich' eine Existenz zu schlaffen, g|ebt jh'nenj die Möglichkeit, (nach Erez Israel' zu gejien. Gebt, soviel Ihr könnt! Gebt schnell! Spendet Kleider, Schule, Wäsche und 'Q$V<i\ ' 'v; Palästiwaamt Wien1: Dr. Simon Hprowitz; FurT sorgeverein für jüdische Ralästinaemigranten': Dn. Alois Rothenberg; Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich1: Dr. Oskar Grüribaum; Poale 7jqn-U\T tachduth: Mendel Singer; Misrach!^ 'österreich'isch'en Landesverband: Rabbiner Friedmann; " ün^onj der Zionisten Revisionisten: Oherb'aurat Ingenieur Robert Stricker; W. I. Z. O.: Sofie Löwen'herz; Verband radikaler Zionisten: Dr. Leopold Plaschkes. Spenden sind an den Eursorgeverein für jüdische Palästinaemigranten, Wiien/ T., Klärntnerstraße 28, 1 Postsparkassenkonto C-26.901, zu richten. stische Exekutive mit anerkennenswerter Energie in Genf das Problem einer internationalen Anleihe für die Ansiedlung der deutschen Juden; aufgeworfen. Mit tiefster Erschütterung gedenken wir angesichts; dieser Aktion der Jewish Agency sunseres Chaim Arlosiorof f, der als erster einen großzügigen Anleiheplaw. für die jüdische Kolonisation bis ins kleinste Detail ausgearbeitet hat, wie wird ihn) die Exekutive in diesen Tagen in Gqnff entbehrt haben! Leider sind! die Nachrichten über einen günstigen Abschluß, der Verhandlungen, die eine Lösung des Finanzproblems! unserer Aufbauarbeit bringen sollen, nicht sehr hoffnungsvoll. Zwei Gründe dürften maßgebend sein, daß; die Mächte gegenwärtig nicht so aktionsfreudig sind, wie sie es wären, als es sich nicht um heimlose Juden,, sondern um vertriebene Griechen gehandelt hat. Die Griechen Kleinasiens waren das Ofrfer eines Krieges, der nur noininell ein türjdsch'-griech&cher Krieg war, in Wahrheit im Dienste Englands und Frankreichs geführt wurde. Die Liquidierung seinler tragischen Folgen lag daher \n\ Interesse dieser beiden Groß[- mächte, die als Behefrscher des Völkerbundes dessen organisatorische Kraft in den Dienst der Kriegsopfer stellten! Dazu kommt noch, daßi heute angesichts der weltpolitischen Spannungen innerhalb des VölkerbunL des die Bedingungen für eine auf weitere Zukunft ger richtete Tat fehlen. So igilt es denn, dem Ergebnis der Genfer Verhandlungen auch vom jüdischen Standpunkte mit Skepsis entgegenzusehen. Ob wir es wollen öder nicht; wir sind auf uns selbst angewiesen! Den Kampf urn die Wiederherstellung der jüdischem Rechte müssen wir als Kampf gegen den delutschen Faschjsrnus durch; Boykott der deutschen Waren führen. Und a,uch die materielle Funtfierungi der aufbauenden Hilfsa'rbeit "für die deutschen Juden muß' ausschließlich1 unser Werk sefn. In Kürze wird auch clas östaeÄchisefre Judentum, aufgerufen! werden, sich in den Dienst des zionistischen) Hilfswerkes' für die deutschen Juden, des Mjfal Är)Q$07 roff, zu stellen. Rü>tert wir Qen'ossintien und' penjossen, damit wir uns .dieser wichtigsten. Aufgab^ der jüdischjeini unia} zionist^ph.eh Qe^gepw^rt gewäcJhsen zeigen! ' ' ' .