Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V b || DER Erscheint frrf*n F^ag JÜDISCHE ARBEITER Organ ö« Vereinigten zioaisfisdissozlalistisdien Hrbeiteporganisatfon Poate Zion — Hifac&Oafh in Oesferreiä Redaktion und Administration: Wien, II, Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig S 12.—, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 20. September 1933 Nr. 38. Samstag, den 23. und Sonntag, den 24. September, im Jüdischen Volksheini, Wien, IL. Blumauergasse 1 Generalversammlung der Vereinigten zionistisch - sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion-Httachduth Ohne Mitgliedskarten kein Einlaß! Tagesordnung-» Samstag, 23. September, 3 Uhr abends. 1. Tätigkeitsbericht der Organisationsleitung. Ref. Dr. Bemay. 2. Die Tätigkeit unserer Mandatare in der Kultusgemeinde. Ref. Dr. Glanz. 3. Diskussion. Sonntag, 24. September, 3 Uhr nachmittags. 4. Die Juden in Oesterreich. Ref. Dr. Sokal. 5. Der XVIII. Zioniatenkongreß. Ref. Mendel Singer. 6. Diskussion. 7. Anträge. '. 8. Neuwahlen. '. i ■ Ein neues Arbeitsjähr beginnt 6In einer Zeit schwerster Not der jirdischen Massen, in, Tagen größter politischer Ungewißheit; tritt im sere heurige 'Generalversammlung zusammen. Der anonyme Eliminierungsprozeß der jüdischen Massen) •aus der Volkswirtschaft unseres Lahdes macht täglich sneue Fortschritte. Auch die größten Optimisten: auf jüdischer Seite sind heute bezüglich ihrer Sicherheit, dalßl (das österreichische Judentum mit Ruhe der Zu- 'kunft entgegensehen kann, zu tiefst erschüttert, die; Proklamierung Vdes christlich-deutschen! Oesterreichs? durch die Führung des österreichischen: Staates nimmt uns den; Glauben an eine für uns Juden günstige Entwicklung der österreichischen' politischen; Verhältnisse. 'Angesichts dieser unumstößlichen Tatsachen, der Gefährdung der Lebensgrunid lägen der 'österreichischen' Juden:, ist auch für das österreichische Judentum der Zionismus die einzige Antwort auf alle seine ökonor tischen; und sozialen Fragen. Allerdings ein: Zionismus, der sowohl für unsere Rechte hier in' Oesterreich kämpft, als.auch durch weitgehende Teilnahme' am Aufbau 'Palästinas der arbeits'h'unigrigen' ftigJend einen Weg aus ihrer Not weist. Aus dieser tragischen Situation leiten: sich' die Aufgaben; unserer Generalversammlungab'. Sie wird festzulegen haben,, wie wir unseren Kampf um die' jüdischen Lebensrech'te ,und um feine möglichst fruchtbare Gestaltung unserer. Aufbauarbeit in Palästina zu führen hätten. Was unsere erste Aufgabe anbelangt, so wird sich' unsere Generalversammlung; 'ohne Zweifel dessen bewußt sein, daß unser Kampf um die Wahrung, der jüdischen Rechte zusammenfällt mit dem1 großen Kampfe, den die Partei des österreichischen! Proletariats um die Wiederherstellung der demokratischen Verfassung führt. Teilnahme an diesem Kampfe, unverbrüchliche Treue zu unserer Partei, bildet die' beste Gewähr, daß das österreichische Judentum vor dem Schicksal seiner deutscheu Brüder' bewahrt werden wird. Die Notwendigkeit der Intensivierunoder; zionistischen Arbeit in Wien legt uns die pTößteö Verantwortung auf: die Zerklüftung der zionistischen Belegung ,in Wien hat ihren Höhepunkt erreicht, die bürgerlich-zionistische Bewegung "ist gespalten1, wie noch :me. Es wird unsere Aufgabe sein, für eine Zusammenfassung aller konstruktiven Kräfte des österreichischen Zionismus zu arbeiten, ein Ziel, das wir irmr dämm erreichen werden, wenn wir die Führung);im zionistischen Leben errüngen werdien". Es sind überaus schwere" Aufgaben, die unsere) Organisation in den kommenden schicksaisschwereni Tagen zu bewältigen haben wird. Daß; sie dazu fähig' sein wird, setzt voraus, daß wir in unserer Arbeit 'nicht erlahmen. Selten hat eine Generalversammlung einen so günstigen Tätigkeitsbericht entgegenzunehmen gehabt, wie "die h'euüge. Unsere Siege b'ei den' Kultusgemeindewahlen un'd bei der Kongreßwahl Entfaltung unserer Bildungsarbeit durch Schaffung des1 Volk'sheims, verstärkte Alijah unserer Genossen, die Umwandlung des „Jüdischen Arbeiters" in ein Wochenblatt — wahrlich, das sind Leistungen, die uns zu der Hoffnung berechtigen, daß sich unsere Organisa-, tion auch im kommenden Jahre bewähren wird Wir alle werden im kommenden Jahre zur Stelle sein, un'd mit aller Kraft an der Verwirklichung unseres Ideals mitarbeiten, daß wir durch tiiese Arbeit für -'uns selbst eine bessere Zukunft vorbereiten. Nicht Menschenliebe, sondern nacktester Egoismus gebietet! uns: Alle Manu an Bord! Der Miiiderheitenkongreß ohne Juden Am 16. September wurde der Kongreß der nationalen Minderheiten eröffnet. In der Eröffnungssitzung wurde vom Vertreter der deutschen Minderheiten, Dr. Roth, eine Deklaration verlesen, die dasi Vorgehen der deutschen Regierung billigte. Die Vertreter der jüdischen Minderheiten haben nun endgültig beschlossen, sich am Kongreß nicht zu beteiligen; sie werden dem Präsidenten des Minderheilenkongresses ein Memorandum die jüdische Frage '-betreffend vorlegen. Neue wichtige Ergebnisse der Untersuchung gegen Stävski tirrcl Achi Meir Im Verlauf der weiteren Untersuchung durch den englischen Untersuchungsrichter in Jaffa wurde d.er Student Schlang einvernommen. Dieser sagte aus, daß Achii Meir in einer Versammlung die Studenten aufgefordert habe, sich an den deutschen Studenten ein Beispiel zu nehmen, aus deren Reihen die Mörder Raitheniaus, Karl Liebknechts und der Rosa Luxemburg hervorgegangen sind. Der Polizei- Inspektor Schiff erklärte, daß die Handwunden Stavskys zweifellos auf eine Verletzung am Drahtzaun in der Nähe des Tatortes zurückzuführen' sind. Bezüglich der Fußspuren bezeugt der Polizeiinspektor, daß diese sich nicht als zureichende Beweismittel erwiesen, haben. Polizeiinspektor Kessler sagt aus, daß er im März unter den revisionistischen Streikbrechern in Petachtikwah Stavsky beobachtet habe, wie er mit einem anderen Revisionisten auf einen Pflock folgende Worte aufgeschrieben habe: „Hier ruht der Präsident der jüdischen Agency, der tote Dr. Chaim Arlosoroff." Der Zeuge hat diesen Pflock beseitigt, weil er befürchtete, daß er, wenn ihn die Arbeiter bemerken würden, die Lage noch verschärfen könnte. Am anderen Tag" fand man wieder einen solchen Pflock mit derselben Aufschrift, auf diesem war aber der Name Ben Gurion eingraviert. Die öffentliche Einvernahme wurde für den 27. d. Mr: verschoben. Bannfluch gegen Boykottbrecher In Newyork, wo der agüdistiscWe Rabbinerratj kürzlich' eine Beratung abhielt, wurden* alle Juden,, die deutsche Waren kaufen, jmit dem Bannfluch1 bedroht. Weizmanns Aktion für das deutsche Judentum ■■>.. Mitte Oktober findet eine jüdische Weltkonferenz statt, die vom Bund jüdischer Kultusgemeinden in England einberufen wurde. Die Konferenz wird folgende Tagesordnung haben: 1. Schutz der Rechte der deutschem Juden, 2. Ansicdlungsmöglichkeit der deutschen Juden in anderen Ländern und insbesondere in Palästina. Wenn die Konferenz über die Ansiedlung der Juden in Palästina zu einem positiven Ergebnis kommen wird, besteht die Hoffnung, daß die Aktion Weizmanns eine breite Grundlage haben wird, da sich an ihr nicht nur die Agency, sondern auch andere jüdische Körperschaften beteiligen werden. ^Kürzlich fand eine Konferenz statt, an der sich Ben Gurion, Brodetsky und Weizmann beteiligte." Es wurde eine Kampagne für die Kolonisation der deutschen Juden beschlossen. An der Spitze der Kampagne wird laut Kongreßbeschluß Chaim Weiizmanm stehen. Der Misrachi gegen den Palästinaaufbau Der Misrachi beschloß, seine Vertreter vom Kereni Hajessod zurückzuziehen und gegen das geplante Kolönisationswerk, das der Ansiedlungt 'deutscher Judienl dienen und den Namen Arlosioroffs tragen Soll," Stellung zu .nehmen. Das ist also das wahre „zionistische" Antlitz des Misrachi. 25000Arbeiterzertifikate angefordert Es wird Ibeka'nnit,'daß die Exekutive für das nächste' Halbjahr (Oktober 1933—März 1934) 25.000 Zertifikate für Arbeiter angefordert Wat. Ein! Memorandum der Exekutive biegrühdet diese Forderung mit den, Lage des Arbeitsmarktes in Palästina. Der Handelsvertrag mit Deutschland Die Verhandlungen über den berüchtigten „Orangenvertrag", der einen Warenaustausch zwischen Palästina und Hitlerdeutschland ermöglichen soll, wurden von dem Berliner jüdischen Südfrüchtehändler namens Schuster geführt. Das Abkommen ist nicht abgeschlossen worden, da die Verhandlungen bisher ergebnislos sind'. Die zionistische Exekutive stellt in einem Communique fest, daß weder sie noch eine ihr unterstellte Körperschaft an den Verhandlungen über dieses Abkommen beteiligt sei. 1000 neue Zertifikate Die Bemühungen der Hista'druth, nieue Zertifikate; zu erhalten, um einerseits dem Arrjjeitjermanglel' inj Palästina abzuhelfen, und andererseits dem Einwan.derurigshunger abzuhelfen, wurden von Erfolg gekrönt. Dank diesen Bemühungen hat sich die Palästinaregie-: rung entschlossen, noch 1000 Zertifikate anzufordern'. 850 werden» an Chaluzim, 150 am Handwerker verteilt werden. Achi Meirs Weg zum Taufbecken Der „Door Hajom" bringt ein Interview seines! Chefredakteurs mit Achi Meir. Achi Meir erklärte': „Wenn ich nicht dem Zionismus und Jab'otinski Treue bewahren wollte, würde ich1 wegen der Verleumdungen der Juden zum Christentum übertreten." Aufl die Frage, warum nicht zum Islam, antwortete Meir: Mein Herz zieht mich nicht zum Osten', sondern zum Westen.;