Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1933)
- Date
- 1933-09-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. / Def jfldische Arbefter. 8 Septembef 1933 neftraürigeu gegen 130Ö, in den Gewerbegenossenschaften Uftgfcfafir 2000 und in den Sowjetlandgüterri gegen 500 usw.4 Es leuchtet ein, daß die Zahl der Einwanderung erheblich vermindert angegeben ist, um den Mißerfolg zubeschönigen, und daß die Zahl, derer, die im Lande verblieben sirfd, im besten Fall, als. das Maximum des Erreichten zu betrachten ist. Wenn man aber in Erinnerung bringt, daß man in Birobidschan eine massenhafte landwirtschaftliche jüdische SiedDung plant, daß die Einordnung von hunderttausend Familien in nur zehn Jahren ursprünglich vorgesehen vraf> daß nun nachträglich jedenfalls noch fünfzigtausend Seoten in fünf Jahren ansiedeln zu können glaubte, daß ön Biröbddschan eine jüdische Mehrheit entstehen solilte und daß die Sowjetregierung noch am 30. September 1931 ihren Beschluß kundgab, „gegen Ende 1933 die Proklamierung von Birobidtsclian zu einer jüdischen nationalen territorialen Einheit" in Aussicht zu steilem (die „Balfourdeklaration" der Sowjetunion!), dann kann man erst den Zusammenbruch des großen Planes begreifen, der steh das Ziel setzte, zwangsweise jüdische Massen, k einem Tajgagebiet, welches überwiegend aus undurchdringlichen Wäldern und Sümpfen, hasteht und dicht an der Grenze des jetzigen Kriegsherdes — an der Mandschurei — Hegt, anzusiedeln. Erst jetzt, "nachdem die Seifenblase geplatzt ist, erfahren wir aus der Debatte im Zentratrat des Geserd, daß man erat jetzt vor der Aufgabe steht, für Birobidschan „eine eigene landwirtschaftliche Basis zu schaffen", daß man im Lauft? von fünf Jahren kaum vier Kollektivwirtschaften aufzubauen vermochte (andere Landwirtschaft außer der kollektivierten gibt es unter den Juden eigentlich keine), daß von den fünf Staatswirtschaften nur noch zwei weiterbestehen daß von. den siebentausend übriggebliebenen jüdischen Einwohnern nur noch zweieinhalbtausend in der Landwirtschaft beschäftigt sind, daß die wichtigste Aufgabe, die nach fünf Jahren Kolonisation erat bevorsteht, ist: „einen realen Plan für die Arbeit in Birobidischam auszuarbeiten", daß „wir dort dk Arbeit begonnen haben, ohne einen genügend klaren Begriff darüber zu haben, was das Land besitzt und was es braucht", daß „einer unserer Fehler war, daß wir nicht rechtzeitig scharf und energisch die Frage der Melioration von Birobidschan erhoben haben", daß „das Gefcreideproblem von Birobidschan nur im Wege einer wirklich großen, massenhaften, Meiiorationsarbeiit gelöst werden könnte", daß „dlie Ernährungsfrage noch immer das schwierigste Problem in Birobidschan bleibt" . . . Die Ansiedliung in Birobidschan sollte den Juden Sowjefcroßlands und der ganzen Welt den Palästinaaufbau ersetzen. Die kommunistische Propaganda war stets bestrebt, Birobidschan gegen Palästina auszuspielen. In den' oben erwähnten Jubiläumsaufsatz widmet das zentrale Regierungsblatt dieser; Gegenüberstellung einige Mebenswürdige Zeilen, wie wir*:sie.>ibe| den, Kornm^ sich uniM P^stina handefit, zu .begegnen' gewöhnt sind1: „.'".. Die ^Besieäiüng von*' BBroMdschan durch werktätige Juden und die Errichtung von einer .sozialistischen autonomem nationalen Einheit bebedeute einen Totschlag für das .palästinensische Abenteuer____ Das sozialistische Birobidschan hat den zionistischen Zaubereien der jüdischen. Bourgeoisie ein Ende bereitet..." . Nun haben wir jene richtige Gegenüberstellung kennengeÜernt. 27.000 verzweifelte und verhungerte Juden mobilisierte man für das holschewikische „gelobte Land" und kaum 7000 harren dort «och aus. Eine Rückwanderung von 75 Prozent, wie sie die Geschichte der Kolonisation kaum kennt, — Im Laufe von zehn Jahren der Nachkriegseinwanderung nach Palästina (1922—1931) sind dort 95.500 Juden eingetroffen, und wenn wir die unbedeutende Auswanderung des Nachwuchses aus dem alften Chalukajischuw nicht berücksichtigen, sind nur zirka 20.000 zurückgewandert: eine Rückwanderung von kaum 20 Prozenit, die hauptsächlich durch die Krise von 1926/27. verursacht wurde. Wollen» wir den Versuch machen, die fünf Jahre Einwanderung nach. Birohidischan mit denselben fünf Jahren der jüdischen Einwanderung nach Palästina zu vergleichen, also von Mai 1928 Compass Tours New Vork Wien Paris IX. Spltmg«is« a Offizielles Reisebüro des XVIII. Zionistenkongresses Prag zu Rosch*Hascttanah Palastina Reise II 12. September 1933 mit dem Eildampfer „Martha Washington" Auskünfte und Anmeldungen auch beim Palästina-Amt in Prag, wie auch im Kongreßgebäude bist Jüiii 1933, so erhalten wir fohlendes Bild: Für Birobidschan— 27.000 Einwanderung, 20.000 Rückwanderung, 7000 Ansiedlung. Für Palästina — 35.000 Einwanderung, 7000 Rückwanderung, 28.000 Anaiedhing. Ein Viertel der Einwanderer haben sich angeblich in Birobidschan einge ordnet — vier Fünftel der Einwanderer — in Palästina. So sieht der „Totschlag" aus, den Birobidschan für den Palästinaaufbau bedeuten sollte! Max Adlers herauszuschälen. Sie stellt ein Bekenntnis des großen Lehrers und Fortbitdners der sozialistischen Theorie, zum Roale-Zionismus dar, von dem wir hoffen^ daÖ es in alten noch Zögernden den Entschluß reifen lassen wird, unserer Bewegung Gefolgschaft zu leisten. Dr. Ada Schor. Max Adlers Bekenntnis zum sozialistischen Zionismus Am 22. Jänner 1933, anläßlich der 25. Jahresfeier der Poale-Zion in Wien, hiejt der revolutionäre Lehrer der österreichischen Sozialdemokratie, Max Adler, eine Rede, welche nunmehr in etwas erweiterter Form gedruckt vorliegt. Die kleine Schrift führt den Titel „Das Verhältnis der nationalen zur sozialistischen Idee. Bemerkungen zum Poale- Zionismus". Sie sucht einerseits den Standpunkt des marxistischen Sozialismus gegenüber der poale-ziönistisehen Bewegung darzulegen, andererseits „manches Mißverständnis und Mißtrauen, das im sozialistischen Kreisen gegenüber dieser Bewegung besteht, zu zerstreuen". Die Schrift gliedert sich in IV Abschnitte. Abschnitt I enthält eine prägnante Formulierung der Idee der Internationale des Sozialismus als, dier Internationale des klassenrevolutionären Proletariats und stellt sie dem utopischen Kosmopolitismus des Bürgertums gegenüber, der als Ideal der Vergangenheit angehört und Platz gemacht hat jenem chauvinistischen Nationalismus, der in bürgerlicher Denkweise alle Ideen von Internationalismus und Verbrüderung der Völker als kindische Träumereien belächelt. Das Grund- und Leberasprinziip der proletarischen Internationale — die ein Kampfmittel gegen die internationale kapitalistische Wirtschaftsweise darstellt und nicht ein romantisch illusionistisches Ziel — besteht darin, daß alle Son der inte ressen dem proletarischen Klasseninteresse unterzuordnen sind. „Aller nationale Idealismus und alle nationale Politik kann nur innerhalb der Voraussetzungen und der Forderungen des internationalen Befreiungskampfes des Proletariats zugelassen und wirksam werden." Nationale Sinines- und Geistesairt wird für den Sozialismus wertvoll, sobald sie das Primat des Klassenkampfes anerkennit; da liegt der Unterschied zwischen „nationaler Idee"' und „Nationalismus". II. Nation und nationaile Gesinnung sind Begriffe, -die der marxistische Sozialismus nicht nur nicht ablehnt, sondern sogar zu seinem Programm erhebt, indem eben durch Beseitigung der Klassengegensätze, d. h. durch Ueberwindüng der kapitalistischen Ausbeutung auf dem Wege des revolutionären^ Klassenkampfes 'die nationale < und kulturelle Gemeinschaft -aJl€f -.Mitgliedereines. Volkesbegründet wird. „Es ist daher auch ganz irrig zu. meinen, daß die Entwicklung zum Soziaiiismus eine Nivelüerumg der Nationen bedeute. Ganz im Gegenteil wird erst die sozialistische Ordnung, indem sie die gesamten geistigen Energien jedes Volkes frei werden läßt, die sprachliche und kulturelle Eigenschaft eines jeden Volkes nur um so kraftvoller zur Entfaltung bringen..." III. Viele Marxisten betrachteten und betrachten noch heute den Zionismus, der sein Hauptziel in der Begründung einer eigenen öfifentKich-rechtlichen Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina erblickt, als mit dem proletarisch-revolutionären Sozialiismus unvereinbar; sie haben dabei die anfängliche „bürgerliche" Form der von Herzl gefaßten und von Westjuden propagierten Idee des Judenstaates im Auge. Daß aber der zionistische Gedanke sich von zündender Wirkung auf die jüdischen Massen Osteuropas erwiesen hat, welche mit Begeisterung der Parole vom Aufbau einer freien Heimstätte durch e i g e in e Arbeit folgten, war bestimmend für die Lebensfähigkeit und — vom marxistischen Standpunkt gesehen — für die Lebens berechtigung der Idee. „Sobald es jüdisch-nationales Empfinden als proletarische Massenerscheinu^ gibt, ist dies eine geschichtliche Tatsache, mit der man ebenso rechnen muß, wie mit dem nationalen Erwachen der sogenannten geschichtlosen Nationen." Aufgabe des Marxasten ist, „theoretisch dieses nationale Erwachen aus seinen gesellschaftlichen Ursachen" zu verstehen und praktisch ihm Richtung zu geben; es ist die auf den Sozialismus hinführende Richtung des revolutionären proletarischen Klassenkampfes. IV. Es ist Verdienst der Poale-Zion, den ursprünglich bloß nationalen Gedanken des Judenstaates, der als Ziel nicht ausgeschlossen ist, hinter dem sozialistischen Gedanken des wirtschaftlichen Aufbaus Palästinas zurücktreten gelassen zu haben. Der Zionismus, soweit er unter dem Einfluß des marxistischen Sozialismus der. Poale-Ziom steht, ist zu einer national- und sozialerzieherischen Bewegung geworden. Produkt dieser Erziehung ist der Chailuz, der Pionier, „in dessen Person sich jugendlicher Idealismus, sozialistische Zielsetzung und nationaler Aufbauwille in der schönsten Form vereinigen..." Max Adler vergleicht den Chaluz mit dem russischen Komsomolzen und sieht in der gegenwärtigen trüben Situation des Sozialismus zwei leuchtende Lichtpunkte: das gewaltige Aufbauwerk der Sowjetunion und „das. in seinen Dimensionen zwar zwerghafte, aber in seiner Opferbeieitschaft und sozialistischen Zielbewußtheit nicht weniger bewunderungswürdige" Aufbauwerk der jüdischen Sozialisten in Palästina. Es war im Rahmen einer Besprechung nur möglich, das Wesentlichste des Inhaltes der vorliegenden Arbeit Prof. Aus de* Organisation Samstag, den 16. September 1933 '8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel „Post", I., Fleischmarkt 24, sprechen Dr. Sa«! Sokal, Mendel Singer, Dr. Martha Hoffmann und führende palästinensische Genossen über Wie soll der Aufbau Palästinas fortgesetzt werden? (Die Lage nach dem XVIII. ZlonistenkongreB,) Samstag, den 23. und Sonntag, den 24. September, findet im Jüdischem Volksheim, II., Blumauerg. 1, die Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt. Samstag, 23. September, 8 Uhr abends. 1. Tätigkeitsbericht der Organisatiorasleituing. Ref. Dr. Bernay. 2. Die Tätigkeit unserer Mandatare in der Kultusgemeinde. Ref. Dr. Glanz. 3. Diskussion. Sonntag, 24. September, 3 Uhr nachmittags. 4. Die Juden in Oesterreich. Ref. Dr. Sokal. 5. Der XVIII. Zionistenkongreß. Ref. Mendel Singer. 6. Diskussion. 7. Anträge. 8. Neuwahlen. . Liga ffir das arbeitende Palästina Dienstag, den 12. September 1933, um halb 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstr. 4, sprechen Berl Katienelson. Chefredakteur der pal. Arbeiterzeitung „Davar'V und J. MereminsM, Mitglied der Exekutive der „Histadruth" und des Aktionskomitees,' über ' Was will die Jüdische Arbeiterschaft in Palästina? Amtliche Verlautbarung-en der Israel. JCultusg-emeinde 'Wien Kundmachung. Die Einsichreibungen an der „Hebräischen Sprach- und Bibetechule", XX., Othmargasse 46 (Saal I) für das Schuljahr 1933/34 finden am Donnerstag, den 14. Septemiber d. J., in der Zeit von 3—7 Uhr nachmittags statt. Aufgenommen werden Knaben und Mädchen der Voiks- und Hauptschulen. . Die Anwesenheit der Eltern ist bei der, Einschreibung erforderlich. Der Unterricht ist in allen- Abteilungen unentgeltlich! Wien, am 3. September 1933. Der Vorstand. Dispens der jüdischen Schüler vom Schulbesuche an den hohen jüdischen Feiertagen. Der Stadtschulrat für Wien hat mit Erlaß Z. 33S4/11 — II a — 1933 vom 4. VII. 1933 die Direktionen (Leitungen) aller dem Stadltschulrate unterstehenden Unterrichtsanstalten in Kenntnis gesetzt, daß die israelitische Schuljugend an den Tagen des Neujahrs^-, Versöhnungs-, Laubhütten-, Passahuud Wochenifestes Anspruch machen kann, vom Schulbesuche befreit zu werden. Lebensversicherungs-Geselbchaft PHÖNIX Aus dem Jahresbericht U32: Versicherungsbestand S 2.728,000.000-- Prämien- und Zinsen- Einnahmen , 179,000 000-- Garantiemittel , 527,000.000-- Auszahlungen san die Versicherten „ 60,000.000- Tätigkeltsgebiei: Oesterreicn, Ueat*cne- Keich, Tschechoslovaloschv Republik. <ei«len. Holland, Frau «reich, Spanien. Italien, Fürstentum Uechtenstein, Ungarn Holen, lug «lavier, BuUarien, Griechenland, Rumänien, Palast na, ■ Syrien. Kirkel, luni» um' Aegypten. Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Jonas jraigermann, Maschinenbauer, Wien, XX, Meldemannstr. 19. — Druck; „Ädria", Wien, U, Taborstr. 52 b.