Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1933)
- Date
- 1933-09-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Universitätsbibliothek 1.Universität DER Erscheint jeden Freitag Organ Oer Vereinigten zionistisdi^sozialistlsdien Rrbeifeporganisatfon Poale Zion - Nifadidutii in Oesteppeicb Redaktion und Administration: Wien, il, Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig S 12.—, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 15. September 1933 Nr. 37. Boykott Aus Amerika, wie aus Polen und Frank-reich, auch von der Tribüne der jüdischen Weltkonferenz; in Genf wurde die Forderung der jüdisvichen Massen1 mach eijnem gründlichen wirtschaftlichen Boykott gegeni HitlejT-iDeutschland 'kundgegeben. Die Sozialistische! Internationale und. die Internationale der Gewerkschaften nabeln1 den Boykott des faschistischen Deutschland' proklamiert. Der 18. Zionistenikongreßi hat wohl gegen 'das bestialische Hitler-Deutschland Stellung gemommen, aus Gründen der Zweckmäßigkeit aber, sich' der Boykott-Aktion :nich't angeschlossen. Von der Tribüne des. Kongresses hat Genosse Jahrblum 'unserem Standpunkt in dieser Frage zur Klen'nftnis gebracht. (Unbeschadet der Stellung des Zionistischen Kongresses wollen wir den Kampf gegeni rlitler-Deutschland mit allen' Mitteln, auch1 mit dem des wirtschaftlichen Boykotts führen. Unser Kampf gilt wicht dem arbeitenden deutschlein Volke, wenn; auch1 der Boykott die Arbeits-, imöglicltkleiten in Deutschland einschränken und die wirtschaftliche: Not des Proletariats vergrößern wird. 'Unser Kampf gilt dem bestialischen! Regime der Hitler- Banditen,. Die deutsche Arbeiterschaft, die den1 Sinn! dieses Kampfes erfaßt, wird' die Opfer zu tragen! wissen. Sie wird erkennen, daß wir einen. Akt der Solidarität erfüllen:, wenn: wir Hitler-Deutschland wirtschaftlich1 voln der Kulturwelt isolierem, wie es sich pol/tisch' u'nd kulturell von: der ganzen Welt isoliert! hat Es mag sein, daß durch die. Wirkungen des Boykotts auf die deutsche Wirtschaft, das Wüten! der Hitler-Bestien unter den Juden noch gesteigert werden wird. So sehr wir mit unseren! furchtbar ileidenidem Brüdern in Deutschland mitfühlen1, können; wir auf dieses einzige wirksame .Mittel' gegeni den1 wütendsten Feind unseres Volkes nicht verzichten'. Es darf nicht sein, daß mäw j.ü'dische 'Ehre, p r i m ft't;i v s t e L e b e.in; s m ö g! 1 i c 'h ke i t en u n s e - res Volkes mit Füßen tritt, ohne daß wir uns mit allen uns zu Gebote stehenden' Mitte In zur Wehr s e t ze n. Wir;aber,$ollen|:üns dessen bewußt sein, daß. dieser uns aufgezwungene Kampf wohl für das leidende deutsche Proletariat und das unmenschlich gequälte jüdische Volk geführt wird1, daß; er aber nicht weniger eine Abwehr gegen den Angriff auf unser Leben und1 unsere Ehre ist. Das Flakenkretiz und die von ihm geübte Kampfmethode wird nicht an den' Grenzpfählen Deutschlands haltmachen. Die Gefahr einer Ansteckungl der anderen Länder mit dem Gift des, bestialischen! Faschismus ist ungeheuer. Wenn wir;uns 'also gegen die Brutalität Hitlers nicht wehren,; machen wir uns der Wegbereitung für den Faschismus in den anderen Ländern schuldig. Der ^wirtschaftliche Boykott Hitler-Deutschlands: ist also nicht nur ein Kampf für das Leben und die Eh're unserer jüdischen Brüder und des deutschen. Proletariats, e r die n t a u c h d e r A b w e h r d e s faschistischen (Angriffes auf unser Lebe il, u n s e r e Fr e i!h eit u ud u nsere E h re. Daher, alle Kräfte in den Dienst des rücksichtslosen Boykotts des vertierten, Hitler-Deutschland1. $fcu>slty utile* J$%o&*c£m>er6lcscl&f Endsprechend der in Palästina, gelteaideii Strafprozeßordnung findet nunmehr vor dem Uiitexsniclmugsrichter ein Z^eugenverhör aller an d«r Mordaflure Beteiligten statt. Unter anderen wurde letztens1 Moscheh Weiser verhört, fctar den verwuntietejn Arlosoroff vom »Strand auL' den Arme:n hiuwegtrug. Weiser ging am Strand mit cjnera. Milde he n spazieren; plötzlich trat ihm ein Ma,nn eui-gegen,, schaute ihm forschend ins Gesicht, und lief davon. Einige Minuten später sali er ein elektrisches Licht aufflammen uuld hörte einen Schuß. Den Manu, deir sich ihm c n t g e g (v n g e a t ei 111 hat, habe er in S t a v s: k y, erkannt. Auf ein© Frage des Uutemuclmugsrichters erklärt! Idejr Zeuge, daß er Stavsky a.n seinen Gesichtszügen erkannt habe. Es' ist für die Ablenfeungsrnainöver Stavskysi chaiukteris tisch, daß er an den j Zeugetn die Frage richtete', wer denn das Mädchen-, mit welcheim er spazieren ging, ae.we.sen sei. Er konntet aber den starken Eindruck dieser wichtigen Zeugenaussage, die» ihn so (schwer belastet, nicht! abschwächen. Hierauf wurde Diaengoff, der Birrgea-meister von Tel Aviv verhört. Dieser schildert in bewegten "Worten: seinö Begegnung mit Arlosoroff im Spital der, Hadassah. Ar-lobbroff stöhnte vor Schmerzen. „Sieh, was siei mir angetam haben", sagte er zu Disengoff. Später murmelte er etwas- Unverständliches. Dann kam Elieser Kaplan1, deav versuchte,) mit Arlosoroff teui ö-pnochen; Arlosoroff antwortete aber nicht. Im Gegensatz zur Aussage Disengof fs, eines d u rchaus bürgerlich ein, gestellten Zeugen, verbreiteten d i. e R e v i s i o n i s t e n d i e Nachricht, Üaß Arlosioroff Kaplan gegenüber! geleiugn e t h a b e, d a ß d i e M ö r d e r J u d e n g e w e s1 e n sei ,e n. Die Arbeiterschaft tind die Jransfer-f ereinbarung Bei Behandlung der Frage der Vereinbarung einer Wirtschaftsorganisation in Palästina mit der Deutschen Regierung über ein; Transfer von drei Millionen Mark gab. Gelni. Jahrlum, der vom der Arbeiter,-! frak'tioni in die Politische Kommission entsendet wurde, folgende Erklärung ab: Zur Resolution über die Vereinbarung mit der gegenwärtigen Deutschen Regierung sehe" ich mich gezwungen, folgende Erklärung, abzugeben: 1. Ich1 bin der Ansicht, daß die Zionistische- Organisation mit diesen Unterhandlungen nichts gemein! haben darf. Wenn private Personen, einzelne Juden Deutschlands mit der Hitler-Regierung Verhandlungen! führen, um bei der Uebersiedlung nach' Palästina ihn Vermögen zu retten, so ist das ihre persönliche Angelegenheit. Niemand kann es verurteilen, daß siet auf der Flucht aus der Hölle ihr Vermögen' reiten wollen, tun für sich in: Palästina neue Lebensmöglichkeiten zu schaffen. Aber die Zionistische Organisation darf hier nicht eingreifen; 2. Da die antizionistische Presse die Nachricht verbreitet, daß. der Kongreß, mit Rücksicht auf die Transaktion den Kampf und den Boykott gegeni Hitler-Deutschland abgelehnt hat, erkläre ich, daß) das unrichtig ist. Keine privaten Unterhandlungen sind in der Lage, unseren Kampf gegen das barbarische Regime, welches die Arbeitlerschaft und die Juden ■ in Deutschland massakriert und gegen die jüdische Bevölkerung systematische Pogrome veranstaltet, zu beeinträchtigen!. Gemeinsam mit der Demokratie und mit dem Sozialismus der Welt werden wir den Kampf mit allen Mitteln, auch mit dem des Boykotts, fortführen1, bis zum endgültigen Siege über das bestialische Regime Hitlers, bis zur Wiederau friebtung der Frei-* heit für die Arbeiterschaft und der Wiederherstellung! der Rechte des jüdischen' Volkes. WBBC|®«»ra< Palästina — das Land der größten jüdischen Einwanderung Nach dem offiziellen Regierungsblatt ist die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Palästina durch die Einwanderung im Jahre 1932 um 16.000 Seelen gewachsen. Der Berliner: Korrespondent des;,Daily Expreß" meldet, aH'f ClrwnJÜ von Informationen aus zuverlässiger Quellet, „daß die Deutsch© Iiegiorang die Einstellung jeg- (licher Uhterstützuug au jüdische Arbeits losei ins Auge gefaßt hat. Da eszurzeit etwa, 100.000 Arbeitslosein jüdischer! Konfession oder Abstammung in Deutschland gibt, wäre di-et Einstellung der Arbe'itslosenu'nteir.stützung mit einer nanihufitcn Ersparnisfür den Staat verbunden. (.'vleticlizeitig' Die Judenfrage in Deutschland auf dem Kongreß der nationalen Minderheiten Vom 18. bis 20. September soll iu Bern der neunte Kongreß der nationalen Minderheiten tagen. Die Judenfrage soll dort auch erörtert werden. Die jüdische Minderheit hat ihre Beteiligung am Kongresse von der Erfüllung folgender Bedingungen abhängig gemacht: 1. Den Juden die Möglichkeit, einer freien! Aussprache über die Lage der Juden in Deutschland zu gewähren. 2. Den juden das Recht zusichern, dem Kongreß eine Entschließung vorzulegen, die die Verfolgung der Juden in Deutschland1 verurteilt. •wiürdio die Maßnahm© den letzten vernichtenden Schlag gegen die Juden im Deutschen Reich bedeuten, die bishen isbhbn aus iiireih Stellungen in öffentlichein Aemtern < xundi in. der Privat.wirts'chaft lünausgedrängt worden sind. { Die Ironie der Situation, bemerkt der* „Daily Expreß" zui- Meldung sei nies Berlineic- Korrespondenten1, liegt darin,' 'daß jüdis'che Unternehmer und Arbeiter, die noch in Stellung sind!, (ihre vorgeschriebeinen! Beiträge für die Arbeitslosenversicherung leisten müssen. Wer hat die Vereinbarung über den Orangentransport mit Hitler abgeschlossen? Die jüdische Oefientlichkeit ist mit Recht empört über einen Warenaustausch, der zwischen jüdischen Orangenhändlern und der Hi11 er-Regierungl abgeschlossen wurde. Da von revisionistischer Seite versucht wird, die Zionistische Exekutive mit dem Abschluß dieser Vereinbarung zu belasten, wird festgestellt, dad der Autor dieses schändlichen Vertrages1 Herr Sam Kohni ist, ein bekannter Arbetterfeind aus! Palästina. Herr Kohn war auf dem XVIII. Zionistehkongreß. Mitglied der Fraktion.der Allgemeinen Zionisten. Samstag« den 16* September 1933 um 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel „Post", I., Fleischmarkt 24 sprechen Dr. Saul lokal, Hendel Singer, Dr. Martha Hoffmann Nie soll Oer flulbau Palästinas fortgesetzt werten? und führende Genossen aus Palästina über: (Die Lage nach dem 18. Zionistenkongreß)