Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1933)
- Date
- 1933-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V.b.b. DPB ucn Eradialirt Jtftit Frtttag JUDISCHE ARBEITER Organ Oer Oereinigten zionislisdissozialistisdien Arbeiterorganisation Poale Zion—HifadiOufh in Oesterreidi Redaktion und Administration: Wien, II, Btomauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig S 12.—-,.halbjährig 8 6.- 10. Jahrgang. 11. August 1033 Nr. 32. Der Wahlausgang und seine Folgen i. Der Wahlkampf ist nunmehr abgeschlossen. Das Ergebnis dieses Kampfes ist von großer Bedeutung. Der XVIII. Zioniistenikongreß. dürfte gegen 300 Delegierten zählen, die von einer halben Million Schekelzahlern* gewählt wurden. Die Arbeiterliste allein/ vereinigte auf sich fast 120.000 Stimmen und die Arbeiterfraktion auf dem XVIII. Kongresse dürfte! gegen 135 Mitglieder zählen, das sind nahezu 45 Prozent. \ Die außerordentlich starke Beteiligung der Juden an dem Zionistenikongresse beweist, daß der Zionismus eine große organisierte Massenbewegung geworden ist, die größte, die wir bis jetzt irrt' der Dia!-! spora zustandegebracht haben'. Und daß die jüdische Arbeiterschaft nahezu 45 Prozent dieser Massenbewegung für sich eroberte, ist eini Ereignis von außerordentlicher Bedeutung. Daß dieser Sieg der jüdischen Arbeiterschaft über die reaktio-i nären unjd faschistischen Kräfte im Zionismus inj einem Zeitpunkt erfolgte, als im der Welt der FaJ sChismus im siegreichen Vormarsche begriffen! ist, erhöht seine Bedeutunig nur noch mehr. Der Sieg legt der Arbeiterschaft im Zionfe mus auch' erhöhte Verantwortung auf. Die jüdische; Arbeiterschaft: hat' sich auch bis : jetzt für das: -Palästinaaufb&uwerk und den1 Zionismus verantwortlich gefühlt, aber niemals mußte sie auch in organisa,7 torisc'her Beziehung ein so großes Maß der Verantwortung! auf sich nehmen. Wir müssen deshalb zunächst Umschau halten!, mit wem wir zu Tische glehan. Mit welchem Parteien kön'nite die Arbeiterschaft dje Verantwortung für die zionistische Weltbewegung teilen? An der Hand ihrer Stellungnahmen zum Wahlausgange wird' es wohl am zweckmäßigsten sein; diesa Frage zu klären. II. Die „demokratisc'h'ein' Revisionisten;" der Herren' Großmann und Stricker haben den Grad der Lächerlichkeit bereits erreicht. Sie dürften1 müt, 6—8 Mandaten zum XVIII. Zionistenkongreßi kommen. Diese Gruppe, die ei nie große Massenbewegung zur vollständigen Bedeutungslosigkeit verurteilt hat, benimmt sich noch immer so, als ob sie ein; gewichtiges Wort zu reden hätte. „Der Sieger im soeben! abgeführten Wahlkampf um den; XVIII. Zionisten-:' konigreß ist die sozialdemokratische Internationale" jammert das Blatt des Herrn; Stricker („Neue Welt" vom 28. Juli). Schmerzerfüllt stellt der Autor fest, daß der Kongreß unter dem Diktat der in der Inter nationale organisierten zionistischen Arbeiterpartei stehen wird. Derselbe Herr Stricker, der seit Jahren) den Juden vorgehalten hat, daß sie in Wien den) Sozialdemokraten nachlaufen, da die Arbeiterschaft an der Macht ist und da der Faschismus jetzt Mode geworden ist, sich bemüht, die Judenl Oesterreichs durch die „Jüdische Volkspartei" vor dem Wagen des österreichischem Faschismus zu spannen, begreift es nicht, daß der Weltzionismus der Strömung der Zeit nicht folgen wollte. Die Krähwinkelpolitik, die das ganze zionistische Leben vom Gesichtspunkte des Wiener. Kaffeehauses beurteilt, erlebt eine schwere Enttäuschung, und sie nimmt den Kurs mit verkeh'rteri Richtun'g. Die Juden — lehrt der Kaffeehauspolitikeii der „Neuen Welt" — laufen nicht den siegreicheri Parteien, sondern den bereits überwundenen Richtungen, in unserem Falle dem Marxismus, nach. Wenn, es noch eines Beweises bedurft hätte, mit welchen journalistischen Oberflächlichkeit diese „demokratn sehen" Revisionisten zionistische Probleme behandeln, Die Untersuchung ut»ei* den ^\©ih! an «Arlosoroff Weitere Verhaftungen. Die Anklage gegen den Brith Habirjonim. — Die Legenden des Herrn Jabotinsky. Die Ohrfeige von Grusenberg. Die Mitglieder der illegalen Terroristengruppe der Revisionisten „Brith Habirjoni;m", Dr. Jewin und Lichter, die vor kurzem auf freien Fuß; gesetzt wurden, sind wieder verhaftet worden. Sie und die anderen verhafteten Mitglieder des „Brith Habirjonim" sind vom britischen Untersuchungsrichter verhört! worden. Der Staatsanwalt Schitrit forderte eine Verlängerung der Untersuchungshaft. Der Forderung! wurde stattgegeben. Die Anklage lautet auf „hetzerische Tätigkeit" (sedishies öffenses), für welche Gefängnisstrafen bis 3 Jahre vorgesehen sind. Außeft Dr. Jewin, Lichter und Achi Meir stehen noch zehn) Revisionisten unter dieser Anklage. Jabotinsky bemüht sich, Mitleid für seine unter dem Verdachte des Mordes an Arlosoroff verhafteten Freunde zu erregen, indem er das Gerücht verbreitet* man will verhindern, daß die Angeklagten einem) Verteidiger bekommen. Auch diese Legende wurde* rasch zerstört. Es wurde nachgewiesen, daß| die Angeklagten sehr gute Verteidiger haben; und, daß, wed'err die Zionistische Exekutive, noch die Arbeiterorganisation der Uebernahme der Verteidigung dieser Ang'en klagten das geringste Hindernis in den Weg gelegt haben. Mit diesem Trick wollte auch Herr Jabotinsky den berühmten jüdischen Anwalt Gruzeriberg, den Verteidiger von Beilis, für Stawski und Kollegen} gewinnen. Die ablehnende Antwort von Gruzenberg} ist eine kräftige Ohrfeige für Herrn Jabotinsky und* seine Freunde. Die Beratungen der Mandatskommission Bei der,letzten Sitzung der Mandatskommission wurde die Frage der Emigration der deutschen Juden nach Palästina behandelt. Der Vertreter der britischen Regierung hat erklärt, daß die Zahl der Einwanderer nach Palästina, die eine Einwanderungserlaubniis erhalten werden, nicht vergrößert werden wird, vielmehr werden die Flüchtlinge aus Deutschland den größten Teil - der Zertifikate erhalten. Auf die Anfrage, ob sich die britische Regierung mit der deutschen'-itr ^Verbindung gesetzt ,shät; 'um den. deutschen Juden zu ermöglichen, ihr Kapital zu exportieren, hat J o u n g geantwortet, daß jeder Auswanderer 1000 Pfund mitnehmen könne. Auf die Frage, wie es möglich sei, diaß im Jahre 1932 bloß 212 Mohamadaraer nach Palästina eingewandert siind, antwortete Joung, daß die Einwanderer aus Transjordaniien keines Passes bedürfen, ihre Einwanderung sei daher nicht kontrollierbar. Die Mitglieder der Kommission haben angefragt, wieviel Juden in der Polizei und in der Grenzwache angestellt sind, und ob die Juden jetzt mit dem Zustande der Arbeitszuteilung zufrieden sind. Der Vertreter der Mandatarmacht antwortete, daß zur Grenzwache nur Menschen notwendig sind, die perfekt arabisch können. Auf die Frage, ob nicht die Gefahr des Ausbruchs einer Krise als Rückschlag auf die Konjunktur im Bauwesen bestehe, antwortete Joung, daß nicht mehr" gebaut werde,' als notwendig' sei, und er daher öptinüstisch der Zukunft entgegensehe. Joung wurde auch gefragt, ob die Juden mit der Höhe der Subventionen, die für das Schulwesen und für hygienische Zwecke bereitgestellt werden, zufrieden sind; Joung antwortete, daß düe Tendenz bestehe, die Subventionen zu erhöhen. Schließlich betonte Joung, daß es gegenwärtig unmöglich ist, die jüdische oder arabische Einwanderung nach Transjordanien zu erleichtern. könnten wir ihn hier an der Beurteilung der Ent* Scheidung der größten zionistischen Massenbewegung) findeni. Die Herren Großmann und Stricker irren,, wenn sie glauben, die Juden mit dem: Was werden die! anderen sagen.? einschüchtern zu können. (Die anM tisemitische Welt wird „triumphierend ausrufen, daß sich endlich der Zionismus als Träger des nach Weltherrschaft strebenden Marxismus entlarvt hat", droht die „Neue Welt".) Die „Neue Welt" hat im Wahl kämpfe Rundschreiben; des Weltverbandels Poale Zion1 und der poalezionistischen Jugend ziv tiert, die zum Teile entstellt, zum anderem Teil«! erlogen waren, der Duce Jabotinsky hat in hemmungsloser, unverantwortlicher Weise einen wütenden Kampf gegen den „Marxismus" (die „Antir marxisten" im zionistischen Lager sind womöglich noch gedankenarmer, als ihre Gesinnungsgenossen! unter den anderen Völkern) entfesselt, und die zionistischen Massen haben in ihrer Mehrheit trotzdem gegen den „Amtimarxismus" entschieden. Sind die Herren in der Lage, die Lehren1 aus dieser Entscheid du mg zu ziehen? Wenn sie es' ernstlich1 versuchen sollten, werden sie vielleicht auch noch daraufkommen, warum sie diesen Grad der Lächerlichkeit ergeht haben. III. Die faschistischen Revisionisten, mit Herrn Jabotinsky an der Spitze, sindl wohl von der Arbeiterschaft energisch zurückgedrängt worden, aber sie werden noch immerhin 38—40 Mann (zirka 14 Prozent) stark, zum XVIII. Zionistenkongreß, kommen. Wie beurteilen die Jabotinsky-Herren das Wahlergebnis? Nicht anders, als die Großrnann-Strickeiv Richtung, jammern sie: „Die II. Internationale übersiedelt in die Organisation Theodor Herzls." „Aber wem nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu) helfen"... („Der Judenstaat", Wien.) JawohT, die] erdrückende Mehrheit der zionistischen Wähler hat die Ratschläge der Faschisten abgelehnt und wird auch gerne auf die „Hilfe", die dem Zionismus von1 -jenes! Seite angeboten' ..wird, verzichten'. Die letzten Nachrichten; über die Untersuchung) um den Mord an Arlosoroff machen; jede Zusammenarbeit mit den Faschisten völlig unmöglich. Wenni auch die Mörder noch nicht überführt wurden, steht es fest, daß der Mörder in der revisionistischen! Terroristengruppe „Brith Habirjonim" zu suchen! ist. Es ist außer Zweifel, daß Jabotinsky vom der Existent* des „Brith Habirjonim" Kenntnis hatte, wenni er» auch von dem geplanten Mord an Arlosoroff nichts wußte. Die Verantwortung, die Jabotinsky für die Folgen des Bestandes der Terroristengruppe trägt, ist so groß, daß wir uns kaum vorstelleni können? wie man sieh mit diesen Herren zu Tische setzert. wird, um im einer so veranitwortungsschweren Stundej über das Schicksal des Zionismus zu beraten. Es; wird übermenschlicher Ueberwindung! bedürfen, um die Herren anzuhören, wir halten es aber für unfaßbar, daß man die Faschisten am der Verantwortunigj , für die zionistische Weltbewegung teilnehmen lasse. Es kann und darf nicht sein, daß eint! Gruppe ungestraft Terror umdi Mord als' Kampfmittel in die zionistische Weltbewegung trage. Das sinld wir dem Zion'isk mus, das sind alle verantwortlichem Teile der zionistischen Weltbewegung sich! selbst schuldig. Wer zählt zu den verantwortlichen: Teilen den zionistischen Weltbewegung? Inwiefern wird1 die Arbeiterschaft jene Teile für eine konstruktive, verantwortliche Arbeit gewinnen können? Darüber das nächste Mal. M. S.;