Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1933)
- Date
- 1933-08-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2641551-2641667-2641696--784-2642814- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
\f II. AügüsU?33 Der j ü d i s c h er, A f. b.eiü f. ----------..jf .| . . ...... ..... .-- :.t................ , ■ derf, wieder eilte Renaissance. Erleben wird. Es muß daher t>eim Kongreß der, feste Wille zum Ausdruck kommen, daß jener Züricher Vertrag unbedingt rückgängig gemacht werde! Unseren Genossen muß aber gesagt werden: Gebet den1 Plam, die erweiterte Agency durch einet ort uns inspirierte Volksbewegung zu retten, endgültig auf! Gewiß ist es unsere oberste Aufgabe, die Palästinaarbeit zum Ziele einer Volksbewegung zu machen, aber muß es denn unter der unpopulären Flagge der Jewish Agency sein? Warum nicht tinsr unserer eigenen Flagge? Gibt es denn auch' hur einen einzigen Juden, »der sich mit Palästina /erblinden fühlt und dieser Verbundenheit ausschließich durch seine Zugehörigkeit zur erweitertem Agency \usdruck verleihen will? Wenn es wirklich solche Einzelne geben sollte, dann müssen sie sich eben organisierein! Die Abschaffung des Fifty-Fifty-Prinzips muß nicht einen' absoluten Abbruch, der Beziehung zu den Nichtzionisten, die die andere Hälfte bilden, bedeuten. Man muß einen Weg! finden, ihnen die Mitarbeit zu ermöglichen. Die Illusionen, daß weiiene Reorganisierungsversuche gelingen werden, müs- en1 aufgegeben werden. Es ist heute für jeden klar, in1 welchem Maße jene Kreise Volkskräfte für'den Palästinaaufbau mobilisiere™ können, wen terer Versuche bedarf es nicht! Es gibt gewisse, für unser Aufbauwerk wichtige Schichten in. den angelsächsischen Ländern, mit diesen müssen wir zu einer Vereinbarung, kommen. Auf die osteuropäischen Länder kann sich1 der neue Vertrag nicht erstrecken* da es in diesen Ländern die zweite Hälfte einfach nicht gibt! tfScliScIie ftStiill«* dom Jen A%.tsrkf en t)cr|cic|l £^^0 ^|' ^tift d zum Mdi t>et»tii»l$iflf zum Von ganz Deutschland kommen Nachrichten, daß jüdische Kaufleute von den Märkten und aus den; Markthallen verjagt werden. Auch die zentrale Markthalle in Berlin hat den jüdischen Käufleuten' befohlen, ihre Stände, die sie seit Jahren besitzen, zu verlassen. Die Beseitigung der jüdischem Kaufleute ist in ganz Hessen vollständig durchgeführt, darunter .tuch in den kleinsteil Städtchen. Der Magistrat von Frankfurt an den Oder hat sich an alle Marktkaufleute mit der Anfrage gewendet, ob sie arischer Abstammung sind und ob sie an der Front gedient haben; allen Nichtariern wird die Konzession entzogen werden. In einigen Fällen haben die Behörden jüdischen Marktleuten die Erlaubnis gegeben, ihren Stand auf ^eigene Gefahr" zu behalten. Diese können von dieser Berechtigung keinen Gebrauch machen, da sie sonst in Lebensgefahr kommen könnten. Arbeiterschaft stärkste Kongreßfraktion Die bisherigen Länder-Resultate Pächterschutzverördnung für Palästina Die soeben veröffentlichte neue Pächterschutzverordiiing für Palästina, die in einer Erklärung des Ministers;ür dk Kolonien in der Unterhaussitzung vom 14. Juli anekündigt worden war, bekräftigt die auf diesem Gebiet bisher erlassenen gesetzgeberischen Maßnahmen und erweitert den in der Cultivators Ordinance vom Jahre 1929 und dien diese amendierenden Verordnunigen vorgesehenen Pächterschutz. Die Bill wurde mit einer vom stellvertretenden Cfoefsekretär Mills gezeichneten. BegleMnote herausgegeben, in der versichert wird, daß durch die vorgeschlagenen gesetzgeberischen Maßnahmen die Freiheit von Bodenkauf und -verkauf nicht eingeschränkt werden soll, insofern dadurch Interessen der Pächter nicht nachteilig berührt werden. Der Verordnungsenitwurf sieht die Einführung des Begriffes eines „gesetzmäßigen Pächters" (stätutory teriant) ^Jvor. Unter diesen Begriff fallen jene Pächter, die ihre Pach- Itung zumindestens ein Jahr lang innehaben und bearbeiten. Die Entfernung solcher Pächter von ihrem Boden soll mit Ausnahme gewisser Fälle nicht möglich sein. Gegen solche Pächter kann ein Räumungsibefiehl nicht erlassen werden; wenn sie den Pachtschilling entrichtet, das Pachtgut nicht vernachlässigt und kein vom High Commissioner als solches anerkanntes, zur Bestreitung des üblichen Lebensunterhaltes ausreichendes Landstück (subsfcistance area) zugewiesen erhalten haben. Dieses Landstück soll, „soweit die Umstände es zulassen", in der Nähe jenes Grundstückes liegen, das vom Pächter geräumt werden soll. Die Verordnung sieht ferner die, Einsetzung von Auschüssen vor, denen die Entscheidung von Streitfällen zwi-;chen Grund,herren und Pächtern zustehen soll. Die Entscheidung über bestimmte Fragen: ist jedoch einer vom High •ommissioner zu ernennenden Dreierkommission vorbehalen, der mindestens ein Beamter aus: dem englischen Juiscenstande angehören muß. Gegen Entscheidungen der Kommission ist Berufung an den High Commissioner möglich. Die Einsetzung der Kommission wird damit begründet, daß iurch sie das Hinausziehen der Entscheidungen über Streitfälle zwischen Grundherren und Pächtern vermieden werten soll. Gegenüber der noch in Kraft stehenden Verordnung bringt :lü: vorgeschlagene Bill insofern eine Modifizierung, Weiderechte nur dann anerkannt werden, wenn ihre tatsächliche Ausübung durch die auf sie Anspruch erheben den Personen oder deren Beauftragte zum letzten Mal ^>r nicht mehr als ^sieben Jahren vor der Klageerhebung und ununterbrochen durch mindestens fünf Jahre hindurch gewohnheitsmäßig erfolgte. Arb. Pal Allg. labot. Qrossm. MIsrachi. Rad. England 2 6 0 0 1 0 Danzig 1 0 0 0 0 0 Estland 1 0 0 0 0 0 Kanada 2 2 0 0 1 0 Südafrika 2 5 1 0 0 0 Argentinien 1 1 0 0 0 0 Ostgalizien 12 11 4 1 3 0 Westgalizien 3 7 2 0 1 0 Kongreßpolen 391) 122) 19 2 13 0 Tschechoslowakei 3 2 1 0 2 1 Lettland 4 2 2 0 0 0 Palästina 36 3 5 0 43) 1 Bulgarien 1 1 1 0 0 0 Bukowina 1 1 0 0 0 0 Amerika1) 9 5 2 0 2 0 Rumänien 1 1 1 0 1 0 Bessarabiert 2 1 1 0 0 Q Litauen 7 1 2 1 0 0 Belgien 1 1 0 0 0 0 Ungarn 1 1 0 0 0 0 Jugoslawien 2 2 0 0 0 0 Als Folge der geschilderten Situation hat eine starke jüdische Auswanderung aus der Türkei begonnen. Die Juden wandern hauptsächlich nach Südamerika und Frankreich aus, während Palästina als Biinwanderungslarid erst an dritter Stelle steht. Diese Tatsache zeigt, wie schwach das nationale Gefühl bei, den Sephardim entwickelt ist. Die Zahl der türkischen Juden beträgt 80—90.000. Die Hälfte lebt in Kon/stantinopel. Die Zahl der Aschkenaskn einschließlich der russisch-jüdischen Flüchtlinge beträgt ca. 5000. Die Weltkonferenz der Wizo in Frag Die Weltkonferen>z der Weltorganisation der zionistischen Frauen wurde am 8. August in; Prag unter großer Teilnahme der jüdischen Weltöffentlichkeit eröffnet. Konferenz jüdischer Studenten in Lohdoft In London fand kürzlich unter Beteiligung angesehener jüdischer Professoren die Weltkonferenz jüdischer Studenten statt. Albert Einstein hat an die. Konferenz ein Schreiben gerichtet, in welchem er die Bedeutung der Erkämpfung der Kinderheitsrechte für die deutschen Juden, betonte. Bisher: Arbeitendes Palästina 131 Mandate, Allgemeine Zioniisten 65 Mandate, ' Jabotinsky 41 Mandate, Großmarom 4 Mandate', Radikale 2 Mandate, Misrachi 28 Mandate, 271 Mandate.!) Davon 2 Hitachduth (Ichudgegner). 2) Davon 11 Gruppe Grünbaum, I Eth Liwnoth. 3) Davon 3 Hapoe! Hamisrachi. 4J Amerika und Polen noch unvollständig! Eine Anfrage Die blutigen Ereignisse in Palästina Im August 1929 fanden in Palästina schwere Ueberfälle auf die jüdischen Siedlungen statt, die auf jüdischer und arabischer Seite schwere Opfer forderten. Genosse Mendel Singer gab aus diesem Anlaß eine Sammelschrift heraus, die wichtige Analysen der sozialen Ursachen der tragischen Geschehnisse, wichtige Stellungnahmen bedeutender Führer der Internationale zum zionistischen Problem und chließlich, aber nicht zuletzt eine tiefschürfende Auseinandersetzung des Herausgebers mit dem antizionistischen Standpunkt Karl1 Kautskys enthält. Weit über den aktuellen tragischen Anlaß hinaus ist das Werk eine wichtige zionistisch-sozialistische Erkenntnisqtielle, zu der insbesondere jene Genossen, die sich in der letzten Zeit der Bewegung angeschlossen haben, greifen sollten. Das Buch ist zum Preise von S 1.50 bei der Administration unseres Blattes 7-u beziehen. Die Revisionisten verbreiten mit großer Hartnäckigkeit das Gerücht, daß die radikalen Zionisten, beziehungsweise ihre Führer, die Herren Dr. Palschkea und Dr. Waldmann, es versucht haben, mit ihnen anläßlich des Wahlkampfes zum Kongreß zu koppeln. Die Tatsache dieses Gerüchts ist den Radikalen Zionisten sehr wohl bekannt, um so mehr wundern wir uns, daß ihr Blatt, „Der jüdische Weg", dasselbe nicht dementiert. Wir möchten über dieses interessante Detail 'des Wahlkampfies die Wahrheit erfahren; es wäre doch wohl ein sehr pikantes politisches Ereignis, wenn die radikalen „Arbeiterfreunde" in der Tat etwas mit den ärgsten Arbeiterfeinden und Faschisten zu tun haben wollten! Keine Antwort ist auch eine Antwort — dies möge der Verband der Radikalen Zionisten bedenken! Die Antisemitische Bewegung in Estland Die antisemitische Agitation, in Estland wird in der letzten Zeit immer intensiver geführt. Während, sich die Führer des estländiischen Faschismus in der Hauptstadt von der antisemitischen Bewegung distanzieren, vertreten die Provinzfaschisten in ihrer Presse den rüdesten Antisemitismus und, glorifizieren Adolf Hitler. . , * Jüdisches von der Weltausstellung in Chicago Bei der Weltausstellung in Chicago wurde ein jüdischer Tag veranstaltet, an dem Zehntausende von Besuchern teilgenommen haben. Es wurden die wichtigsten Ereignisse der jüdischen Geschichte in lebenden Bildern zur Darstellung gehracht. Deutsche Ghaluzim in Frankreich Deutsche, Chafliuzim, die unter den gegebenen Verhältnissen in Deutschland nicht auf Hachscharah gehen könnem, sind nach Frankreich ausgewandert und haben sich dort dem französischen Hechaliuz angeschlossen. Der Großteil der deutschen Chailuzim gehört dem Pariser Snif an, aber auch in Straßburg, Toulouse, Nancy und Lens haben sich deutsche Chawerim den dortigen Chaluzbünden angeschlossen. Der französische Hechaluz zählt jetzt 320 Mitglieder, die zum größten Teil in landwirtschaftlichen Schulen auf Hachscharah sind. ( Neue Verfolgungen in Deutschland Der deutsche Chemikerverband hat, dem Beispiel der Aerzteorganisation folgend, den Beschluß gefaßt, die Juden auszuschließen. Aus Saarbrücken wird mitgeteilt, daß uniformierte Nationalsozialisten einen zehnjährigen jüdischen Knaben überfallen und übel zugerichtet. Die Polizei hat den Jungen aus den Händen der Rowdies gerettet. Die Lage der Juden in der Türkei Der Antisemitismus in der Türkei ist in stetem Wachsen begriffen. Gesetzlich und praktisch sind die jüdischen Rechte weitestgehend eingeschränkt worden. Die staatlichen Aemter und Unternehmungen sind vollständig judenrein. Die Juden sind aus der aktiven türkischen Armee ausgeschlossen, sie können hier nicht die geringste Funktion ausüben. Der jüdische Soldat darf kein Gewehr tragen, er wird nur im Hilfsdienst verwendet. Die Dienstjahre sind für Juden eine Zeit der Quälereien und der Erniedrigung. Kürzlich wurde ein Gesetz gegen fremde Arbeit beschlossen. Durch dasselbe verlieren viele Juden jede Möglichkeit, ihr Leben durch Arbeit zu fristen. Die Einbürgerung ist für Juden vollkommen unmöglich geworden. Vorbereitungskonferenz für den jüdischen Weltkongreß Vom 5.—7. September findet irii Genf eine Konferenz statt, die folgende Aufgaben« zu erfüllen haben wird. Sie wird die Zeit, den Ort und das Programm des bevorstehenden jüdischen Weltkongresses zu bestimmen, und die notwendigen Vorbereitungaarbeiten zu treffen haben. Des weiteren wird sie die Grundsätze für den Kampf um die Sicherung der Rechte der deutschen Juden und um die Abwendung der Gefahr, die dem gesamten Judentum vom deutschen Antisemitismus droht, festzustellen haben. 50°oEaiirpreisermäBigiing narti (frag zum Zionisten-KonareD und zur Prager Herbstmesse Messelegitimationen ä S 5.— in allen Reise* büros und beim Bevollmächtigten der Prager Messe, Wien l, Dorotheag. 6. Tel. R-23*l-21