Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. D e r j ü d i s c Ii e A r b e i t € r. 20 September 1933 B. Palästina und Aegypten. Palästina. Das wichtigste und entscheidendste Eitnvanderungsland ist und bleibt Palästina. Eine genaue Statistik dier Zahl der bisher eingewanderten deutsch-jüdischen Flüchtlinge ist nicht vorhanden, doch kann man damit rechnen, daß etwa 5000 deutsch-jüdische Emigranten bereits nach Palästina gekommen sind, davon allerdings die Hälfte mit Touristen-Visen, von denen noch nicht feststeht, wie viele bleiben werden. Der größte Teil der Einwanderer ist mittellos oder nur im Besitz beschränkter Mittet. Die Einwanderimg umfaßt Ziionisten und Nichtzionisten, Chaluzini mit bester fachlicher und ideologischer Vorbereitung auf Palästina und Elemente, denen die Probleme des Auf haus der nationalen Heimstätte völlig neu sind, Angehörige sämtlicher Berufsklassen, darunter ausgezeichnete Handwerker, viele Aerztc und' Rechtsanwälte, Kaufteute, die bisher selbständig oder als Angestellte oder ats Agenten in ihrem Berufe tätig waren. Die Einwanderung ist also nicht einheitlicher Natur — weder was die Stellung zum Zionismus anlangt, noch in der sozialen Schichtung. Kapitalisten mit größerem Vermögen sind äußerst selten; soweit Vermögen vorhanden ist, beläuft es sich bis auf etwa 1000 Pfund. Die „Werktätigen" verlassen die „Lnion" In der letzten: Sitzung des Kultusvorstandes ist zur Ueberrasc'h'urigl der „Union" die Mitteilung zur Kenntnis gelangt, daß die vier Werktätigen Juden den Klub der „Uniioni" verlassen 'und sich1 als selbständiger, 'Klub konstituiert h'ab'en. Die Herren1, der „Union" ©dnanten beim Verlesen dieser Mitteilung einander) verdutzt an : was ist mit der Vertragstreue? Wir haben! ia eine Vereinbarung für die ganze Mandatsdauer getroffen? Für uns aber kam diese Nachricht nicht übemb sch'end. Wir wußten» daß dan'k unserem Aufklärung^ •kämpf über .threin Verrat die letztem Mohikaner, "die zu den sogieinian'nten Werktätigem (liioclil hieltefn, sie verlasse'nf Waben;. Den1 einzelnen anständigen Menschen und1 ehrilidi'en! Sozialisten!, die in1 ihrer Naivität die Worte fder Werktätigen! ernst nahmen, ist die Gemfeinsaimk'ei'if )mif den Strebern! längst unerträglich' geworden. Die; Losl'ösuiii'g vion der „Un'i'on" ist also nur •ein verzweifelter Versuch1 der „Werktätige n", z u re 11 e \% w a s n1 o c Ii ziu r,e 11 e n i s t. Wir waren! uns auch1 darüber klar, daß: es für die Rädelsführer der „Werktätigen" im Kultusvorstanide! ia'bsolut Wichts bedeutet, eine eingegangene Verein- Warung zu brechen- Wer es zusfanideb'ringt, dem So- £i.alisimus untreu zu werden', wird 'doch' nicht ein; Wesen, daraus machen1, eine politische Vereinbarungj zu 'breclien. Insbesondiere, wenn' mani fcfie Mandate 'behalten1 kann!... Wir laber werden 'die DemasMerung dieser; Pseüdosozialisten! ungerninldert fortsetzen. Im arbeifte'nde.m jXt'd'isch'en Wien hat nichts zu su- 'ch'em eine Gr uppe, die die Treue zur Idee, zu der sie sieht mit Worten bekennt, un d1 zfu-m VerbXi nid eteni, mit dem sie eine Vereünblarirng getroffen hat, jederzeit brechen k'awn. Boykotthetze nationaler Studenten in Polen Warschau, 28. August. In einer Reihe von Städten lenitwickelin seit einigen Tagen nationaldemokratische Studenten und andere Jugendliche eine intemsive Hetze zum Boykott jüdischer Geschäfte, insbesondere von Buch- und Lelirniittelhandlungen. In Warschau wurden einige Rädelsführer des Boykotts gegen jüdische Buchhandlungen dem Polizeirichter vorgeführt und zu Gefängnisstrafen bis zu einem Monat verurteilt. Trotzdem versuchen noch immer nationaidemokratische Studenten, Käufer vom Betreten jüdischer Buchhandtungen abzuhalten. In Lodz haben Jugendliche, die einheitliche Kleidung, gelbe Hemden, trugen, vor jüdischen Geschäften Posten aufgestellt, die christliche Kunden vom Betreten der Geschäfte abhalten. Die Berufsgliederung der Juden in Palästina Im April ist der Regierungszensus 1931 mit ausführlichem Bericht und statistischen! Tabellen veröffentlicht worden. Auf Grund dieser veröffentlichten Ziffern ergibt sich, daß die Juden! 24 o/0 der Gesamtbevölkerunfg Palästinas ausmachen. Im Handel sind sie mit 33 o/o vertreten, im Verkehr mit 20 <V'o, in der Pndustrie mit 42 °'o, in der Landwirtschaft mit 9o/n. Im der intensiven Farm'wirtsChaft jedoch' behauptet die jüdische Bevölkerung einen, weit bedeutenderen! Platz; in der Citrus Wirtschaft macht ihr Anteil 43?/o; aus, im Anbau von Wein', Gemüsen, in der Blum£jl- Zuch't und im Anbau sonstiger Früchte 31 o/o', in der Geflügel- und Bienenzucht 51 o/o'. In den freien Berufen behaupten die Juden einen Anteil von mehr als 50%. Wenn wir die jüdische1 Bevölkerung an sich betrachten, so sind 18.5 o/0 in; der Landwirtschaft tätig, 33 o/o in der Industrie einschließlich Handwerk und Fach'arbeit, 13 o/o im Handel. Das JSationallieim für Juden verschlossen Wie berichtet wird, wurde 51 Juden aus der Tschechosllo'wakei 'verboten, sich in Haifa auszuschiffen, weil sie bloß, mit Touristen'visa versehen' waren. Sie wurden verdächtigt, sich1 im Lande dauernd niederlassen zu wollen. Die 2. Weltkonferenz der Gordonia Am 25. September findet in Lodz die Eröffnung der 2. Weltkönterenz der zioiT.-s'Dzialistisc'h'en Jugendbewegung „Gordonia" statt; Es werden! sich an der Konferenz Vertreter der Landesorgfanlsaii;Dn'en: aus Polen, Rumänien, 'Litauen, BeFgieu, Oesterreich', Amerika und anderen Ländern rjeteiliigen. Außenhandel Palästinas Ii. Dite Entwicklung der Ausfuhr ist überwiegend vom Expiort von1 Citrusfrüch'ten bestimmt. Die starke Erweiterung der Citrus Produktion hat den Gesänitausfuhrwert in' seiner Höh'e ganz entscheidend beeinflußt, un'd die Citiuisfiutch't hat sich1 bisher als stabilisierender und1 krisenfester Bestandteil des palästinensischein Exports erwiesen. In; einem Jahr, wie 1932,, das im Zeichen! einer fortdauernden Reduzierung der Aufnahmefähigkeit der wichtigsten' Absatzmärkte für die meisten! Welth'and'elsgüter stanid, hat der palästi- 'nlelnisiscWe Orangenexport sich1 deninioch1 beträchtlich1 heben koninen, ohne dabei merklich'e Preisejnbiissen. zu erleiden. Der Menge nach stieg der Export von Orang!e!n! von 3.6 Mill. Kisten 1931 auf 4.5 Mill. 'Kisteni 1932. -Dem Anteil nach1 machte er im abgelaulien'en Berichtsjahr nicht weniger als 71.4 Prozent 'dtes gesamten Exportwertes gegen! 56.4 Prozent im' Vorjahre aus. 'Parallelen, die sich1 .angesichts des iü'bierwiegendeni spezifischen1 Gewichte der Citrusfruch't "i;m palästinielnisisfohen Export mit änderen Ländern., diie ebenfalls moniokultorie'ntiert sind '(Aegypten, Chile,; Cuba, Bolivien), aufdrängen können, sind "jedoch* nicht 'ohne weiteres stichhältig. IDeatn1 es ist dabei vor allem zu bedenken, daß bei der palästinensischen' Citrusf nicht es sich um ein Produkt 'Wandelt, das seinem Standard und seiner Qualität nach' sich kaum ohne weiteres substituieren; lassen kann und das einem Markt besitzt, auf dem es in jeder Hinsicht als konk'urreinzüberlegener ^Partner auftreten kann. Hinzu: kommt noch, daß' die palästinensische Orange auf den Auslandsmärkten noch lange nicht den „Sättigkeitsgrad" erreicht hat, wie dies bei den meisten an-, deren Handelsgütern der Fall ist, schon aus dem Grunde, weil sie im Rahmen 'des Weltorangenexporta nur einen relativ geringen Anteil beansprucht. Dennoch mag auf die Dauer eine weitgehende einseitige Orientierung des Exports auf eine Monokultur mit gewissen; Gefahren nicht nur für die weitere Ausfuhrgestaltung, sondern auch für den gesamten Wirtschäfts'zyklus verbunden sein, wenn clie Struktur des Sozialproduktes urrll das Volkseinkommen nur von dieser einen Kultur entscheidend beherrscht werden. Auch in dieser Richtung zeigen sich bereits gegenwärtig gewisse Fortschritte, die darauf schließen lassen,, daß Ansätze zu einer stärkeren Verwertung des industriellen: Verarbeitungsproduktes un'd anderer mit der landwirtschaftlichen Produktion: verbundenen Fertigwaren für Exportzwecke sich anbahnen. Im vergangenen1 Jahre ist bereits für eine Reihe von Verarbeiitunigserzeugniissen! feine bemerkenswerte Steigen runig der Ausfuhr eingetreten. So z. B. erhöhte sich der Exportwert der Süßwarenindustrie, des Fruchtsaft- und Syrupgewerbes, von Essenzen aller Art u. a. Gesunken) fest hingegen der Export von künstlichen Zähnen, Seifert SJ-rümpfen, Erzeugnissen aus Olivenholz, während'der Auslandsabsatz von! Olivenöl, von' Produkten1 der Spirituosenlinidustrie sich1 nur wenil$ über Vorjah'rshöhe halten konnte, zum Teil auch nur fast gleich1 blieb. Regional wird der Handelsverkehr Palästinas mit den einzelnen Ländern durch die Art der Import- und,' Exportwareln stark beeinflußt. Die stark gegliederte) Einfuhr kommt aus einer großen Reihe von Ländern, während sich) der Export vornehmlich' auf das .Britische Imperium konzentriert, das 1932 einschließlich der britiseben 'Besitzu.nis.'en rund drei Fünftel des sfesamtenl pälästinerüsisch'en Exports aufgenommen hat. Dabei1 hat sich der Export nach Großbritannien als dem •'Hauptabnehmer palästinensischer Waren 1932 gegenüber dem Vorjahr um rurid 90 Prozent gehbb'e.ir.- Erst in weitem Abstände folgte 1932 der Rangord- Inung n'aeh' als Käufer palästinensischer Warenl 'Deutschland an zweiter Stelle, das run'd' 14 Prozent dies Gesamtexportes auf genommen hat, gegen 12.8 Prozent elni Jah'r vorher. Die restlichen 26 Prozent verteilen sich auf eine große Anzahl von Ländern, unter denen! — von Syrien abgesehen — besonderst Aegypten hervorzuheben; ist, das 1932 mit 5.4 Prozent am palästinensischen Export beteiligt war. Ein ganz leideres Bild erhält man auf der Einfuhrseite. Auch hier behauptet Großbritannien: mit re|ichlich ein Fünftel des Einfuhrwertes die führende Position, während 1931 diese Stellung Aegypten innehatte, das 1932 in geringem Abstand erst den zweiten1 Platz eiiTniimmt. Die Einfuhr aus Großbritannien ist in der entsprechenden Zeit um rund 56 Prozent gestiegen; dagegen nahm der palästinensische Bezug laus Aegypten mir um rund 1.4 Prozent zu. Diese beiden Länider, Großbritannien" und Aegypten, lieferten 1932 insgesamt reichlich ein Drittel des Gesamtwertes der von: der .palästinensischen Wirtschaft bezogenen! Waren:. Während 1932 der Warenaustausch zwischen Palästina und Großbritannien zuungunsten1 Palästinas 'Vörhältinismäßig ganz gering passiv war, schloß er für den palästinensischen Güterverkehr mit einem iü.bejraus hohen 'Passivum zu Lasten Palästinas ab. Aehnliches ergibt sich' auch für den Warenaustausch: zjwfech'ejni Palästina und Deutschland, das rund ein Zehntel des Einfuhr bedarf s Palästinas für 1932 deckte. Die übrigen Importe verteilen! sich auf zahlreiche ßeziufgsgebiete, von1 denen die Vereinigten Staaten von' Amerika und Rumänien erwähnenswert sind, die mit je 6.7 Prozenit am der paälstinensisch'en Gesamteinfuh'i-? bdtieiligt waren. Von Interesse ist, daß auf der Einfuhrseite als Lieferanten, von gewisser Bedeutung auch solche Länder wie Japan erscheinen, das immerhin wehr als 2 Prozent des Gesamteinifuhrbledarfs Palästinas deckte, aber als Absatzgebiet gar nicht in1 Erscheinung tritt. :. (Schluß.) Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen Am kommenden Neujahrsfeste werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen sowie in den temporären Betveranstaltungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien am Donnerstag, den 21., bezw. Freitag, den 22. September 1933 bei den Hauptgottesdiensten Predigten abgehalten, und zwar: I. Seitenstetteirgas.se 4................... Oberrabblncr Dr. D. Feuditwang I. Drachengasse 1 (Festsaal des Hotel „Post")........... Inspektor I. Oehler 1. Dumbagasse 3 (Großer Musikvereinssaal)............ Rabbiner Dr. A. Kaminka II. Tempelgasse 5.................. , . , Oben-abbiner Dr. I. TagMcht 11. Taborstraße 6 (Festsaal des Hotel „Continental")........ Rabbiinatskaitidiidat Dr. Moses Landau II. Pazmaniiitengasse 6 (I. u. II. Tag)............. Rabbiner Dr. Z. Taubes III. Marxergasse 17 (Großer Sofieasaal).....,....... Professor Dr. Manfred Papo III. Untere Viaduktgasse 13.................1 Rabbiner Prof. Dr. K. Kupfer V. Siebenbrumiengasse la....... ........... Rabbiner Dr. M. Q. Mehrer VI. Schmakhofgasse 3................... Rabbiner Dr. I. Drobinsky VIII. Neudeggergasse 12................... Rabbiner Dr. M. Bauer IX. Mülltiergasse 21 (II. Tag)............... Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz X. Humbolditgasse 27.................., Rabbiner Prof. Dr. A. Weiner XI. Braunhubergasse 7................... Rabbinatskaindidat Dr. S. Margulies XIII, Eitelbergergasse 22..................., Rabbiner Dr. M. Lewin XV. Turnergasse 22, vertretungsweise.............. Rabbinat'skandidat Dr. Josef Babad XVI. Hubergasse 6 . \................., Rabhiner Dr. J. M. Bach XVIII. Scliopenhauersitraße 39 (I. Tag)............... Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz XIX. Dolinergasse 3 ....;............... Rabbiner Prof. Dr. A. Frankfurter XX. Kluckygasse lt (I. und' II. Tag)............., Rabbiner Dr. B. Murmelsrein •XXI. Holzmeistergasse 12.................s Rabbiner Dr. M. Rosenmann Samstag, <ten 23. September 1933, 4 Uhr nachmittags (Deroschoh) II. Pazmanitengasse 6..................i Rabbiner Dr. Z. Taubes Das Friedhof samt der Israel KuiTitusgemeinde gibt bekannt, daß feiertagshatber die israelitischen Friedhöfe am 21. und 22. September, am 5., 6., 12. und 13. Oktober d. J. für den Gräberbesuch geschlossen bleiben. Lebensversicherurigs-Geseiischaft PHÖNIX Aus dem Jahresbericht 1932: Versicherungsbestand S 2.728,000.000'- Prämien- und Zinsen- Einnahmen , 179,000.000'- Garantiemittel , 527,000.000'- Auszahlungen an die Versicherten H 60,000.000'— Tätigkeitsgebiet; Oesterreich, Deutsches Keich, Tschechoskivakiechc Republik. «ei«len, Holland, Frannreich, Spanien. Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn Polen, ]ug itslavien, Bulgarien, ürlecheuJend, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. Eigentümer, Verleger, Herausgeber u, verantwortl. Redakteur: Jonas Jungermann, Maschinenbauer, Wien, XX, Meldemannstr. 19. — Druck: „Adria", Wien, II, Taborstr. 52 b.