Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V.b.b. Erscheint jeden Freitag Organ der Üepgisiigfgü zioiiistisffi?soz!eIlsfisdi@n ßr&eitmrpnisatio« Peale Zion-üitaMIt in Oesfe?reidi Redaktion und Administration: Wien, II, Slumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.B7B Bezugspreis: ganzjährig S 12.—, halbjährig S 6.- 10 Jahrgang. 30. Juni 1933 Nr. 26 ®ßkm all* Genossen und Freunde! f «Sil 1 Auf 'dem 17. Zionistenkongreß! in Basel setzten die Revisionisten! alle Kräfte an, um .die Bewegung von der praktischen Aufbauarbeit abzulenken 'und sie in einen unfruchtbaren, zerstörenden politischen Kampf gegen das arabische Volk und gegen die Mandatarmacht hineinziihetzen. Die Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft setzten diesem Versuche den energischesten: Widerstand entgegen und mit Hilfe der demokratischen Teile der Allgemeinen Zio^ nisten gelang es, den Anschlag der Revisionisten auf das Aufbauwerk im Palästina abzuwehren1. Als Herr jabotinsky seine Vernichtungspläne gegen1 die zionistische Weitbewegung gescheitert sah, zerriß er seine Delegiertenkarte und verließ; den Kongreß. Ein1 gehorsamer Diener des revisionistischen Duce riß die blauweiße Fahne im Kongreßsaale hierunter. Von der Last des zerstörenden Revisionismus befreit, ging die neugewählte Exekutive, bei hervorragendem Anteil der Arbeiterschaft, daran, das Aufbauwerk im gesteigerten Tempo fortzusetzen, um Palästina für die hunderttausende zerstörter jüdischer Existenzen und für das große Heer unserer arbeitsuchenden Jugend aufnahmsfähig zu machen. Was taten) nun die Revisionisten? Sie eröffneten einen systematischen^ unverantwortiiehem Kampf, der darin gipfelte, das Aufbauwerk in Palästina und die zionistische .Weltbewegung zu untergraben. Sie bemühten sich1, den Wert und die Leistungjen* der nationalen Fonds (Keren Hajessod und Keren Kajerneth) herabzusetzen. Sie führten eine selbständige politische Tätigkeit,, mit 'der Absicht, die Politik der zionistischen! Weltbewegung zu durchkreuzen. Sie provozierten in Palästina die jüdische Arbeiterschaft lund schickten! irregeleitete junge jüdische Menschen ins Land', :um Streikbrecherdienste zu leisten. Sie militarisierten die jüdische Jugjenld und hetzten sie gegen die Arbeiterschaft derart auf, daß: vor kurzem 'ein junges Mädel einen Mordversuch an einem Führer der jüdischen1 Arbeiterschaft Palästinas in Warschau begangen hat und vor kaum 14 Tagen ermordete ein) Revisionist unseren Chaim Arlosoroff. Der Revisionismus brachte in die Zionistische Weltbewegung und nach Palästina die abscheulichen Methoden des Hitler-Faschismus, die durch Chauvinismus, Zerstörung, Haß und Mord gekennzeichnet sind, sie entweihten die hohe Idee der Befreiung und Erneuerung des jüdischen Volkes, die nur in Freiheit und in sozialem Aufstieg gedeihen kann. Die Voraussetzung für die Fortführung des Aufbauwerkes in Palästina ist daher die Verdrängung der Revisionisten, die Ausrottung des barbarischen Faschismus in der Zionistischen Weltbewegung und in Palästina. Der Körper des jüdischen! Volkes blutet aus vielen Wunden. In allen Ländern werden durch die Wirtschaftskrise 'die Existenzmöglichkeiten der jüdischen Massen völlig untergraben'. In Hitler-Deutschland1 werden unsere Brüder von vertierten Banden massakriert. In keinem Lande der Welt bietet sich eine Lebensmöglichkeit für die hunderttausende wirtschaftlich entwurzelten und verfolgten Juden. Alle Augen sind auf Palästina gerichtet. Jetzt gilt es mehr denn je, alle Energien zu sammeln und sie in den Dienst des Aufbauwerkes in Palästina ,der Schaffung eines arbeitenden jüdischen! Volkes in Palästina zu stellen: Die Gruppen des arbeitenden Palästina, haben kein neues Programm hiefür, sie, die unablässig für die Erweiterung des Aufbauwerkes im Palästina wirken, fordern: Stärkung der nationalen Fonds und der nationalen Kolonisation; Kampf für die jüdische Arbeit in den jüdischen Kolonien und in allen anderen Unternehmungen; Kampf für unser Recht auf Arbeit in den Unternehmungen der Mandatarmacht; Oeffnen der Yore Palastinas^tür die arbeitsuchenden jüdischen Massen, die Kontrolle über die Einwanderung soll der Jewish Agency überlassen werden; Unaufhörliches Bemühen um eine friedliche Verständigung mit dem arbeitenden arabischen Volke; Kampf gegen das Spekulation treibende Privatkapital, aber für die erweiterte Einwanderung des arbeitenden jüdischen Mittelstandes und des Arbeit schaffenden jüdischen Kapitals. Bedingungslose Anerkennung der Hoheit der Zionistischen Weltorganisation und der demokratisch gewählten Vertretungen der Juden in Palästina, und sich ihnen unterordnen. v Anerkennung der Organisation der jüdischen Arbeiter. Fort mit dem Faschismus, der das Aufbauwerk und den Zionismus untergräbt! Die Organisationen und1 Gruppen: P o a 1 e Z i 'o tn'- Hitäch'd'uth, ijiüdisc'he sozialistische Arbeiter jugeind1, die 'Jiugeindb'iümd'e: Haschiom erHaza ir, Haschomer HazJäl'r-Blauwei'ß, Giordoiniab und Misch mar Haowdim wenden! sich än! alle Genossen und Genossinen1, an alle Freunde des arbeitenden Palästina mit der Aufforderung: Jeder, der einen Schekel erworben hat, gehe am 6. Juli zur Wahl! Werbet für die Liste des arbeitenden Palästina! Griechenland läßt die Einwanderung deutscher Juden zu Der provisorische Leiter des Außenminister!ums Pezmadjoglou hat der Bitte des Allgemeinen Gewerksch'aftsbundes, tausend Juden,, die aus Deutschland ausgewandert sind :und sich in Griechenland dauernd iniederlassen1 wollen, die Einwanderung! nach' Griechenland1 zu gestatten, entsprochen. Herr Pezmadjoglou hat erklärt, die Auswanderer könnten' sich »vorausgesetzt, daß ihre Pässe in Ordnung, sind, in .Griechenland niederlassen, jedoch unter der Bedingung, daß ihre Einwanderung nicht auf einmal erfolge. Diese Einschränkung müsse im Hinblick auf die auch jrt Griechenland herrschende Arbeitslosigkeit gemacht werden. Flüchtlinge, deren Papiere nicht in Ordnung seien, müsse jedoehJ die griechische Regierung! zu ihrem Bedauern die Einwanderung verwehren. Ueberfall auf das Hauptbüro der Jewish Agency Mitglieder der radikalen] und antisemitischen Faschistengruppen, 'unter die sich, wie Abg. Mosley vor kurzem mitteilte, zahlreiche zweifelhafte Elemente eingeschlichen! haben, versuchten, einen nächtlichen Ueberfall auf das Londoner Hauptbüro der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation durchzuführen^ Die Polizei koninte entsprechende Gegenmaßnanhien treffen, so daßi der Ueberfall' vereitelt wurde. Die Zionistische Exekutive wurde von der Polizei aus telephonisch vtom den durch1 Geheimpolizisten: festgestellten Absichten der, Faschisten in1 Kenntnis gesetzt. Tatsächlich fuhren am folgenden! Morgen um 3 Uhr zwei von Faschisten besetzte Lastkraftwagen vor dem Büro der Exekutive vor. Als: die Faschisten bemerkten, daß das Gebäude polizeilich' bewacht war, fuhren die Autos Im sehr schnellem' Tempo ,von der Polizei verfolgt^ davon. Antisemitische Studentenunruhen in Czernowitz An der Czermowitzer Universität ist es in letzter Zeit wiederholt zu antisemitischen Studentenunruhen und1 zu Zusammenstößen zwischen cuzistischen und jüdischen1 Studenten gekommen. Die antisemitischenf Studenten) sind nunmehr dazu (übergegangen, jüdischen Hörern den Zutritt zur Hochschule zu verwehren, und haben die Forderung nach Einführung des Numerus nullus aufgestellt. Die jüdische Bevölkerung ist über diese Forderung im Hinblick darauf besonders aufgebracht, da"- sie nicht nur von cuzistischen1 Studenten, sondern auch von den Stu-f denteniyereinigungen der nationalen Minderheiten, darunter den polnischen und ukrainischen Studentenkorporationen, erhoben wurde. Die Czernowitzer „Allgemeine Zeitung" wurde wegen eines Artikels, in dem sie sich in schärfster Weise gegen die Forderungen der antisemitischen' Studenten' wandte und auf die Unnatürlichkeit des Bündnisses, der Minderheitsstudenten, insbesondere der polnischen und ukrainischen, denen der Gebrauch' ihrer Sprache auf Hochsch'ulboden untersagt worden sei, mit den cuzistischen Studenten hinwies, von' den: Militärbehörden — in Czernowitz herrscht noch Belagerungszustand — verboten. Das Ve,-b.)<; des freiheitlichen1 Blattes hat einen umso pei* Kinrui Eindruck gemacht, als: gleichzeitig andere Zeitungen,' die (einen aufreizenden Artikel des' Antisemitenfüh'rersl Cuza veröffentlichten und die Forderung nach dem Ausschluß der jüdischen Studenten aus der Czernowitzer Universität unterstützten, ungehindert ers'cheimeni Konnten. 100 jüdische Aerzte verlieren die Kassenpraxis Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, hat der Frankfurter 'Aerzteverbanld für freieAerztewah'I seinen' Mitgliedern iniebtarischer Abstammung ein. Schreiben zugehen lassen, in dem sie verständigt werden', daßi ihre Zulassung zu den RVO-Kassen auf Grund der Verordnunig des RdchSarbeitsministers vom 22. IV. 1933 mit 1. Juli 1933 für beejndet erklärt wird. Dem Seh'reibqn ist eine Anlage beigefügt, welche die formellen Bestimmunigen . über 'fdie Beschwerdemöglichkeif ■ (mitteilt. Demzufolge scheiden über 100 jüdische Aerzte 'und Aerztinlnen aus der Kassenpraxis aus, falls nicht in einzelnen1 Fällen eingebrachte Beschverden Erfolg haben. Holland unterstützt jüdische Auswanderer aus Deutschland Das Amsterdamer Hilfskomitee für deutsche Juden) gäbt gegenwärtig wöchentlich 15.000 holländische Gulden an Unterstützungsgeldern für Wohnung und1 Beköstigung von iüb'er tausend jüdischen1 Auswanderern aus Deutschland aus. lllli'B Dienstag, den 4. Juli 1933, 8 Uhr abends, Festsaal des Hotel Post,I. Fleischmarkt 24 Grf»£^ Es sprechen: Dr. Martha Hof mahn, Dr. Sokal, Mendel Singer und Dr. Bernay Die Gage in Zionismus und die Wallten zumXUIll.Zionisfenftowß ■IIM^